Ozeane überqueren

„Jeder Mensch hat Ozeane zu überqueren. Man muss sich nur ein Herz fassen. Ob es leichtsinnig ist? Mag sein. Aber was wissen Träumer schon von Grenzen…“ (aus dem Film „Amelia“)

Es scheint, die Träumer*innen haben gerade ein wenig ausgedient. Zu viel Real-Life, zuviele Sorgen und Zukunftsängste, Träume und Sehnsüchte klingen nach Phantasien.

Wir schaffen uns unsere Sicherheitsinseln und funktionieren in einer Welt der Schnelllebigkeit, des Fortschritts, des permanenten Leistungsdrucks. Kaum jemand offenbart sich mehr frei von der Leber weg, Meinungsfreiheit wirkt unerwünscht in einer Gesellschaft, die sich zu mittlerweile jedem Thema spaltet, sich dabei tolerant nennt und nicht weiter von dem Begriff entfernt sein kann.

Optimierung der Lebensverhältnisse und des Individuums ist angesagt, materielle Güter werden angesammelt zur kurzen Glücksbefriedigung, Anstrengung wird in Kauf genommen, wenn sie der Deckung eigener Bedürfnisse dient. Gefühle und zwischenmenschliche Heraussforderungen sind flugs unter den Teppich gekehrt, Ablenkung gibt es genug, und die Welt ist wieder in Ordnung. Hoffentlich erkennen unsere Kinder, die in ein paar Jahren erwachsen sind, dass es eine Welt jenseits davon gibt und erfahren noch echtes Glück, agieren ausnahmsweise nicht als Nachahmer.

Es mag sie geben, die kleine Stimme im Hintergrund, die einen piekst und von Zeit zu Zeit fragt: „Ist das wirklich alles, wonach du strebst? Fühlt dein Leben sich nach DIR an, bist du authentisch?“ Aber die wird im Lärm der viel lauteren Angststimmen im Kopf immer leiser geschaltet. Wenn wir Erfolg haben, schweigt sie irgendwann für immer. Aber dann treibt sie ihr Unwesen tief in der Seele weiter, und wir werden, ohne zu wissen warum, unglücklich, ruhelos, im schlimmsten Falle krank.

Menschen, die in Hospizen arbeiten, erzählen, dass die Sterbenden am meisten bereuen, was sie nicht gemacht haben, welche Träume sie nicht ausgelebt haben. Niemand bereut, was er gemacht hat, das ihm ein Glitzern in Aug und Herz gezaubert hat und was in den Vorstellungen anderer vielleicht ein Fehler war. Manche sind unendlich traurig, weil sie Chancen, größer zu denken oder gar zu fliegen, verstreichen haben lassen.

Ich hoffe, dass ich nie aufgebe, eine Träumerin zu sein. Eine grenzenlose.

Möge das Leben mich nie so sehr in die Knie zwingen, dass ich meine Seele und ihr ganz persönliches Wesen verrate. Meine Neugier und mein Mut sollen immer über meine Angst siegen, damit ich geistig, seelisch und körperlich in Bewegung bleibe, vorwärts in Richtung meines persönlichen Phantasien.

Ich will leicht-sinnig bleiben, mich immer wieder naiv vertrauend ins Glück verirren, in das Leben stürzen, egal, wie sehr Vertrauen angegriffen und angeschossen wird und vor allem nicht den Glauben an etwas zu verlieren, das mir sagt: ich muss niemals Angst haben.

Also dann, auf in Richtung meines persönlichen Ozeans – mein Flieger steht bereit …

2 Gedanken zu “Ozeane überqueren

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