Gedankensplitter

Wie ist das nun mit der Auferstehung?

Jesus, so wird es erzählt, ist auferstanden, um den Tod zu besiegen. Sieg über das vermeintlich „Böse“, das Dunkel, Aufstieg ins Licht, ins Leben, in die Liebe. Der Einfachheit halber bleibe ich im Bibelkontext, es geht in diesem Text nicht um Glauben oder Nichtglauben, um Fakten oder Legenden – wie immer halte ich meine ganz persönlichen Reflexionen fest, erlaube mir deshalb, die Möglichkeitsform auszusparen.

Können wir heute noch etwas daraus ableiten, aus dieser Osterbotschaft, etwas für uns mitnehmen? Natürlich können wir. Wir müssen nur die Metapher verstehen. Auferstehung hat etwas mit Aufstehen zu tun. Mit Erhebung, mit einer Bewegung, die nach oben gerichtet ist.
Auferstehung fand statt, weil in der Welt Dinge im Argen lagen. Dass sie das nach wie vor tun, steht auf einem anderen Blatt.

Wie könnte diese Auferstehung heute aussehen, für jeden einzelnen von uns? Wofür würdet ihr aufstehen, wenn es im Argen liegt? Wofür würdet ihr brennen? Was ist es wert, dass man sich aus der Komfortzone begibt, sich vom Sofa oder nur einer inneren Kauerhaltung erhebt? Haltung annimmt, sich zur Decke streckt? (Kleiner Sidestep von mir als Therapeutin: „krumme“ Rücken mit den daraus resultierenden Schmerzzuständen haben etwas mit (Muskel-)Kraft und Festigkeit zu tun und sind in den meisten Fällen Spiegel der inneren Aufrichtung)
Was gibt es in uns, das wir erlösen können? Das wir endlich ins Licht führen, Krusten aufbrechen, ja, Steine wegwälzen, die uns den Blick nach vorne verstellen. Ein Stein ist bloß ein Hindernis, es gibt immer einen Weg drum herum.

Passion, Leiden. Die Frage wirft sich immer wieder auf: ist Leiden notwendig?
Im Sinne der Dualität, der Polarität: ja. Weil sonst kein Gegenteil erkannt wird. Worunter leiden wir? Krankheiten? Mobbing? Liebeskummer? Existenzielle Bedrohungen? Im schlimmsten Fall Krieg, Flucht, Hunger?
Bleiben wir im, lasst es mich „kleineren“ Rahmen nennen. Lebenskrisen erzeugen Leid. Dann tragen wir an unserem Kreuz. Bis hin zu Kreuzschmerzen.

Was aber, wenn wir die Richtung unserer Gedanken ändern? Im Nachhinein erkennt fast jeder, dass Krise Chance bedeutet, dass Leiden etwas zur persönlichen Weiterentwicklung beigetragen hat. In der Nachschau rufen wir alle: jetzt weiß ich, wofür das gut war!
Wenn wir stattdessen versuchen, im JETZT zu bleiben, in die Akzeptanz dessen zu gehen, das gerade ist? Die Steine wahrnehmen, aber nicht immer aus inneren Widerständen agieren, andauernd im Kampfmodus stagnieren – es kostet einfach zu viel wertvolle Energie!
Was, wenn wir den fast schon inflationär verwendeten Begriff „sich selbst lieben“ umdrehen in UNSER SELBST lieben? Weg von der Person hin zum SEIN. Die eigene Seele als besten Freund verstehen. Mit ihr als Führerin sich auf unseren ganz individuellen Pilgerweg machen, der spannend, aufregend und für jeden anders ist. Der voll sein wird mit Freud und Leid, Glück und Lernen.

Ich hatte früher schon das nackte Grauen, wenn ich das nur hörte: sich vertrauensvoll dem Fluss des Lebens hinzugeben! Warum? Weil es bedeuten würde, die Kontrolle abzugeben! Und nichts macht Menschen mehr Angst, als nicht die Fäden in der Hand zu haben. Dazu eine Aussage von Jesus, die auch oft falsch verstanden wird. Er betet: DEIN WILLE GESCHEHE. Denkt man nicht in die Tiefe, hat man klarerweise das Bild der willenlosen, schlaffen Marionette vor Augen, die von einem strengen Mann „da oben“ willkürlich gelenkt wird.
Ich persönliche glaube, damit ist viel mehr dieses berühmte Vertrauen ins Leben, ins Sein gemeint, Hingabe und Annahme. Ein Weg der Liebe, voll mit Ereignissen, Meilensteinen, wilden Blumen und Abenteuern.

Ich wünsche euch ein wunderbares Osterfest im Kreise eurer Lieben! Bleibt gesund… und vor allem findet euer Nest in euch, das randvoll ist mit Süße, Freude und Buntheit!


2 Kommentare zu „Wie ist das nun mit der Auferstehung?

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