Hochsensibilität

Hochsensibilität: Die „Scanner“

Obwohl man den HSP nachsagt, sie wären zurückgezogen, still und introvertiert, finden sich unter ihnen auch äußerst lebendige Gesellen, oftmals hochbegabt und in vielen Themenbereichen zu Hause. Man hat für sie sogar einen Begriff kreiert, nennt sie die „Scanner“. Dieser Begriff ist natürlich nicht den HSP vorbehalten, sondern bezeichnet generell Persönlichkeiten mit entsprechenden Wesensmerkmalen. Auf ihre Umwelt wirken sie neugierig und begeisterungsfähig. Sie verfügen über eine herausragende Auffassungsgabe, reagieren flott und wissbegierig auf Reize von außen und hätten am liebsten drei Leben auf einmal zur Verfügung. Sie sprühen vor Ideen, was es ihrer Umwelt nicht immer leicht macht, ihnen zu folgen. Nur selten sind sie Experte auf EINEM Gebiet, denn es widerstrebt ihnen, sich festzulegen. Zu viel könnte ihnen auf dem Weg entgehen.  

Autorin und Persönlichkeitscoach Barbara Sher hat sich besonders intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Mit ihren Büchern versucht sie, ein wenig Ordnung ins zuweilen entstehende Chaos zu bringen. So aufgeweckt und lebendig das alles nämlich auch klingen mag, mitunter kann es durchaus anstrengend sein. Gerade schnell reizüberflutete HSP können hiervon Lieder singen: Sind sie den Außenreizen geschickt entkommen, vibriert im Inneren häufig schon der Tatendrang.

Entscheidungsfreudig sind sie nicht gerade, diese munteren Menschen, denn ständig begleitet sie eine schwebende Angst: Wähle ich nun DIES, entscheide ich mich gleichzeitig gegen JENES. Dazu fragen sie sich, ob sie in ihrem Leben überhaupt genug Zeit finden, all ihre Träume zu verwirklichen. Der Rat „Mach, was du am besten kannst!“ entpuppt sich als hinfällig, denn wie bereits erwähnt, haben Scanner in der Regel mehrere Begabungen, derer ihnen jede einzelne Freude bereitet. 

Auch Gedankenspiele, bei welchen sich Für und Wider scheinbar die Waage halten, können sie ausbremsen: Will man am Land leben oder doch lieber in der Stadt? Getrennte Wohnungen oder zusammenziehen? Der Beruf, der mehr Sicherheit bietet, oder doch der kreative?

Der Kick nimmt zumeist keine bedeutende Rolle ein. Grenzerfahrungen oder das Heraufbeschwören spektakulärer Situationen sind für den Scanner nicht ausschlaggebend, denn um sich selbst zu spüren, reicht es ihm, sich in ein gutes Buch zu vertiefen – auch wenn er dabei schon drei weitere und nebenbei noch zwei interessante Filme im Auge hat.

Der nächste Irrtum wäre, dass diese Menschen oberflächlich sind, ständig Bäumchen wechsel dich spielen und man sich nicht auf sie verlassen kann. Das entspricht nicht der Wahrheit. Tiefe schließt vielseitige Interessen keineswegs aus. Ganz im Gegenteil – ein Scanner wird wahrscheinlich noch nach Jahren daran interessiert sein, neue Facetten an Partner, Wohnort oder Beruf zu entdecken … und das kann er auch. Wenn sich so eine aufgeweckte HSP für jemanden oder etwas entscheidet, dann hat das nämlich Gewicht.

Sicher gäbe es noch eine Menge zu erzählen, aber jetzt gehe ich mich erst mal entscheiden, mit welchem Buch ich beginnen soll. Wenn sie nur nicht alle so spannend klängen … 🙂

4 Kommentare zu „Hochsensibilität: Die „Scanner“

  1. Sehr schöner Post, danke dafür 🙂 Ich finde mich darin ebenfalls wieder. Ich brauche einiges an Anregung von außen – aber zuviel darf es dann auch nicht sein. Sonst herrscht Chaos im Kopf. Es ist manchmal ein bisschen schwierig, da eine Balance zu finden 😉 Ich unterhalte mich unfassbar gerne mit anderen Menschen, gleichzeitig zieht mir der Kontakt zu Menschen, die ich nicht gut kenne, auch viel Kraft ab. Ich brauche dann wieder Zeit für mich, um aufzutanken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die mich nicht gut kennen, es teilweise merkwürdig finden, dass ich an manchen Tagen sehr kommunikativ bin, an anderen dann aber am liebsten nur für mich sein will.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Christiana, du beschreibst eine ganz klassische Situation, die keinem Hochsensiblen fremd ist. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es immer am besten war, es den Menschen ganz klar zu kommunizieren. Wer sich daran stößt, nun, lass es sein Problem sein! 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Hab diesen Begriff „Scanner“ erst vor kurzem entdeckt und mich darin wiedergefunden. Endlich nicht mehr die ewig quälende Frage, was mit mir nicht stimmt, warum ich mich einfach nicht entscheiden kann. Jetzt ist zwar immer noch offen, wie ich alles unter einen Hut – oder alle meine Hüte – bekomme, aber das wird sich zeigen 🙏 Liebe Grüße, Lena

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu lenkasause Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s