Inspirierende Persönlichkeiten

Charlie Chaplin

Einen Beitrag über Charlie Chaplin zu schreiben, erfüllt mich gleichermaßen mit Freude und Demut. Kann ich dem gerecht werden, was seine Person ausmachte? Um nicht völlig verloren zu gehen, habe ich mir das Limit gesetzt, in zehn Punkten zusammenzufassen, warum ich ihn dermaßen verehre. 😉

1) Charlie war einer der Menschen, deren schwierige Kindheit sie niemals gebrochen hat. Er ist daran gewachsen und war immer stärker als der Lebensumstand. Als Sohn einer psychisch erkrankten Mutter und eines Alkoholikers wuchs er in einem der ärmsten Viertel Londons auf, zeitweise sogar im Waisenhaus. Im Alter von zehn Jahren erkannte er instinktiv, wo seine Begabung und seine Freude lagen, trat einer Theatergruppe bei und wurde bald deren leuchtendster Stern. Talent fällt auf.

2) Charlie gab sich nie mit dem Mittelmaß zufrieden. Er wollte stets mehr vom Leben, verfolgte seine Träume und Visionen, war kreativ, berührte Menschen und brachte sie zum Lachen. Jeder in seinem Umfeld bezeugte seinen legendären Perfektionismus am Filmset – aber auch seinen Jähzorn.

3) Charlie war unglaublich ehrgeizig. Er begnügte sich nicht damit, einzig vor der Kamera zu agieren. Er galt als der beliebteste und erfolgreichste Schauspieler seiner Zeit. Es dauerte jedoch nicht lange und er erarbeitete sich seine künstlerische Freiheit. Daraufhin war er von keiner Filmagentur mehr abhängig, weder inhaltlich noch finanziell. So führte er letztendlich auch Regie in seinen eigenen Filmen.

4) Charlie erschuf eine gleichermaßen liebenswerte wie populäre Figur – den Tramp. Melone, XL-Anzug, zu große Schuhe und ein Spazierstock: Es gibt vermutlich nur wenige Menschen, die mit dieser Silhouette nicht vertraut sind.

5) Charlie galt als hochsensibel und hochbegabt. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner „Art“ wusste er aber genau, wo seine Grenzen lagen. Am Set gab er alles und forderte dies auch von der Crew. Abseits seiner Arbeit hingegen sah man ihn kaum. Er lebte fern des Trubels der Öffentlichkeit in seiner Welt in der Villa in Genf. Freunde berichteten, Charlie konnte, wenn er wollte, die gesamte Tafelrunde unterhalten – aber nur dann. Wollte er nicht, ließ er das jeden spüren und zog sich schließlich einfach von der Gesellschaft zurück. Hut ab vor soviel Authentizität.

6) Charlie hob niemals ab. Er war als bescheiden, menschenfreundlich und gütig bekannt. Er hat sich nie über andere gestellt oder auf sie herabgesehen. Das heißt nicht, dass er nicht ungeduldig war mit Menschen, aber zu keiner Zeit grausam oder gemein.

7) Charlie war ein Philosoph. Einer seiner schönsten Texte ist „Als ich mich selbst zu lieben begann“, randvoll mit kleinen und feinen Weisheiten. Rührt zu Tränen. Seine Zitate gingen ebenso um die Welt wie seine Filme:

  • Wir denken zu viel und fühlen zu wenig.“
  • Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme.“
  • Ich bin im Frieden mit Gott. Mein Konflikt ist mit dem Menschen.“
  • Ab einem gewissen Alter tut auch die Freude weh.“
  • Filmemacher sollten bedenken, dass man ihnen am Tag des jüngsten Gerichts all ihre Filme wieder vorspielen wird.“
  • Er ist der Wahnsinnige, und ich bin der Komiker, doch es hätte genauso gut umgekehrt kommen können.“ (aus „Der große Diktator“)
  • Nichts ist von Dauer auf dieser Welt, nicht einmal unsere Probleme.“

8) Charlie schien ein Magnet für Skurrilitäten zu sein – im Leben wie im Tod:

  • Sein Hand- und Fußabdruck vor dem Chinese Theatre wurde entfernt; die Platte gilt bis heute als verschollen.
  • Charlie war ein politisch Verfolgter (ausgerechnet!) und verbrachte sein halbes Leben im Exil in Europa. Erst zum Ehren-Oscar 1972 durfte er in die Staaten einreisen. Er bekam die bisher am längsten andauernden Standing Ovations in der Geschichte der Veranstaltung: Eine geschlagene Viertelstunde applaudierte ihm das Publikum.
  • Nach seinem Ableben wurde sein Leichnam gestohlen, die Grabräuber wollten Geld von der Familie erpressen. Der Plan scheiterte, Charlie wurde ein zweites Mal beerdigt.

9) Charlie gibt es auch als Musical! 😉

10) Charlie erschuf das Werk „Der große Diktator“. Was soll man dazu noch sagen? Allein dieser Punkt würde genügen, um seine Person zu erfassen. Schwierigen Zeiten, in denen Angst und Unsicherheit regierten, begegnete er mit der wahrscheinlich größten und effektivsten Waffe überhaupt: Humor. Man sagt, Hitler habe mehrere Kopien davon besessen. Ob er darüber gelacht hat? Das ist nicht überliefert.

Danke für alles, Charlie Chaplin!

2 Kommentare zu „Charlie Chaplin

  1. Heidi, ich weiss nicht, weshalb alle HS Charlie Chaplin so verehren. Klar, er war ein sensationeller Schauspieler/Komiker, aber HS war er ganz bestimmt nicht, er war als Privatperson ein Ekel und hat seine Frauen und Kinder nicht gut behandelt. Einige schauen auch Nena als HS an, das finde ich auch überhaupt nicht, sie ist egozentrisch, eingebildet und kann nicht mal richtig singen.
    Dann eher noch Herbert Grönemeyer und ganz bestimmt Hermann Hesse.

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    1. Hallo, an wen auch immer, ich denke, wenn wir es als Fakt ansehen, dass Charlie nicht hochssensibel war, dann können wir es bei anderen Personen, sei es Nena, Lady Diana oder Hermann Hesse, auch bloss vermuten. Alle unsere Informationen beziehen sich auf überlieferte Quellen,, weil wir diese Menschen nicht persönlich kennen. Ich habe für diesen Artikel Recherche betrieben – aus Dokumenationen, von Zeitzeugen aus Film und Familie – und wie jeder, der über Menschen schreibt, die er nicht persönlich kennt, kann auch ich mich nur darauf stützen.

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