Gedankensplitter

Glück ist schwierig

In einem Film hörte ich Folgendes: „Wer nicht unglücklich ist, weiß nicht, dass er nicht glücklich ist.“

Wenn man das einmal eine Weile sacken lässt, erkennt man, dass viele von uns regelrecht in diesem Zustand festhängen. Zumeist flieht man nur, wenn etwas wirklich Gravierendes geschieht. Ansonsten verharrt man, lässt Chance um Chance an sich vorüberziehen, denn „es geht einem ja nicht schlecht“. Das Leben lebt sich derweil munter weiter – von ganz allein. Man selbst muss dazu gar nicht viel beitragen. Hin und wieder nimmt es einem sogar eine schwierige Entscheidung ab, also kein Stress.

Eng wird es bloß, taucht jemand auf und stellt eine ganz bestimmte perfide Frage: Bist du auch glücklich? Dann dreht man sich weg, startet ein Ablenkungsmanöver, wechselt das Thema oder macht einfach die Augen zu. Blöde Frage! Glück – was ist schon Glück? Glücklich ist, wer zufrieden ist! Man darf nicht immer so viel erwarten vom Leben! Anderen gehts noch viel schlechter! Schau den Nachbarn an, der hats nicht halb so gut wie ich! Also, so tun doch alle. Das ist völlig NORMAL.

Es ist normal für uns geworden, auf Glück zu verzichten – das muss man sich einmal vorstellen! Wie viel im Argen liegt, merken wir erst, wenn sich bereits körperliche Beschwerden einschleichen oder wir direkt auf die Schnauze fallen.
Die Herzkranke im Film setzt sich in der Kantine zu einem Pärchen und erkundigt sich, ob die beiden einander lieben. Diese wissen keine rechte Antwort darauf. Anschließend beobachtet sie das Pärchen eine Weile, ehe sie der Frau beim Gehen ins Ohr flüstert: „Such dir jemanden, der verrückt nach dir ist.“

DAS sollten wir sacken lassen.

Mir stellt sich die Frage, ob wir es überhaupt aushalten können, wenn jemand verrückt nach uns ist. Ich weiß, dass das erst einmal absurd klingt, aber trauen wir uns stehenzubleiben, wenn uns unverhofft derartige Nähe trifft? Wir sind in Sicherheit, wenn wir Gefühlen mit dem Verstand begegnen. Würden wir wieder lernen, mit der Seele zu gucken, würde uns so manche Schönheit, die uns umgibt, von den Füßen reißen. Haben wir deshalb womöglich Angst vor Glück, und Zufriedenheit erscheint uns als die bessere Wahl?

Versteht mich nicht falsch: In jeder Suppe ein Haar zu suchen oder Menschen und Situationen zu hart zu beurteilen kann dem Wohlergehen natürlich ebenfalls im Wege stehen. Sich auf das Glück einzulassen birgt das Risiko von Verlustängsten. Dennoch sollten wir einmal raus aus der inneren Starre und den tausend Zukunftsängsten; weg von Stereotypen, die wir uns selbst in den Kopf gesetzt haben und die uns wahrscheinlich gar nicht erfüllen würden. Häufig tun das nämlich ganz andere Dinge oder Menschen. Setzt mal wieder für ein paar Stunden die rosa Brille auf. Meinetwegen auch eine blaue. Glückliche Menschen sind netter zu anderen.

4 Kommentare zu „Glück ist schwierig

  1. Ja, Glück und Zufriedenheit sind zwei Paar Schuhe… Zufriedenheit ist gut, natürlich, aber Glück ist halt doch nochmal was ganz Anderes. Und oft versackt man so im Alltag – der ja nicht schlecht ist! – dass man seine Chancen auf Glück, vielleicht nur auf kurzes, akutes Glück, einfach nicht sieht. Und wenn doch, braucht es schon ein bisschen Mut, das Bekannte zu verlassen und sein Glück zu suchen, wie man so schön sagt. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es sich lohnt. Für das ganz große Glück genauso wie für das kleine, das einem „nur“ den Tag ein bisschen aufhellt.

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