Gedankensplitter

Rückkehr aus dem Norden

Am Donnerstagabend sind wir aus Schweden zurückgekehrt.
Nun könnte ich euch von der Natur erzählen, von all den roten Häusern, den vielen Seen und der Weite. All das könnt ihr euch auf Bildern ansehen.
Was also habe ich mitgenommen?

Das große Land im Norden hat rund zehn Millionen Einwohner, Österreich neun. Fast die gleiche Anzahl an Menschen verteilt sich auf eine Fläche, gegen die meine Heimat wie ein kleiner Karton wirkt, in dem wir uns dicht aneinander drängeln.
Die Distanzen, die wir zurückgelegt haben, um ein Ausflugsziel oder auch nur einen Supermarkt zu erreichen, waren beeindruckend für mich. Ebenso wie der Umstand, währenddessen keiner Menschenseele zu begegnen. So wurden  Entspannung und Freiheit zu mehr als nur zwei großen Wörtern und tatsächlich greifbar.

Schweden bietet malerische Flecken, trotzdem fehlt ihnen der liebliche Postkartenkitsch. Den Wäldern und Seen mutet etwas Stoisches an, etwas majestätisch Erhabenes. Nichts drängt sich dir auf. Hier verstand ich den Begriff, einfach zu SEIN, vielleicht zum ersten Mal richtig. Ich fühlte Tiefe, Mystik und eine Ruhe, wie ich sie selten zuvor erlebt habe.
Meine Lieben wissen, wie gerne ich mich innerhalb meiner vier Wände aufhalte. Dort jedoch hat es mich magnetisch nach draußen gezogen, um etwas von dieser Atmosphäre abzukriegen. Ich fühlte mich meinem Körper auf ganz neue Art und Weise verbunden, weil er mich verlässlich kilometerweit über Stock und Stein trug – ohne Schmerzen oder ein Zuwenig an Kraft.
Die Gespräche, die wir auf unseren Wanderungen geführt haben, haben diese Qualität widergespiegelt. Da gingen Räume auf, entstand Platz für Glück, Trauer und reine Lebenslust.

Es schien, als hätte ich am ersten Tag einen tiefen Atemzug genommen und erst bei Abflug wieder ausgeatmet. Als das Flugzeug abhob, wollten ein paar Tränen kullern. Es war mein erster Urlaub ohne Heimweh. Weil ich mich in Schweden gleichermaßen zu Hause gefühlt habe.
Aber keine Sorge, mein kleines Heimatland, auf dich habe ich mich ebenso gefreut und diesen Frieden sowie die Weite mitgebracht – in Form eines wunderschönen Steines aus dem schwedischen Wald, den ich auf das Fensterbrett der Küche gelegt habe …

4 Kommentare zu „Rückkehr aus dem Norden

  1. …welch berührende Beschreibung, die mich in Gedanken zu diesen magischen Orten trägt… da gibt es nichts hinzuzufügen …

    Welcome back liebste Heidi ♡

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