Buchtipp „Und Gott sprach: wir müssen reden!“

Hat jemand von Euch das Buch „Und Gott sprach: wir müssen reden!“ von Hans Rath gelesen? Es hat unterhalten, ich konnte herzlich lachen, aber es hat auch berührt.

Es handelt davon, dass Gott einen Psychiater, einen recht erfolglosen, aber wahnsinnig sympathischen Anti–Helden aufsucht, um sich von ihm mit seinem Burn Out behandeln zu lassen. Die Dialoge sind sprühend witzig, und doch fehlt es ihm nicht an Tiefe.

Gott ist der Ansicht, seine Schöpfung habe ihn überholt, an Tempo, Entwicklung und rasendem Fortschritt. Die Menschen, die Jahrtausende gebraucht haben, um das Rad zu erfinden, flogen innerhalb eines Jahrhunderts ins Weltall und surfen im Internet. Gott selbst, den braucht keiner mehr. Nun hat er ein Burnout. Seine Kraft schwindet, er spürt, dass er sterben wird. Der Arzt meint verständlicherweise,  es mit einem schwer psychotischen Menschen zu tun zu haben, der sich originellerweise gleich für den Allmächtigen ausgibt und sich nicht mit „Ich bin der Erlöser“-Theorien aufhält.

Na verstehen könnte man es, dass Gott sich irritiert und erschöpft auf die rote Couch legen will. Setzen wir mal voraus, es gibt ihn und unser Planet ist sein Werk. Er beobachtet die angebliche Krone der Schöpfung, die er leichtsinnigerweise mit dem freien Willen ausgestattet hat. Ein grundsätzlich fantastisches Werkzeug, gebraucht man es anständig. Aber warum wissen soviele nicht damit umzugehen oder sagen wir, es sinnvoll zu nützen? Wenn es heißt, wir sind das Abbild des Schöpfers, ist natürlich nicht gemeint, dass wir ihm ähnlich schauen, sondern dass wir ebenfalls ER-Schaffer sind. Beweisen das nicht tausend talentierte Menschen mit ihrem Werk, auf egal welchem Gebiet? Wir sind zu soviel mehr imstande, als wir ausnutzen, uns trauen. Bleiben lieber in der Komfortzone und schlucken vorgekaute Gedanken. Oder betreiben das Gegenteil und preschen vor wie Langstreckenraketen auf dem Weg zu Macht und Geld, ohne Rücksicht auf Verluste. Ellbogen vor Herz.

Ein wenig Entschleunigung schadet uns nicht. Das beweist die aktuelle Situation gerade recht gut. Alles, vor allem der Planet, scheint ein wenig aufzuatmen. Vielleicht sind wir soweit, dass wir begreifen, es geht auch langsamer. Wir hocken gerade in unseren Stuben, aber die Welt steht noch, dreht sich gemächlich noch immer Tag für Tag um ihre schöne eigene Achse. Das lädt doch geradezu zu einem gedanklichen Exkurs in Richtung Demut ein.

Jedem sei überlassen, wie er zu Gott steht, aber bei der Vorstellung, der Mensch könnte eines Tages das Mächtigste sein, das die Welt je gesehen hat, da kann ich mich eines kleinen Angstschauers nicht erwehren. Und ich dachte bei mir, mögen Gott viele Psychopharmaka und noch mehr ausgezeichnete Therapeuten zur Verfügung stehen… 🙂

Ein Gedanke zu “Buchtipp „Und Gott sprach: wir müssen reden!“

  1. Natürlich sind wir die mächtigsten Wesen auf diesem Planeten, Gott ist nicht nur tod, es hat ihn nie gegeben😭.
    Aber gerade zeigt es sich ja, wenn wir unsere Nachbarländer ansehen, das wir froh sein können, das bei uns Macht ausgeübt wird und zwar im Guten.
    Über jemanden Macht auszuüben muss ja nicht zwingend schlecht sein, bei kleinen Kindern muss man das sogar und für meinen Hund bin vielleicht so was wie ein Gott wenn ich das Stöckchen werfe.
    Um Demut und Geduld zu lernen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Götter nicht ausgenommen😁

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