Es gibt sie, diese Paare, die es tatsächlich in eine Langzeitbeziehung schaffen. Solche Paare faszinieren die Menschen. Daher fragen sich viele, was denn das „Geheimrezept“ für das Gelingen einer solchen Verbindung sei. Hierzu finden sich nicht wenige Theorien:
Manche denken, früher war alles besser, als die Romantik noch nicht vordergründig war und die Ehen aus eher wirtschaftlichen und sonstigen rationalen Gründen geschlossen wurden. Dem Menschen von heute, der genug Liebesfilme, -bücher und -lieder konsumiert hat, erscheint dies unfassbar kühl und abschreckend. Dabei existieren die Liebesbeziehungen, wie wir sie kennen und die für uns ganz normal geworden sind, in der Form noch gar nicht allzu lange. Man wählt aus (vermeintlicher!) Liebe, man darf überhaupt eine Wahl treffen – sogar jene, irgendwann wieder gehen zu wollen. Noch einige Generationen zuvor war das undenkbar.
Andere sind der Meinung, dass die beiden Beziehungspartner füreinander bestimmt sind und das Schicksal gar magisch seine Fäden spinnt. Man kann sich gar nicht irren: Hier steht der richtige Mensch vor einem. Ganz nebenbei: Ich liebe diese These!
Mit der Zeit und meiner persönlichen Erfahrung aber haben sich leise Zweifel eingeschlichen, ob diese doch recht unterschiedlichen Modelle nicht zwei äußerst wichtige Aspekte ignorieren.
Zum einen denke ich, dass eine Beziehung größtmögliche Freiheit braucht, um sich entfalten und in alle Richtungen schwingen zu können, die sich in ihr auftun. Womit wir das erfolgreich verhindern, sind Ehe- und andere Gelübde, die wir viel zu sehr romantisieren. „Für immer“-Versprechen und sonstiger Druck von außen zerren an dem fragilen Band, das sich sanft zwischen zwei Menschen aufspannen möchte. Erwartungen, gar Forderungen sind ganz unangenehme Begleiterinnen der Liebe, um nicht zu sagen: Es sind die perfekten Kübel Wasser über einem zarten Flämmchen.
Treue, Verbindlichkeit und Ehrlichkeit sind Geschenke, ein Angebot, eine wunderbare Basis. Und ich glaube, sie entstehen von ganz allein, wenn unsere andere Hälfte das Gefühl hat, sie selbst sein zu dürfen.
Das ist mein eleganter Übergang zum zweiten Punkt, den ich für fast noch wichtiger erachte. Leute, die fremdgehen, betrügen und verheimlichen, rechtfertigen dies oft, indem sie behaupten, kein anderer Mensch hätte eine Chance gehabt, wenn in ihrer Beziehung alles in Ordnung gewesen wäre. Und unter „in Ordnung“ verstehen sie, dass sämtliche persönlichen Bedürfnisse erfüllt werden.
Ich für meinen Teil glaube, das ist die größte Selbstlüge, die man sich auftischen kann, um die Komplexität der menschlichen Gefühlsregungen zu erklären. Der Mensch ist zu jedem Zeitpunkt verführbar, weil er jede Menge Sehnsüchte und Begierden in sich trägt. So einfach ist das. Dann hat er es in der Hand, das Risiko einzugehen und dafür etwas (möglicherweise sehr Wertvolles) zu opfern.
Lasst mich nun den Kreis schließen zu meiner anfänglichen Frage, was denn bloß das Geheimnis glücklicher Langzeitpaare sei. Die Antwort ist ebenso schlicht wie wunderschön:
Sie haben akzeptiert, dass ein Mensch niemals alle Bedürfnisse abdecken kann, die man mit sich herumträgt, und sich mit dieser Tatsache arrangiert. Sie haben erkannt, dass sie es mit keinem Gott oder einer Göttin, sondern mit einem hochkomplizierten, tief in seinen Mustern und Emotionen verstrickten Wesen zu tun haben, mit dem einen paradoxerweise trotz aller Wellengänge eine tiefe Zuneigung und ein solides Vertrauen verbinden. Ein Wesen, mit dem man ein Team bildet, das sich im Alltag bewährt.
Ich lade euch ein, diese besonders feine, subtile und anmutige Romantik in euch sickern zu lassen …

Ja, Vertrauen und Zuneigung sind sehr wichtig und immerr wieder das Bemühen um den Anderen und um die Beziehung. Von alleine dümpelt diese nämlich nur so vor sich hin…..Ein fundierter Beitrag, vielen Dank und liebe Grüße, Erika
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Danke dir von Herzen!
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Kann ich absolut unterschreiben. Sehr viel Wahrheit. Danke 🙏
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Ich danke dir, das freut mich sehr!
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Liebe Heidi,
da ist sehr viel Wahrheit in deinem Text verborgen.
🙂
Hab einen schönen Sonntag, liebe Grüße Bea
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Danke, liebe Bea, auch dir einen schönen Sonntag!
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