Gedankensplitter

Gedanken zum Weltfrauentag

Werde ich heute gefeiert, lässt man mich hochleben oder ist es ein Gedenktag?
Fakt ist, dass ich schon mächtig mit dem Thema beschallt wurde. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht weiß, ob es auch einen Weltmännertag gibt und wann wir den feiern. Denn warum sollte es einen Feiertag nur für uns geben?

Ich kann von mir sagen, dass ich für Gleichberechtigung bin. Ja, auf einigen Gebieten gibt es bestimmt noch einen gewissen Handlungsbedarf. Kein Mensch sollte unterdrückt, ausgebeutet oder seiner Rechte und Freiheiten beraubt werden.
Der Feminismus, wie ihn die meisten von uns verstehen, findet ja fast ausschließlich in der westlichen Welt statt. Zumindest in einer Form, die ich zunehmend als radikal empfinde. Brücken bauen geht für mich anders, eher werden Gräben gerissen. Wie so oft wird da am lautesten geschrien, wo wir sowieso von Luxusproblemen reden – verglichen mit großen Teilen der weiblichen Weltbevölkerung. Stichwort: Unterdrückung der Frau aufgrund fehlgeleiteten Gottesglaubens usw.

Gleich bedeutet also für mich auf Augenhöhe, nicht darunter – aber auch nicht darüber. Brauchen wir eine Sonderbehandlung?

Vor einigen Monaten habe ich mir eine Dokumentation über Männerrechte angesehen.
Mein Freund A. meinte, ich solle darüber gar nicht schreiben, da könne ich arg polarisieren, aber dieses Recht nehme ich mir heute an meinem Feiertag heraus.
Darin wurden Themen wie die höhere Selbstmordrate unter jungen Männern, höhere Todesraten am Arbeitsplatz, Sorgerechtstreitigkeiten, Adoptionsrecht und gefakte Vaterschaften behandelt. Ich war bis zum Ende des Filmes regelrecht getroffen, denn da agierten Feministinnen, die Männer, die ruhig und besonnen blieben und den Dialog suchten, auf das Übelste anpöbelten. Schimpfwörter in Fäkalsprache inklusive, ohne einen der Männer persönlich zu kennen, aber bloß deshalb, weil sie Männer sind. Ich habe mich für diese Vertreterinnen meines Geschlechts geschämt.

Vor einigen Tagen wurde ich bei einem Abendessen gefragt, ob es in Ordnung sei, mich dazu einzuladen. Das setze ich nicht als selbstverständlich voraus, bloß, weil ich die Frau bin, die Geste fand ich aber nett. Dem Mann ging es allerdings darum, mich nicht zu beleidigen. Wie bitte?
Wir leben also tatsächlich in einer Gesellschaft, wo es möglich ist, eine Frau zu beleidigen, weil man sie zum Essen einlädt?
Sollte ich einen Mann auch fragen, ehe ich ihn einlade? Immerhin ist er doch ein echter Kerl! Nicht, dass ich da in einen riesigen Fettnapf trete.
Um es auf die Spitze zu treiben, habe ich mir sogar noch in den Mantel helfen lassen. Ich bin nicht sicher, ob ich damit irgendwelche Gefühle verletzt oder emanzipatorische Fortschritte verhindert habe.
Selbst wenn – ich habe kein Problem damit.
Weder damit, mir in den Mantel helfen zu lassen, noch damit, dass ein Mann mir bei manch körperlicher Arbeit hilft, weil mir einiges aufgrund meiner doch eher zierlichen Statur schwerfällt. Ich löse gerade deswegen manchmal sogar Beschützerinstinkte aus. Sollte ich mich davon degradiert fühlen? Die Muskeln spielen lassen? Seltsamerweise gab keiner dieser Männer mir das Gefühl, deswegen auf mich herabzusehen.

Ich hatte einmal eine Zeitschrift abonniert, welche eine gute Mischung aus seriösem Journalismus und Lifestylethemen bot. Irgendwann fiel mir der radikale Kurs auf, den sie plötzlich einschlugen. Da wurde auf sehr subtile Art und Weise gehetzt und auf den bösen, weißen Mann eingedroschen. Ich kündigte mein Abo, erklärte der Chefredakteurin meine Beweggründe persönlich. Um Leserfeedback wurde schließlich ausdrücklich gebeten. Nachdem ich davon ausgegangen war, dass mein Schreiben eine Leiche in ihrem Mailordner sein würde, war ich doch überrascht, als sie mir antwortete und das noch auf einen wertschätzenden Dialog hinauslief. Auf einen grünen Zweig kamen wir trotzdem nicht, die Kündigung behielt ich bei. Es passte einfach nicht mehr zu meinen Wertvorstellungen.

Als Therapeutin arbeite ich mit meinen Patienten recht körpernah. Da passieren schon auch Dinge, die man als Frau missverstehen kann. Meine Kolleginnen und ich haben es tatsächlich hingekriegt, Männer, die sich wirklich daneben benahmen, in ihre Schranken zu verweisen, uns zu wehren und klare Grenzen zu setzen, immer auch durch die Unterstützung unseres Vorgesetzten. Ohne die Öffentlichkeit einzubeziehen und die Opferrolle zu zelebrieren.

Ja, Frauen können stark sein. Das müssen wir aber nicht dadurch beweisen, dass wir in der Gegend herumschreien, dauerempört sind und wie Männer werden wollen. Will das jemand?
Ich mag das Weibliche an mir, vor allem, weil es im Gegensatz zum Männlichen steht, und ich hoffe, dass wir nie aufhören, die Unterschiede zu feiern. Diese Verschiedenartigkeit, die erst Spannung erzeugt, nämlich die der guten Art.

Vielleicht habe ich besonderes Glück, aber die Männer in meinem Leben – ob engster Kreis, Verwandte, Kollegen und Freunde (hey, da darf ich guten Gewissens auf das Gendern verzichten) – sind großartig. Verschiedene Charaktere, ein bunter Haufen, den ich durchwegs als empathisch, hilfsbereit, großzügig, manchmal zickig, abweisend, nah, distanziert, launisch und verrückt erlebe.
Wie übrigens all die Frauen in meinem Umfeld auch.

Ich wünsche euch allen, Frauen wie Männern, einen wunderbaren Rest vom Tage!

9 Kommentare zu „Gedanken zum Weltfrauentag

  1. Hallo Heidi,
    wir brauchen keine Sonderbehandlung, das will ich auch nicht.
    Was wir aber brauchen ist eine GLEICbehandlung.
    Und ich denke, das sckt es noch gewaltig.
    Frau muss keinesfalls männer-feindlich sein um dies einzufordern.
    Mensch muss nicht immer irgendwas an den Haaren herbeiziehen um
    solche Dinge die selbstverständlich sind, dumm zu reden oder abzuwerten.
    Ogal ob Frau ob Mann wir sind alle Menschen und müssen auch als das behandelt, gesehen und geschätzt werden.
    Alles Gute und viele Grüße zu dir!
    M.M.

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  2. Liebe Heidi, ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr Du mir hier aus dem Herzen sprichst.

    Ich bin ein Mann und ehrlicher Vertreter von Gleichstellung und Emanzipation der Frauen.
    Militanter Feminismus wird jedoch nichts dazu betragen können und eher noch das Gegenteil bewirken.
    Anstatt immer weiter zu trennen und auf die besonderen Bedürfnisse der Frauen oder anderer, weitaus speziellerer Gruppen hinzuweisen, bin ich eher dafür, zu vereinigen, Mauern und geistige Schranken einzureißen und alles in einen Topf zu werfen, was Gott geschaffen hat – Menschen jeglichen Geschlechts, gerne in allen Farben des Regenbogens.
    Jede Differenzierung und jede Anerkennung von Sonderrechten wird das soziale Gefüge unserer ohnehin zerrissenen Gesellschaft noch mehr zersplittern und zu Missgunst, Neid und Egoismus führen.
    Stattdessen:
    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Gerechte Anerkennung von Kindererziehungszeiten bei der Rente (auch das ist Arbeit)! Gleiche Chancen in der Bildung! Gleiche Chance bei der Job-Vergabe (das schließt sinnvolle Unterstützung bei der Kinderbetreuung mit ein)!
    Aber:
    Finger weg von Quotenregelungen jeglicher Art! Eignung und Kompetenz müssen einziges Kriterium bleiben. (Wohin Quoten führen, sieht man leider in Berlin.)
    Jede Frau in einer Führungsposition genießt meine größte Hochachtung, sofern sie dieser Position gewachsen ist.
    Aber ebenso genießen all die Frauen meine Hochachtung, die sich dafür entscheiden, die stützende Kraft für einen starken Mann zu sein, und dafür in der klassischen Frauenrolle bleiben zu wollen.
    Den Frauen sollte jede Tür offenstehen, aber keine sollte sich genötigt fühlen, diese Türen auch zu durchschreiten.

    Und Heidi, an einem Punkt habe ich innerlich applaudiert. Wo kämen wir hin, wenn wir die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau gänzlich aufweichen wollten? Welchen Reiz hätten dann die zwischenmenschlichen Beziehungen noch? Was würde dann aus Liebe und Erotik?
    Es kann nicht gewollt sein, dass Männer immer weiblicher und Frauen immer männlicher werden. In einer solchen Welt hätte ich keinen Spaß mehr am Leben.

    In diesem Sinne: Ein Hoch auf alle Frauen! Ehrt und schätzt sie, wie sie sind. Aber bitte lasst sie sein, wie sie es selbst gerne möchten.

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