Gedankensplitter

„Unternehmen“ Natur

Man muss schon aufpassen, nicht in Phrasen zu verfallen, will man über das Wunder der Natur, Analogien zu unserem Alltag oder ihre Erhabenheit schreiben.

Eigentlich wirkt sie wie ein perfekt geführtes Unternehmen – und noch dazu ein ziemlich nachhaltiges. Sie erträgt auch eine ganze Menge, erholt sich von jedem noch so mächtigen Einschnitt, wenn man Eiszeiten, Klimaextreme, das Aussterben verschiedener Arten oder nur ihre tektonische Aktivität bedenkt. In Sachen Resilienz kann man sich von ihr eine Menge abschauen, vor allem, die daraus resultierenden Lernaufgaben nutzbringend umzusetzen. Dabei schießt die Natur nie übers Ziel hinaus und erreicht maximale Effizienz mit einem möglichst geringen Energieaufwand. Keinesfalls würde sie verschwenderisch mit Ressourcen umgehen.
Ihr Ökosystem, so exakt ausbalanciert, dass jede Lebensform ihren angestammten Platz darin findet, sucht seinesgleichen. Die Balance erreicht sie durch ständige Selbstregulation und am besten, ohne dass wir eingreifen. Hierzu bedient sie sich eines immer wiederkehrenden Kreislaufs aus Erneuerung, Anpassung und vor allem Diversität. Leider kann der Mensch nicht davon ablassen, sich alles untertan machen zu wollen, weshalb er unentwegt an dieser sensiblen Ordnung rüttelt.
Der Natur wird ganz schön was angetan, aber hören wir sie je murren? Okay, manchmal bebt sie vor Zorn, aber im Grunde regelt sie die Dinge selbst, scheint nicht gegen das Unvermeidliche anzukämpfen. Dasselbe gilt im Übrigen für ihre Bewohner – Fauna und Flora. Die gehen mit den Umständen. Sie wehren sich nicht dagegen, sondern wachsen daran. Das nennt sich dann Evolution. In der Natur dreht es sich in erster Linie ums Überleben; Wachstum und Vermehrung folgen erst danach.
Diverse Insektenstämme zeigen, dass ein Kollektiv besser funktioniert, wenn es miteinander arbeitet anstatt mit Ellbogentechnik gegeneinander. Pflanzen folgen einem eigenen Rhythmus, in dem es eine Phase der Ruhe und eine des Erblühens gibt, ähnlich dem Winterschlaf mancher Tiere. Niemals würden sich diese Lebewesen dagegen auflehnen – nur wir kriegen es hin, ständig gegen unser Naturell zu agieren und Aktivitäts- und Ruhephasen knallhart zu vermischen oder zu torpedieren. In der Natur folgt alles den immer gleichen Abläufen – Jahreszeiten, Mondphasen, Tag und Nacht etc. Langweilig scheint ihr dabei nicht zu sein, auch das ist ein menschliches Merkmal – diese ständige Jagd nach dem Durchbrechen des so ungeliebten, vermeintlich öden Alltags. Dabei übersehen wir oft, dass fixe Strukturen Rahmenbedingung und Sicherheit für Entfaltung sind.

Wir können jede Menge lernen von Mutter Natur – aber das würde dann doch zu sehr nach Phrase klingen. Insgeheim ist uns das aber ohnehin bewusst. Oder?

4 Kommentare zu „„Unternehmen“ Natur

  1. Ich muss leider immer wieder feststellen, dass die Menschen von der Natur quasi in der Dritten Person sprechen – hier die Menschheit, dort die Natur – gerade so, als würde wir nicht dazugehören. Dieser Wahrnehmungsfehler widerspielgelt sich in fast allem, was unseren Umgang mit der Natur betrifft, und gipfelt schließlich in der kollektiven Arroganz, die Natur beherrschen und kontrollieren zu wollen oder das Klima beeinflussen zu können.
    Ändert man jedoch die Perspektive, erkennt man, dass auch die Menschheit „nur“ ein Teil der Natur ist, der in, mit und von den anderen Teilen der Natur lebt. Aber die menschliche Selbstüberschätzung erweckt den Eindruck, wir würde über allem stehen. Gerade so, als hätten wir es in der Hand. Ein fataler Irrtum.
    Da kann ich nur Lachen, denn die Natur reguliert alles aus – und zwar als Ganzes. Sie lässt Arten neu entstehen und gedeihen, jedoch andere auch verkümmern und aussterben. Und da wir selbst nur eine Art, also Bestandteil dieser ganzheitlichen Regulierung sind, wird sich noch zeigen, ob wir zu den Gewinnern oder den Verlierern der Evolution zählen.
    So, wie ich die aktuelle Lage einschätze, täte die Natur gut daran, sich besser früher als später der Menschheit zu entledigen.
    Wer diese Vision nicht mag, möge sich bitte vor Augen führen, dass er selbst ein Stück Natur repräsentiert, und er möge im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag dazu leisten, die Schönheit und Komplexität dieser Welt zu erhalten.

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