Der Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres hat wahrscheinlich viele von uns ein wenig nachdenklich gestimmt: Was wäre, wenn?
Mal ganz abgesehen von den offensichtlichen und wirklich lebensnotwendigen Dingen wie der Trinkwasserversorgung, Essen oder Heizen überlegte ich für mich, was ich auf längere Sicht mit meiner freien Zeit anfangen würde, würden die elektronischen Geräte und all die Technik wegfallen, die uns völlig selbstverständlich geworden ist. Manchmal scheint uns überhaupt nicht bewusst zu sein, wie abhängig wir uns mittlerweile davon gemacht haben. Streamingdienste, Internet, diverse Apps, Social Media – digitale Inhalte, so weit das Auge reicht.
Wir müssen gar nicht das Extrem eines Blackouts durchspielen. Es zeigt sich mittlerweile recht offensichtlich, dass dieser Dauerinput unseren Gehirnen mehr schadet als nützt. Die Reizüberflutung hat uns fest im Griff, was zu kürzeren Aufmerksamkeitsspannen führt und uns nicht mehr im gleichen Ausmaß fokussieren lässt, wie dies früher der Fall war. Das Gehirn versucht, dem hinterherzustolpern, und verschiebt vieles einfach ins Unterbewusstsein, um sich nicht mit all den Informationen detailliert auseinandersetzen zu müssen. Dazu wäre es auch gar nicht imstande.
Der Wunsch nach Stille, Minimalismus und einem „leeren Raum“ rückt wieder mehr ins Bewusstsein. Menschen erkennen, wie gut das tun kann.
Ich versuchte mich zu erinnern, womit ich mir die Zeit vertrieb, bevor auch ich mich von der Technik und den allzeit präsenten Angeboten habe mitnehmen lassen. Und, ja, man findet Dinge, die zwar ein wenig verschüttet waren und neben den schillernden Angeboten fast blass erscheinen, aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen.
Natürlich ist da das Lesen. Inzwischen darf nur mehr mein E-Reader auf meinen Nachttisch. Kein Handy, kein Laptop. Ich nehme auch wieder vermehrt echte Bücher in die Hand, obwohl das Lesen auf dem Kindle meinen Augen leichter fällt.
Zudem habe ich mir vor Jahren einige Erwachsenenmalbücher zugelegt, damals als eine Art Meditation. Leider hat es sich mit der Zeit auch wieder verloren – bis jetzt. Seitdem male ich an meinen freien Tagen immer wieder einmal darin und die Freude kehrte rasch zurück.
Puzzles entspannen mich, allerdings fehlte mir immer der Platz (und manchmal auch die Geduld) für ein richtig großes Bild. Das ließ mich Ausschau halten nach sogenannten Minipuzzles mit nicht mehr als hundert Teilen. Selbstverständlich ist die Versuchung groß, nachdem man in keinem Laden fündig geworden ist, bei Amazon zu bestellen. So vieles scheint dafür zu sprechen, all die Vorteile des bequemen Shoppings. Schließlich fanden wir jedoch einen kleinen Onlineshop, der liebevoll gestaltete Puzzles aus recyceltem Altpapier herstellt und noch dazu den jeweiligen Künstlerinnen, die die Bilder entwerfen, eine kleine Bühne gibt. Ja, man bezahlt Versandkosten und, ja, es dauert zehn Tage, bis das Päckchen ankommt. Aber genau das sollte uns eigentlich nichts ausmachen. Haben wir Vorfreude verlernt? Eine Chance, sie wiederzuentdecken.
Musik begleitet einen wesentlichen Teil meiner Autofahrten. Trotzdem schalte ich jetzt bei zumindest einer Fahrt des Tages das Radio aus und versuche, einfach wahrzunehmen, was rund um mich ist. Friere ich, fühlt sich das Lenkrad kalt an? Wie riecht das Auto? Wie wirkt die Atmosphäre draußen? Anfangs war es ungewohnt und ich wurde ein wenig unruhig. Andererseits führte es zu Momenten der Präsenz und dazu, dass ich Musik wieder bewusster höre, anstatt einfach aufzudrehen, weil ich es eben gewohnt bin.
Ich will hier keine Lanze für die absolute Askese brechen, denn ich liebe Technik. Ich mag zahlreiche der Errungenschaften, die uns heute zur Verfügung stehen. Dennoch fühlte es sich befreiend an, diese Handvoll Dinge zu entdecken, die mir nach wie vor Freude bereiten – die sicher sind vor einem Stromausfall.
Ganz nebenbei bemerkte ich, wie Perspektiven sich verändern können: War früher jeder technische Fortschritt das Besondere, sind es heute diese unscheinbaren, kleinen Freuden aus analogen Zeiten, die gleichzeitig Erinnerung und Sicherheit auslösen.

Liebe Heidi,
es gibt viele Dinge, die man statt des Medienkonsums wieder aufnehmen kann. Ich habe zum Beispiel das Stricken wiederentdeckt. Bücher natürlich und Brettspiele, die liebe ich sowieso!
Auch ich versuche übrigens, Alternativen zu amazon zu finden und habe dabei wirklich nette Shops entdeckt.
Einen angenehmen Sonntag und liebe Grüße
Erika
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