Eine Frage an die Videospieler unter euch: Mögt ihr lieber die sogenannte „Open World“ oder lineare Spielverläufe? Die ersten Spiele, die ich kennengelernt habe, waren linear, was bedeutet, dass man einem vorbestimmten Pfad folgen muss und auch nicht wieder zurückkehren kann an Orte, die man bereits verlassen hat.
Ganz anders verhält es sich in der Open World. Hier eröffnen sich gigantische Welten nach allen Seiten, man hat die Freiheit, überall hinzugehen, wo man will. Es steht einem frei, an Plätze zurückzukehren, wenn man den Eindruck hat, etwas Wichtiges ausgelassen oder vergessen zu haben. Und das, so oft man Lust dazu hat. Alle Himmelsrichtungen stehen einem zur Verfügung, jede Menge Weggabelungen und bespielbares Land, so weit das Auge reicht.
Zum reinen Ansehen und Eintauchen: einfach fantastisch. Atemberaubend. Kulissen wie aus einem Gemälde, Lichtverhältnisse, die einen den Atem anhalten lassen.
Und genau hier beginnt mein Problem, wenn man dies überhaupt so nennen darf.
Ich bin heillos überfordert, nach dem Motto: Wohin soll ich mich wenden? Gehe ich nach rechts, was verpasse ich dann auf dem linken Pfad? Habe ich alles mitgenommen, alles gesehen, ganz viel übersehen? Wie viele kleine, unscheinbare und trotzdem wertvolle Details, Tools oder Gegenstände sind mir entgangen? Fehlen wichtige Hinweise zur Hauptstory? Wäre eine Nebenaufgabe vielleicht wichtig gewesen und hätte ich Infos daraus für später gebraucht? Vielleicht habe ich die traumhafteste Kulisse von allen verpasst, weil ich durch den See geschwommen und nicht den Berg hochgeklettert bin?
Nach einiger Zeit beginnt mich das zu stressen und der Genuss trübt sich ein wenig. Das Gehirn ist nur mehr mit dem Befehl „Suchen und Finden und ja nichts auslassen“ beschäftigt. Und ich kam zu dem Schluss, dass ich lineare Spiele bevorzuge. Aber warum ist das so?
Man wird unweigerlich dazu gebracht, sich ein wenig selbst zu analysieren. Sagt das etwas über meine Art, die reale Welt zu betrachten, sie wahrzunehmen und mich in ihr zurechtzufinden, aus? Mag ich es in meinem Alltag auch lieber linear?
Wahrscheinlich schon. Zu viele Entscheidungsmöglichkeiten stressen mich, lösen Unruhe und das Gefühl, dass die Zeit mir davonläuft, aus. Ich bevorzuge einen strukturierten Alltag, zumindest in seiner Basis. Denn wenn dies gegeben ist, bleibt mir Raum für Eventualitäten. Stehe ich aber vor einem Berg an Möglichkeiten und nur einer gewissen Stundenanzahl, die mir zur Verfügung steht, fühlt sich das wie Reizüberflutung an. Das kann durchaus mit meinem sensiblen Nervensystem zu tun haben, das Inputs hintereinander verarbeitet und dafür auch seine Zeit braucht.
Open-World-Spiele nehmen viel Zeit in Anspruch. Man merkt kaum, wie die Stunden dahinfließen. Der richtige Zeitpunkt zum Aufhören scheint nicht zu kommen. Meine Aufmerksamkeitspanne, in der ich mich konzentrieren und fokussieren kann, ist aber begrenzt. Ich brauche einen zeitlichen Rahmen, um nicht das Gefühl der Uferlosigkeit zu bekommen. Denn dann trete ich unbewusst aus dem Geschehen aus und mir entgehen wichtige Dinge. Das ist bei mir in vielen anderen Situationen ganz genauso.
Es ist immer wieder faszinierend, was Videospiele in einem auslösen können, was man über sich selbst dabei erfahren kann. Da hatte ich schon einige Aha-Momente.
Open-World-Spiele wurden wahrscheinlich für Menschen erfunden, denen Strukturen zu langweilig und zu eintönig sind und die sich nur wohlfühlen, wenn die Welt eine Million Möglichkeiten für sie bereithält … 😉

Bin eher wie du, liebe Heidi, aber das liegt auch daran, dass das letzte Spiel, das ich je spielte, ein uraltes „Prince of Persia“ war: Der Prinz musste durch unzählige Fallen und Hinterhalte, um die Prinzessin zu befreien. Ein Fehler – und zurück an den Start … bzw. in die Reinkarnation. Als ich die Prinzessin hatte, war die Lust weg, mir das nochmal anzutun. Open World entspricht wahrscheinlich mehr dem Leben, das ohnehin ein Videospiel zu sein scheint. Man kann in beidem – Leben und Videospiel – seinen eigenen Charakter erkennen, aber die Frage ist: Wo kann man es nachhaltiger? Auf Spielebene oder im echten Leben? Und kann man auf der Spielebene lernen, das Leben spielerischer wahrzunehmen – oder ist das Leben dazu besser geeignet? Sollte man überhaupt spielerischer leben – oder liegt darin nicht auch eine Gefahr? Fragen über Fragen … 🙂
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Da kann ich nichts zu schreiben, denn wenn mich etwas wirklich absolut gar nicht interessiert, dann sind es Videospiele. 🥱
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