Sieht man sich auf den sozialen Medien um, entdeckt man, dass der gängige Jugend-Lifestyle auch vor Haustieren nicht haltmacht. Da werden Hunde und Katzen frisiert, geschmückt und auf Diät gehalten, in Schühchen und Jäckchen gekleidet – die seltsamsten Auswüchse finden sich hier. Sogar pinkfarbene Krallen scheinen völlig normal zu sein. Man fragt sich, ob wirklich jeder die Lizenz, ein Haustier zu halten, kriegen sollte.
Habt ihr schon einmal ein Foto eines alten, weiß gewordenen Hundes, der schon ein wenig behäbig ist, auf Instagram gesehen? Weniger, oder?
Das aller herzigste Tier ist ein ganz junges – auf das Kindchenschema fahren wir alle ab, das ist genetisch verankert und hat seinen Sinn.
Auch mir fehlte die Erfahrung mit einer Seniorin, und jetzt lebe ich mit der weisesten, intelligentesten, alle Herzen gewinnenden und für mich schönsten aller Hundeladys zusammen. Ich habe die Ehre, sie in ihren silbernen Jahren zu begleiten. Schön geht wahrscheinlich im Sinne der strengen Hundejury anders: Sie hat Gewicht zugelegt, das ehemals pechschwarze, seidig glänzende Fell erahnt man nur, ihre Augen sind getrübt und ein Zahn ist ausgefallen. Aber innen drin, da lodert noch das Feuer, das ihren vielen Rassen, die sich in ihr vereinen, so sehr entspricht, und für mich ist sie die Allerschönste von allen.
Werfe ich ihr den Ball, dann ist sie gefühlt zwei Jahre alt, ich muss sie bremsen, weil sie nachher mit Humpeln bezahlen muss. Sie drängt raus, nichts da mit vor dem Ofen herumlungern, und wenn schon, dann Rücken an meinem Rücken auf der Kuscheldecke. Geduldig schaut sie jeden meiner noch so schrägen Kunstfilme, teilt meinen Musikgeschmack und will immer noch zu mir aufs Trampolin.
Besucher betört sie in zwei Minuten mit ihrem unverwechselbaren Charme und ihrem Wesen, das ganze Welten für sich gewinnt, denn aus ihren Augen blickt dir die Weisheit entgegen. Wenn ich heimkomme, dann ist es nicht mehr sie, die mir hüpfend entgegenkommt – das Aufstehen fällt ihr nicht mehr so leicht. Nun bin ich es, die sie begrüßen kommt, die Freude und den Glanz aber sehe ich in ihrem Blick – und nichts kann mehr wärmen als das. Alle Eisschichten, die von der Kälte und auch die von der Welt, schmelzen in Sekunden.
Ich hätte sie einmal beinahe verloren, dachte, ich muss ein Stück meines Herzens gleich mit abgeben. Aber sie, die Kämpferin, sie stand wieder auf, verharrte tagelang geduldig in der Klinik, weil sie spürte, dass ich sie holen kommen würde. Und vom Ende der Welt würde ich dich abholen, meine Gefährtin.
Meine heutige Liebeserklärung gehört dir, meine Eni, und ich zitiere mich selbst aus einem alten Blogeintrag: „Ich hoffe, dass meine Hündin, von der ich sage, sie ist mein Tier, von mir denkt, ich sei ihr Mensch.“

Ein so ein schöner Text für Eni macht mir gleich meine Augen nass.
Sie ist wirklich wunderbar und einzigartig. Egal ob mit oder ohne Muru. 😉
Auf viele, viele Momente noch mit ihr!
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Deine Eni kann sich glücklich schätzen so ein Frauerl zu haben
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Ich hoffe, dass sie das ist!
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