Gedankensplitter

Wer nicht zu viel empfindet, empfindet zu wenig?

Wir emotional, sagen wir mal, etwas schneller getriggerten Menschen beneiden oft die, die scheinbar bei Buddha in der Lehre waren und nun mit stoischer Ruhe durchs Leben lustwandeln, fern von Drama und Gefühlseskalation. Was muss das für eine zufriedene und entspannte Existenz sein? Vor allem in Zeiten, in denen bei uns die Skala auf Tsunami steht und die Wogen nur so über uns zusammenschlagen, schielen wir neidisch auf die ewig Gelassenen und fragen uns Mal um Mal: „Wie machen die das bloß?“

Die Antwort fällt ernüchternd aus, denn die machen das nicht – genauso wenig, wie wir das machen. Das IST einfach so. Ich denke allemal, dass man in der Lage ist, sich ein gewisses Maß an Gelassenheit anzueignen, seine Veranlagung jedoch kann man nicht neu codieren. Und was IST, das sollte man akzeptieren. Letztlich bleibt einem nichts anderes übrig, als mit den Werkzeugen zu arbeiten, die einem gegeben sind.

Ich kann der hohen Emotionalität durchaus etwas abgewinnen. Sicher will man in manchen Krisenzeiten einfach nur flüchten, doch wenn Glücksmomente anklopfen, wenn wir Kunst bestaunen, ein Tierkind uns entzückt oder wenn wir in die Augen eines geliebten Menschen schauen, dann möchte keiner von uns zu wenig empfinden. Plötzlich blicken wir überhaupt nicht mehr neidisch auf die Ungerührten, die mit beinahe sichtbaren Fragezeichen über dem Kopf vor einem Kunstwerk stehen oder während eines Konzerts gähnend mit dem Smartphone spielen.

Medaille und Kehrseite bekommt man eben nur im Doppelpack. Lieber einmal mehr empfunden, als gefühlslethargisch durchs Leben zu gehen. Vielleicht hilft es in unangenehmen Situationen ja, sich daran zu erinnern, wie überwältigend sich der letzte Glücksrausch angefühlt hat – und wie intensiv man auch den nächsten erleben wird.

6 Kommentare zu „Wer nicht zu viel empfindet, empfindet zu wenig?

  1. Hallo Heidi
    Ja es gibt tatsächlich etwas in mir was mich zum schreiben auf deinem Blog gebracht hat.
    Ich hab ja einmal gesagt, wenn mir etwas gefällt werd ich mal schreiben, für das Wort gefällt entschuldige ich mich auch gleich mal, war damals unpassend.
    Bewegt ist wohl der bessere Ausdruck.
    Das war jetzt soweit, etwas hat bich bewegt, etwas ruppig zugegeben.
    Ich habe nichts gegen euch emotional schneller getriggerten , hab ich doch zwei davon in meiner Familie und liebe sie über alles.
    In Schönwetterphasen ist es wunderbar sie zu beobachten wie sie zu Beispiel dieses Wochenende mit einem Neugeborenen aus meiner Verwandschaft interagieren, sich freuen wenn etwas gelingt in Beruf , Schule oder sie einfach nur beim Serie schaun Tränen in den Augen haben.
    Letzteres werd ich wohl nie so richtig verstehn.
    Aber wehe wenn das Wetter umschlägt.
    Beim letzten mal war dann Schluß bei mir, ist noch nicht so lange her.
    Ich mache ja den Wellenbrecher, den Prellbock wie mein Vater zu sagen plegte, muß und kann es auch mittlerweile ganz gut.
    Es gibt ja auch keinen mehr hinter mir, also muß ich.
    Ich war früher selbst kein einfacher Mensch in dieser hinsicht und weiß, wenn auch oft durch schmerhafte Erfahrungen das man das beherrschen lernen kann.
    Vor ein paar Minuten hat mir meine Tochter das🧘‍♀️ geschickt.
    Ihr geht es jetzt sei einiger Zeit um einiges besser dadurch, denn sie litt schon sehr unter ihren emotionalen Tsunamis wie du es nennst.
    Also, das “ das ist einfach so“, geht da wirklich gar nicht bei mir.
    Denn bei aller Liebe, hab ich weder die Kraft noch vor allem den Willen weiter der Kratzbaum für ihre Emotionen zu sein und das wissen sie jetzt.
    Tja, das ist der Grund für mein erscheinen hier auf deiner Bildfläche, ich hoff das Fragezeichen ist somit erklärt und lieber Kevin, ich hab es wirklich nicht nötig mich hier vor Heidi Wichtig zu machen und vor dir schon gar nicht.
    Also, bleibt nicht so wie ihr seid, sondern werdet besser als ihr ohnehin schon seid.
    Und an alle möchtgern Schreiberlingen denen ich auf den Schlips getreten bin, ihr mich auch 😂😂

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  2. Hallo
    Die Ungerührten stoischen Buddhisten mit dem beinahe sichtbaren Fragezeichen über dem Kopf die dann noch dazu gähnend und gefühlsletargisch mit dem Handy spielen???
    Hallo, alles noch gut soweit?
    Das sind vielleicht einfach gestrickte Leute die du da beschreibst und nicht unbedingt Menschen die versuchen ihren Geist, ihre inneren Dämonen zu beruhigen.
    Vielleich versuchen sie auch nur auf die berühmte Mittellinie zu kommen.
    Ich bin auch kein Freund von, das ist eben so, wo ist da persönliche Entwicklung?
    Eines noch, lebt man eigentlich im Jetzt wenn ich von vergangenen überwältigenden Glücksräuschen zehre und mich schon auf den nächsten in der Zukunft freue?
    Ich bin heut unangenehm aber ich wurde bei deinem Text leider emotional getriggert🤘

    Gefällt 1 Person

    1. Alles gut, nur die Ruhe. Wenn man so sehr getriggert ist, vielleicht liegt es dann doch eher IN einem selbst, und möglicherweise ist der Beitrag in einem komplett anderen Kontext gemeint? Denn was du hier schreibst, löst über meinem Kopf ein Fragezeichen aus! 🙂 Danke trotzdem für deinen Kommentar.

      Gefällt 1 Person

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