Gedankensplitter

Schattenspiele

Hast du heute schon deinen Schatten Hallo gesagt?
Du kennst sie nicht? Dann hast du sie entweder geschickt verdrängt oder im spirituellen Coaching nicht aufgepasst.
Scherz beiseite. Das Phänomen findet sich auch in der Psychologie; hier steht der Begriff aber für die Anteile in uns, die wir uns nicht so gerne ansehen.

Was macht einen guten Menschen aus? In unserer Prägung ist das jemand, der stets freundlich und hilfsbereit ist, fernab jeder Negativität, und für seine Mitmenschen immer nur das Beste will. Aber entspricht das der Wahrheit? Niemand ist nur „gut“. Eigentlich ist das ein abstrakter Begriff. Denn vor allem sind wir Menschen und tragen alles in uns, mehr oder weniger ausgeprägt.

Meiner Meinung nach wurde der Begriff „Schattenarbeit“ ein wenig unglücklich gewählt. Er klingt, als müssten wir rein machen, etwas gewaltsam aus uns entfernen, was vermeintlich nicht willkommen oder unnütz ist. Wie stellen wir das an? Umnebeln wir uns mit Räucherwerk, nehmen wir ein Dampfbad, murmeln wir magische Formeln oder gehen wir zur Messe? Das ist natürlich Quatsch.

In einem Beitrag einer Psychologin, der sich mit diesem Thema beschäftigt und mich wirklich berührt hat, habe ich etwas Interessantes gelesen. Sie schrieb von einer Übung, die darin bestand, dass man sich vorstellen soll, an einem Lagerfeuer zu sitzen. Daneben haben all die eigenen Anteile Platz genommen, die man gerne schamhaft versteckt: die Eifersucht, die Wut, die Faulheit, das Nörgeln, die Tratschlust, das Tricksen, der Jähzorn, aber auch verborgene Sehnsüchte, Anlagen und Neigungen, die uns Lust bereiten … Setzt die Liste nach eurem Belieben fort – man kennt sich selbst am besten.
Anschließend blickt man in die Runde und versucht, gütig und einladend zu sein, ja, sogar wertschätzend. Immerhin gehören all diese Anteile zu einem. Sie haben einen zu dem Menschen gemacht, der man ist, und an den Ort geführt, an dem man steht. Es wird sich etwas verändern, wenn man sich darauf einlassen kann.
Ich habe es ausprobiert und es hat mich gerührt.
Plötzlich wirkten die unbeliebten Anteile so menschlich, so verletzlich, nahbar.
Ich hatte das Bedürfnis, sie anzulächeln.

Einladung ist immer besser als Ausgrenzung, Annahme besser als Abwehr. Es lässt einen ruhiger werden, gelassener und ein wenig liebevoller. Das Vertrauen in uns selbst wächst. Und dann geht es auf einmal viel einfacher, „gut“ zu sein …

2 Kommentare zu „Schattenspiele

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