Glaubt ihr an ein einziges, großes Netz, das einzelne Seelen untrennbar miteinander verbindet? Und wenn ja, macht uns das austauschbar? Wie steht es dann mit der Individualität? Die Vorstellung, ein riesiger Einheitsbrei zu sein, kann sich schon seltsam anfühlen. Aber möglicherweise ist der Wunsch, herauszuragen, auch nur ein Konstrukt unseres Verstandes, der nun mal stets nach Identifikation sucht.
Oder gehören wir vielleicht zu Seelenfamilien, haben wir Seelenpartner, -gefährten, -zwillinge? Gibt es Knoten im Netz, die dicker verknüpft sind als andere? Knoten, die kompatibler sind, die eine Verbindung spüren und gemeinsam durch die Dimensionen reisen? Schöner Gedanke.
Wirklich wissen kann es niemand. Demnach haben wir nur, was wir als unsere eigene „Wahrheit“ empfinden. Aber das geht, glaube ich, in Ordnung. Hier ist meine:
Eine Art „Netzwerk“, das einer einzigen Quelle entspringt, das kann ich mir gut vorstellen. Genauso, dass Seelen auf verschiedenen Dimensionen existieren. Für mich sind Inkarnationen – so es sie gibt – nicht auf einer Zeitlinie hintereinander gereiht. Ich denke nämlich, dass Zeit, wie wir sie kennen, ein menschliches Produkt ist.
Der Satz „Wir sind alle eins“ verursacht jedoch ein gewisses Unbehagen in mir. Der will einfach nicht auf fruchtbaren Boden fallen.
Warum fühle ich bei manchen Menschen eine spontane Distanz; etwas, das mich eher zurückweichen denn in seelischer Verbundenheit schwelgen lässt? Warum hingegen möchte ich mir ein Leben (oder mehrere) ohne gewisse Menschen an meiner Seite nicht einmal vorstellen? Wenn Individualität nebensächlich ist, warum sollen wir dann als einzelne Seelen in unseren Wirtskörpern wachsen und uns entwickeln? Warum finden wir dann „unsere“ Verbündeten, die uns zum Hinschauen zwingen? Nur, um letztendlich ins Heimatnetz zurückzukehren, als wäre nichts gewesen?
Weil wir den höheren Sinn noch nicht erkennen?
Ich habe mich manchmal schlecht gefühlt, weil mich die Vorstellung dieser allumfassenden und kollektiven Verbundenheit nicht anspricht und ich individuelle Geschichten und Schicksale großartig, ja einmalig finde. Weil ich den Gedanken liebe, mit einer Seele, mit welcher ich mich mehr verbunden und enger verknüpft fühle als mit jeder anderen, durch das große Netz zu spazieren und gemeinsam die Dimensionen zu überwinden. Weil ich mich gerne auch mal abgrenze und mich schon (irdische) Menschenmassen stressen … Und dann erst ein Netz aus ALLEN, das mich von jeder Seite einschließt, in dem ich unterzugehen drohe; ein Netz, in dem mir viele einfach fremd sind, weil sie womöglich einer anderen Seelenfamilie als ich angehören? Ist doch okay, dass mir das Unbehagen bereitet, oder?
Nach meinem Gefühl wird einem andauernd suggeriert, dass man jede gedankliche Trennung aufheben sollte. Sagen wir es mal so:
Auch wenn ich nicht in der ersten Reihe beim allgemeinen Knotenknüpfen stehen mag – friedliche Koexistenz, die geht klar.
