Gedankensplitter

Frühaufsteherin

Kaum eine Tageszeit nehme ich intensiver wahr als den frühen Morgen. Langschläferin war ich noch nie. Normalerweise bevorzuge ich zwar den Abend und die junge Nacht – das gedämpfte Licht entspricht eher meinem Naturell –, jedoch ist meine Dynamik am Abend eine andere als in den Morgenstunden. Den Rückzug zu mir selbst, den Stillstand der zahllosen Außenreize des Tages, die Geborgenheit der Dunkelheit, all das liebe ich einfach. Lichtmangeldepressionen sind mir völlig fremd.

Will ich mich zu späterer Stunde eher hinsetzen und schreiben, Musik hören und schweigen, verführt mich der Morgen zu körperlicher Aktivität. Da kann selbst Hausarbeit zur Meditation werden oder eine Runde mit dem Hund – am besten, wenn sich noch keine Menschenseele aus dem Bett bewegt hat. Begegnungen am frühen Morgen sind nicht so meins. Sport betreibe ich ausschließlich in der Früh. Zudem lese ich Zeitschriften und schmiede gedanklich meine Pläne.

Was aber ist am Nachmittag bei mir los? So ich nicht gerade Dienst habe, ist er bei mir die Zeit des süßen Nichtstuns. Nachmittags lasse ich mich treiben. Nach großartiger Aktion ist mir da eher weniger.

Wenn die anderen aufstehen, habe ich also schon einen kleinen Tag erlebt. Das ist etwas, was ich sehr schätze, was mich entspannen lässt. Ich habe die Dinge gern erledigt, denn nichts gibt mir ein schöneres Gefühl, als nichts mehr vor mir zu haben. Dieses Gefühl hält mir verlockende Zeitfenster für die feinen Dinge des Lebens offen.

Es ist sicher nachvollziehbar, dass ich die Zeit nach Mitternacht ungern irgendwelchen Aktivitäten und schon gar keinem klassischen Nachtleben im Sinne von Barbesuchen opfere – dies brächte mich um die Morgenmagie. Ich habe es einmal lyrisch ausgedrückt und damit ganz gut zusammengefasst:

Meine Sinne sind wach am Morgen und dann,
wenn die Sonne sich wieder von uns wegdreht
und der Himmel seine Nachtfarbe annimmt.
Die Zeit dazwischen –
nun, sie kann durchaus ihre Momente haben.
Aber eine gewisse Verheißung liegt –
wie so oft – im Anfang und im Ende.

Ein Kommentar zu „Frühaufsteherin

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