Darf was bleiben?

Die nicht ganz freiwillige Auszeit scheint sich dem Ende zuzuneigen und der (neuen?) Normalität Platz zu machen. Waren wir anfangs überfordert – manche fühlten sich gar ihrer Freiheit beraubt – hört man jetzt immer öfter, dass auch viel Genuss in der Ruhe und Stille lag. Kaum jemand, der/die nicht ganz neue Seiten und Neigungen an sich entdeckt hat, oder ein Gespür dafür, was man so gar nicht braucht im Leben. Es bis dato aber für unverzichtbar hielt. Ja, Krisen legen immer neue Dinge frei.

Nichtsdestotrotz sind die meisten von uns froh, wenn sich der Alltag wieder einer gewissen Normaliät zuwendet. Der Anlass für die Auszeit war ja nicht der Hübscheste. Aber gibt es etwas, das bleiben darf? Das wir mit rüber nehmen in die Zeit nach der Maskenpflicht?

Ich finde ja!

Bleiben dürfte meiner Meinung nach der Respektsabstand zwischen den Menschen, vor allem zu denen, die man gar nicht kennt. Oder mochtet ihr das, wenn ihr zwischen Körpern eingezwickt wurdet, wenn Gedrängel entsteht oder fremde Personen sich einem ungefragt bis auf einen Zentimeter Abstand nähern? Ist es ein Verlust für die Gesellschaft, wenn das obligate (oberflächliche) Bussi-Bussi-Gehabe auf jedem sozialen Event ausfällt? Was dagegen unbedingt zurückkehren soll, sind herzenswarme und innige Umarmungen unter Freunden und Familienmitgliedern.

Was wir beibehalten sollten, ist die Achtsamkeit und das „Draufschauen“, wie es unseren Mitmenschen geht, ob ich jemandem helfen kann, der gerade selber nicht kann oder soll. Dieses Gefühl dafür, dass wir nunmal eine Gemeinschaft sind und nicht nur Individuen auf dem Egotrip der Selbstverwirklichung. Es gibt immer einen Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld, auf den wir aufpassen sollten und der uns braucht. Ich habe mich immer ein wenig gewundert, warum gegen die Masken so gewettert wurde. Da niemand wirklich behaupten kann, genaue Fakten zu kennen, ist es meiner Meinung nach besser, sich auf die verantwortungsbewusste Seite zu schlagen. Vielleicht war alles übertrieben und gar nicht notwendig, aber wissen wir es? Sich sozial zu verhalten zum Schutze anderer dürfte jedenfalls keinem von uns nachhaltig geschadet haben.

Was ich hoffe, das sich in den Gehirnen der Menschen festsetzt, ist, dass keiner mehr den Helden spielt und zur Arbeit und in der Öffentlichkeit aufkreuzt, wenn er krank ist. Dass der von mir immer schon von Kopfschütteln begleitete Satz “ Das ist doch nur ein Schnupfen!“ ausstirbt. Dass nun auch der letzte Leichtsinnige erkannt hat, dass es keinen Applaus nach sich zieht, wenn sich man mit laufender Nase und um sich hustend seinen Mitmenschen zumutet. Das ist schlicht unverantwortlich und gedankenlos. WAR ES IMMER SCHON! Nicht erst durch neue Viren, die den Markt erobert haben.

Was mir, aber das ist vielleicht eine persönliche Ansicht, auch nicht abgehen würde, ist das Händeschütteln. Vielen ist nicht bewusst, dass das Unhygienischste am Körper die Hände sind. Was sich da tummelt, was wir alles anfassen, das würde so einige abschrecken, sich diese Höflichkeitsgeste anzutun.  Steril ist sie nur, was die Emotion angeht, die dabei transportiert wird (wenigstens DAS, wenn schon nicht hygienisch!), denn oft erreicht das Schütteln der Hände die Augen nicht, vom Herz will ich gar nicht erst reden. Das ist ein eingeschliffener Mechanismus, mehr nicht. Eine Verhaltensbiologin der Universität Wien meinte, dass es durchaus sein kann, dass wir uns diese soziale Geste mit der Zeit und zukünftigen Viren abgewöhnen und uns  statt dessen Begrüßungsrituale unserer asiatischen Mitmenschen aneignen. Dies ist mein persönlicher Favorit und kommt aus Bali:

Wenn man einem Menschen, den man begrüßen will, gegenüber steht, dann legt man sich die rechte Handfläche aufs Herz und verneigt sich ganz leicht. Inklusive Lächeln.

Wie wunderschön! Diese kleine Geste vereint in sich, was alles bleiben darf: Respekt – auch vor der Privatspähre des anderen Menschen -, Verantwortung für seinen und dem eigenen Schutz, Hygiene und vor allem: Herzlichkeit! Ich habe es ausprobiert, und ich würde euch empfehlen, es ebenfalls mal zu machen. Es ist nahezu unmöglich, diese Geste nicht mit einem inneren, breiten Lächeln und ganz viel Wohlwollen auszuführen.

In diesem Sinne: lasst uns aufbrechen in neue und gute Zeiten!

8 Gedanken zu “Darf was bleiben?

  1. Die Veränderung ist schon geschehen und das find ich auch gut, bei alle dem Negativen.
    Nur letzte Woche ist es mir das erste mal passiert, das ich einem guten Freund die Hand reichte.
    Er nahm ohne zu zögern meinen Gruß an, danach war mir doch unwohl ihn dazu gebracht zu haben.
    Das find ich peröhnlich eigentlich schade, kann man doch auch viel, vielleicht auch als Mann aus einem Händedruck lesen und fühlen.
    Das berümte reichen wir uns die Hände zum Frieden wird wohl seltener werden.
    Vielleicht deswegen auch wertvoller.

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  2. Ich finde auch, dass die Zeit sehr gute Seiten hatte. Mir persönlich tat der Abstand gut. Ich mag auch kein Gedränge. Und dieses Bussi Bussi war noch nie meins. Ich finde Lippen gehören nur auf einen Menschen den man liebt.

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  3. Hallo

    Das Verhalten wird sich ändern, dazu gab es eine Ursache und die war und ist Weltweit.
    Ich musste zwar viel mehr Arbeiten als vor Corona, die ersten Wochen aber beinahe komplett stressbefreit, was für eine Wohltat.
    Zur Zeit versuche ich nicht mehr so arg ins Hamsterrad zu kommen wie davor.
    Wann, wenn nicht jetzt.

    Und an unsere Lu grichtet, ich les da immer ein wenig Sehnsucht raus.
    Wenn er noch nicht da ist, wird er bestimmt bald kommen, der richtige Kerl mit den richtigen Lippen für dich.🌹🍀

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    1. Hallo Lu

      Das kann jeden passieren, aber ist es nicht so, das das Gegenüber von richtig, der falsche Mensch ist.
      Also wenn du nicht mehr mit ihm zusammen bist, hat er das wohl so gesehen.
      Wenn du in der Vergangenheit verweilst, verinnt nur deine eigene Zeit und die Chancen sie zu leben.
      Ich weiß wie das ist, aber es geht weiter und kann viel besser werden.

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