Gedankensplitter

Und täglich grüßt …

Die Augen aufschlagen, nach dem Wecker greifen, Augen noch einmal schließen, sich in der Wärme strecken und ein wenig in der Schlafwunderwelt verweilen. Den noch trägen Gedanken nachhängen, einer Traumbegegnung nachspüren und, bevor ich mich dem Tageslicht aussetze, ein paar Pläne für Abenteuer schmieden.

Meine Hündin und beste Freundin tappt mit der Pfote gegen meine Schlafzimmertür – ihr unwiderstehlicher Versuch, mich aus dem Bett zu bekommen. Tiere wissen um die Qualität der Morgenstunde und die Felder laden zum Schnüffeln und Entdecken ein.

Danach? Ein ruhiges Frühstück, begleitet von meinen Texten oder denen anderer Wortkünstler; es gibt immer was zu lesen oder zu Papier zu bringen. Außerdem Yoga für den Körper sowie den Geist.

Starten in den Arbeitstag, aber immer auch Raum für mich. Für Dinge, die meine Seele erfreuen, Kleinigkeiten, die in ihrer scheinbaren Banalität berühren. Für Musik oder ein Buch, das mich innehalten lässt, für einen Film, der noch Stunden nachhallt, einen Ausflug in die Natur, der den Kopf auslüftet. Hin und wieder auch für einen Besuch in der Stadt mit ihren Theatern und Konzertsälen – oder ich lasse mich einfach nur in ihre verborgenen Gassen locken.

Das alles in einer sich scheinbar ständig wiederholenden Routine? Ja, kann man so sagen. „Routine“ klingt allerdings stark nach Langeweile, Starre und Leblosigkeit, findet ihr nicht?

Immanuel Kant hatte einen strengen Tagesablauf, „damit er nicht über Alltägliches, sondern Wichtiges nachdenken konnte“. Wie mir das aus der Seele spricht! Ich nenne Routine lieber Ritual. Das klingt gleich wesentlich bedeutender, oder?

Rituale geben Sicherheit, schaffen eine Basis, auf der man mit freiem Geist Kreativität und Verrücktheiten ausleben kann. Schon Kinder lieben das Ritual: Die Gute-Nacht-Geschichte, täglich das gleiche Frühstück, sie haben Strukturen für fast alles im Leben. Die kleinen Menschen machen es – wie immer – mit der ihnen typischen Leichtigkeit, mit reinen Instinkthandlungen vor. Sie sind keine Kopfmenschen, zu denen werden sie erst. Inmitten ihrer fixen Abläufe sind sie kleine Erschaffer.

Da dachte ich doch glatt, mein Leben wäre langweilig, weil ich mit einer leidenschaftlichen Begeisterung meinen täglichen Ritualen folge. Da bin ich doch wirklich dem Irrtum aufgesessen, ich müsste weiß Gott was im Außen veranstalten, um mein Leben als aufregend bezeichnen zu können. Dabei liebe ich meine fixen Strukturen, innerhalb derer es gleichwohl bunt, wild und kreativ zugeht!

2 Kommentare zu „Und täglich grüßt …

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