Gedankensplitter

Raum für Stille – Erreichbarkeitsdetox

Es gibt Menschen, die wählen das Schweigekloster für eine Auszeit. Für Stille, Digital Detox und für mentales Fasten. Ganz unbedenklich ist die Sache jedoch nicht.
Mittlerweile leben wir in einer Art Dauerbeschallung, was Information und sozialen Austausch betrifft, und manch einer berichtet, durch dieses „von hundert auf null“ in kritische psychische Zustände geraten zu sein. Man stellt es sich wahrscheinlich viel zu einfach vor, den ganzen Tag kein Wort zu wechseln und auf die gewohnten sozialen Kontakte sowie digitalen Reize zu verzichten. Das ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für das Gehirn, das dadurch im schlimmsten Fall in Angstzustände verfallen kann.
Den Betroffenen wurde geraten, die Nutzung von ihrem Handy oder dem Notebook langsam auszuschleichen und die Dosis Schritt für Schritt zu reduzieren. Ansonsten hätte ein kalter Entzug gedroht und der Erholungsfaktor wäre in weite Ferne gerückt.
Ich halte diesen Zugang für vernünftig, sehe es wie bei Blitzdiäten, die nur dazu führen, dass letztendlich der Heißhunger die Oberhand gewinnt. Dennoch kann ich diejenigen verstehen, die die Stille so vehement suchen.

Die ständige Erreichbarkeit unserer Zeit ist mittlerweile ein echtes Problem geworden. Vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr so etwas die Psyche stressen kann, denn das bemerken wir nicht sofort. Wenn man darüber nachdenkt, ist es eigentlich übergriffig und aufdringlich, von seinen Mitmenschen zu erwarten, dass sie Nachrichten prompt lesen und noch schneller beantworten. Wie oft handelt es sich tatsächlich um einen echten Notfall?
Noch schlimmer wird es, wenn man sich durch derlei Interaktionen Aufmerksamkeit und Bestätigung erhofft oder sich einfach die Langeweile vertreiben will – auf Kosten der Zeit anderer Menschen, wohlgemerkt.
Genauso verhält es sich mit dem Konsum von sozialen Medien. Weder unseren Augen noch der Psyche, geschweige denn unserer Schlafhygiene ist es zuträglich, wenn unsere Technikgeräte das Erste und das Letzte des Tages sind, dem wir uns widmen.

Ich habe für mich beschlossen, meinen eigenen Konsum zu verwalten. Denn auch ich möchte nicht grundsätzlich auf alles verzichten und ins Schweigen verfallen, allerdings trotzdem einen gesunden Umgang damit pflegen.
In der Praxis sieht das so aus, dass ich mein Handy fast ausschließlich auf lautlos geschaltet habe. Bei der Arbeit geschieht das sowieso, und diese Angewohnheit habe ich einfach in mein Privatleben mitgenommen. Während ich schlafe, bleibt mein Smartphone im Wohnzimmer – nichts kann so dringend sein, als dass es nicht reicht, am nächsten Morgen davon zu erfahren. Die Nahestehenden haben in jedem Fall Alternativen, mich zu erreichen. Den Laptop nutze ich vorrangig, um meine E-Mails und die Blogtexte zu schreiben, für Recherche, Einkäufe oder für Information.
Der nächste Schritt wird sein, nicht jede Möglichkeit zum Überprüfen neuer Nachrichten wahrzunehmen. Es reicht, mit einem Abstand von mehreren Stunden nachzusehen und sich dann gemütlich hinzusetzen, um in einem Schwung zu beantworten, was man für wichtig erachtet. Lieber eine Viertelstunde dafür investieren, als sich über den ganzen Tag verstreut immer wieder damit auseinanderzusetzen. Social-Media-Zeiten lassen sich wunderbar limitieren, sodass ich mich innerhalb meines von mir festgesetzten Rahmens informieren oder auch nur unterhalten lassen kann.
Wichtig sind mir vor allem die Randzeiten: Die erste Stunde nach dem Aufstehen ist dem Qigong, der Meditation, dem Lesen und dem Frühstück gewidmet, ganz ohne Handy. Und abends im Bett halte ich es ähnlich: Die Technik bleibt draußen, das Buch kommt mit.

2 Kommentare zu „Raum für Stille – Erreichbarkeitsdetox

  1. Es ist schwer, sich dieser ständigen Erreichbarkeit zu entziehen. Ich versuche es ähnlich wie du, indem ich das Handy einfach weglege und mir dann eine Viertelstunde Zeit nehme. Ganz schlimm finde ich Menschen, die ihre Nachrichten in viele einzelne Wörter und Emojis regelrecht „verzetteln“. Da merkt man dann, wie sehr social media unsere Konzentration beeinflusst.
    Liebe Grüße
    Erika

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