Gedankensplitter

Erfolgreich nichts tun

Kann es sein, dass wir dann am erfolgreichsten sind, wenn wir die Entwicklung der Dinge einfach dem Leben überlassen, ganz ohne unser kontrollierendes Zutun?
Kennt ihr die Tarotkarte „Der Wagen“? Darauf lenkt ein Mensch ein Gefährt mit zwei Pferden. Das Besondere daran: Die Tiere tragen kein Geschirr und er selbst hat keine Zügel in der Hand. Die Bedeutung liegt im Vorankommen, ganz ohne Verbissenheit und Kontrolle. Was auf den ersten Blick wie die leichteste Sache der Welt klingt, gestaltet sich in der Praxis als gar nicht so einfach.

Es geht dabei um Akzeptanz sowie die Annahme dessen, was ist und sich gerade zeigt. Die Übung könnte gelingen, wenn wir uns einen offenen, neugierigen und urteilsfreien Blick bewahren – darauf, was uns umgibt und worauf wir treffen, den lieben langen Tag über.
Vielleicht reicht es schon, sich einfach weniger aufzuregen, sich den Blick aus der Vogelperspektive zu bewahren und zu fragen: „Ist es das wert? Bin ich darüber zwei Stunden später noch immer aufgebracht?“
Das große Ganze fest im Auge behalten und nicht nur kleinlich die Emotion des Augenblicks bewerten – ich glaube, darin liegt die Lösung. Dann lernt auch unser Gehirn Gelassenheit.
Wir müssen nicht zu Heiligen mutieren. Womöglich genügt ein Lächeln für den Menschen gegenüber. Lieber in kleinen Schritten denken. Bevor man sich moralisch über den anderen erhebt, könnte man innehalten und sich in Erinnerung rufen: „Dieser Mensch erlebt wie ich das Leben, und das ist nicht immer eine Blumenwiese.“

Eine Herausforderung besteht bestimmt darin, dass man sich von einer Abwehrhaltung gegen scheinbar missliche Umstände, aber auch von überzogenen Wünschen und Erwartungen befreit.
Beides signalisiert dem Leben nämlich, dass man es infrage stellt, und wahrscheinlich eignet sich nichts besser, seinen Fluss zu stören, als diese Geisteshaltung. Unsere immerwährende Entscheidung, wie es scheint – Seele oder Ego? Letzteres ist wichtig, lässt sich aber oft nicht in die Karten schauen und agiert dabei manchmal ziemlich raffiniert. Mal spielt es Opfer der Umstände, dann wieder kleines Kind, das einfach nur liebgehabt werden will. Ab und zu kann es auch über das Ziel hinausschießen, schließlich stecken wir nicht tagtäglich in lebensbedrohlichen Situationen. Vieles, was unser lebhaftes Gehirn uns zeigt, sind Illusionen. Dabei ist es völlig egal, ob es um Sehnsüchte oder Ängste geht.

Stellen wir uns vor, wir könnten für ein paar Augenblicke alle Kritiksucht und die Zweifel zur Seite legen, könnten uns mit unseren Ängsten aussöhnen und gar dem Leben vertrauen. Was würden wir vorfinden?
Womöglich wartet genau dieses Leben schon darauf, sich jenseits aller Befürchtungen und träumerischen Visionen auf wundervolle Art und Weise zu entfalten …

2 Kommentare zu „Erfolgreich nichts tun

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