Gedankensplitter

Brief an mein junges ICH

Liebe Heidi!

Gleich zu Beginn, weil ich weiß, was du einmal für Wissenschaften mit deinem Haar machen wirst, wie viele Frisuren du ausprobieren wirst und Haarfarben: Lauf keinem Trend hinterher. Auch wenn die Frisur in der Zeitschrift und an der anderen Frau heiß aussieht, DIR passt sie nicht! Dein Haar ist wundervoll, so wie es ist. Ja, auch die Farbe, die sich nicht zwischen Braun und Rot entscheiden kann. Egal, das bist du. So hat die Natur dich gemacht. Inklusive der Sommersprossen auf der Nase.

Noch weniger lauf um Gottes Willen den anderen Youngsters hinterher. Sie haben wie du gar keine Ahnung, geschweige denn einen Plan. Auch später begegne der breiten Masse immer kritisch und mit einer gesunden Distanz. Da haben die Youngsters noch mehr Ahnung.

Die, die du heute für cool hältst und dich kränkst, warum sie dich übersehen, über die wirst du dir einmal denken: Danke Gott, dass du mich vor Fehlern bewahrt hast! Ich verspreche dir, eines Tages wirst du den Unterschied spüren, wer sich wirklich für dich begeistern kann oder bloß seinen Aufmerksamkeitshunger an dir stillen will. Das sind dann deine ganz persönlichen Diamanten. Also Erstere natürlich.

Aber es gibt auch Menschen, die berühren dich schon jetzt, die werden dich auch später noch begleiten. Riskier also lieber einen zweiten Blick auf die vermeintlich Unscheinbaren oder stillen, introvertierten Menschen. Das könnten die ganz großen Begegnungen werden.

Ja, zieh das bunte Teil an, mixe Blümchen mit Streifen, Mode macht Spaß! Später wirst du dich wahnsinnig inspiriert von Coco Chanel fühlen, das hat aber mit ihrer Lebensgeschichte zun tun.
Doch ich will dir nicht zuviel aus der Zukunft verraten…

Mache Fehler und sei nicht streng mit dir. Du bist eindeutig zu perfektionistisch, kritisch und hast einen zu hohen Anspruch an dich und andere. Die Fehler, du jetzt machst, ersparst du dir später. Erst im Nachhinein wirst du sehen, es gab nie Gegner – es gab nur Lehrer.

Sei nicht genervt von deinen Eltern, sie versuchen ihr Bestes und sind bloß erwachsen gewordene Teenager, die auch manche Themen noch nicht gelöst haben – wie du. Im Grunde ihres Herzens lieben sie dich abgöttisch. Selbst wenn du noch in Situationen und Augenblicke schlittern wirst, wo du daran zweifelst. Du wirst erkennen, dass Papas emotionale Abwesenheit seiner Krankheit geschuldet war, nicht, weil er scheinbar wenig Liebe zeigen konnte. Sie wollten beide zu deiner Theateraufführung kommen, heute weiß ich es.

Die allerbesten Freunde kommen erst noch. Kränk dich nicht, dass sie dich jetzt gerade nicht in ihrer Clique haben wollen. Du wirst sie später kein einziges Mal vermissen. Dafür kriegst du Menschen, die dich bereichern, dich begleiten und du sie. Jetzt verrate ich doch etwas: Manche werden später an dich heran treten, sich erklären, warum das damals so war. Da wirst du dann Augen machen.

Man darf Seifenopern anschauen. Oja. Es ist nicht uncool.

Musicals sind ebenfalls nicht uncool.

Wenn du an diesem Samstag Abend nicht in die Dicso willst, obwohl alle hingehen, du aber lieber in deinem Zimmer lesen oder Filme schauen willst, relax! Du versäumst absolut nichts.

Es ist okay, den Herbst und die Dunkelheit lieber als die Sonne und den Sommer zu mögen. Lass dich weiterhin aufziehen deswegen. Du bist KEINE Trauerweide. Die sehen ja bloß deine unendliche innere Fantasywelt nicht.

Lieb dich auf jeden Fall selbst. Warum solltest du es nicht tun? Genau so bist du gemeint. Du musst nichts daran ändern. Authentizität wird eine deiner Aufgaben werden, wenn du erkennst, dass du dich nicht verbiegen, anpassen oder bemühen musst, um gemocht zu werden. „Deine“ Menschen werden dich sehen, wie du auch gesehen werden willst. Als du selbst.

Das Leben ist ein Theaterstück, und du bist die Hauptrolle. Du bist aber auch die Regisseurin, die Drehbuchautorin, du hast alles in der Hand. Und solltest du mal den Text vergessen: Es gibt immer jemanden, der dir einflüstert, wie es weitergeht und sei es die oft sehr leise Stimme, die in dir wohnt.

4 Kommentare zu „Brief an mein junges ICH

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