Gedankensplitter · Gesellschaft

Wut im Bauch?

Nach meinem letzten Beitrag wurde ich gefragt, ob ich Wut oder Resignation empfinde.
Tatsächlich entstand der Text aus einem ganz anderen Gefühl: Aufbruch, Tatendrang, geistige Weiterentwicklung und aus der Intuition heraus, dass jetzt der genau richtige Zeitpunkt dafür ist.

Nichtsdestotrotz habe ich in mich hineingehorcht, ob da auch etwas ist, das meine Intention, in Zukunft kritischer schreiben zu wollen, nährt.
Ja, manches (vieles?) kann einen schon wütend machen. Das aktuelle Weltgeschehen und die Entwicklung der Gesellschaft tragen dazu bei: die Ignoranz, was den Klimawandel betrifft, die ungerechte Verteilung der Produktionsgüter, sodass in reichen Ländern Menschen auf der Straße leben müssen und die Gesundheitsversorgung nicht mehr vollumfänglich gegeben ist. Der Westen die ärmeren Länder nach wie vor ausbeutet und sich dann über Flüchtlingszahlen mokiert – aber muss ich wirklich alles im Detail aufzählen?
Denjenigen, die nicht ganz blind oder nicht bewusst als Vogel Strauß durch die Welt laufen, ist das alles bekannt. Man darf von unserem Gesellschaftssystem zumindest schwer irritiert sein.

Aber lasst uns trotzdem einmal über Wut generell sprechen. Man muss ihr zugestehen, dass sie als Zündung, um in die Aktivität zu kommen, von Vorteil sein kann. Außerdem sollten wir sie weder bewerten noch verurteilen, sondern uns vielmehr die Frage stellen: Woher kommt sie denn überhaupt? Warum sind immer mehr Menschen unzufrieden und das in einem Ausmaß, das Groll schürt? Da dürfen wir eine Portion Verständnis durchaus walten lassen.

Ich persönlich empfinde Unbehagen, wenn es laut und aggressiv wird. Das löst Abwehr aus und deshalb werde ich mich der Werkzeuge, die aus diesen Energien kommen, wahrscheinlich nicht oder nur selten bedienen.
Die feine Feder, mit der man Geschichten erzählt oder Dinge ins Bewusstsein rückt, liegt mir mehr. Sie kann der stetige Tropfen sein, der den Stein höhlt, aber da spricht wahrscheinlich auch die Therapeutin aus mir.
Dies muss nicht für jeden von uns gelten. Ich meine aber, dass ein klarer Kopf und ein wenig abgekühlte Emotionen vielleicht nachhaltiger zum Ziel führen können, ohne der Wut ihre Berechtigung absprechen zu wollen.

Bin das immer noch ich, die sich da in meinen Texten zeigt? Die, die früher von der romantischen Liebe schrieb, Traumbilder kreierte und über den Wolken ging?
Natürlich. Mehr denn je. Die ist nicht weg, ganz im Gegenteil – und neuerdings mag sie ihre Energie nützen, um Gedankensplitter zu bewegen, die zu einer Klarheit und einem offenen Blick auf das, was uns umgibt, führen können …

Ein Kommentar zu „Wut im Bauch?

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