Gedankensplitter

Sind wir bereit für KI?

Ich bin bei Gott keine KI-Expertin, aber manchmal frage ich mich, ob wir dem gewachsen sind, was mittlerweile zu einer absoluten Selbstverständlichkeit geworden ist.

Die KI hat unseren Alltag erobert – in vielerlei Hinsicht. Zumindest einen Berührungspunkt hat jeder von uns, schließlich sind die meisten im Besitz eines Smartphones.
ChatGPT und Co. schlugen ein wie eine Bombe. Man war begeistert, was sich damit für Möglichkeiten auftaten: sekundenschneller Zugriff auf Daten und Wissen. Wissen? Gar Fakten? Hier beginnen erste kritische Stimmen laut zu werden.

In der Regel werden derartige KIs auf Basis von menschlichen Inhalten trainiert. Die Datenmenge, die in sie gespeist wird, ist enorm und übersteigt unsere Vorstellung bei weitem. Wer sich immer noch fragt, warum unsere Daten so heißbegehrt waren und nach wie vor sind: Das ist einer der Gründe dafür.
Nun geben diese Sprachmodelle die Inhalte aber nicht 1:1 wieder. Sie mischen sie quasi durcheinander und setzen sie auf Basis von Wahrscheinlichkeiten neu zusammen. Das funktioniert ganz gut, naturgemäß allerdings nur mit einer gewissen Fehlerquote. Besonders bei Fachinhalten heißt es also: aufpassen und am besten die Quelle nachrecherchieren. Die Mühe, nachzuprüfen, ob tatsächlich Fakten wiedergegeben werden, sollte man sich jedenfalls machen.

Leider scheint das nicht allen bewusst zu sein. Chatbots sollten keine Grundlage von Information oder gar Bildung sein. Doch die Liste der Probleme, die auf uns zukommen, ist noch länger. So verlernen etwa Schüler das Lernen, weil sie stattdessen die KI konsultieren. Und welch fatale Auswirkungen generative KI auf die Kunstschaffenden hat, will ich mir gar nicht ausmalen. Nahezu jeder Mensch „kann“ in Zukunft ein Buch schreiben, ein Lied komponieren oder ein Bild anfertigen, von etwaigen Urheberrechtsverletzungen ganz zu schweigen.

Zahlreiche KI-Experten sind mittlerweile der Ansicht, dass die Technologie viel zu früh und in einem zu großen Ausmaß auf die Menschheit losgelassen wurde. Laut ihnen sind wir noch nicht in der Lage, mit einem Werkzeug dieses Kalibers umzugehen. Sogar ein Bill Gates erhebt dabei seine mahnende Stimme. Es ist nicht abzuschätzen, ob und wie weit die Entwicklung aus dem Ruder laufen könnte.
Bereits jetzt sind nur noch die wenigsten von uns in der Lage, echte Inhalte von KI-generierten zu unterscheiden. Das Verbreiten von Fake News und meinungsbildenden Inhalten, die einer Demokratie gefährlich werden könnten, ist damit ein Leichtes.

Forscher beschwichtigen und meinen, man müsste lernen, die Systeme zu verstehen, statt sich von ihnen abhängig zu machen. Es gäbe gute Gründe, trotz allem nicht in Panik zu verfallen, da der Mensch immer dort gefragt bleiben wird, wo Verantwortung und Kreativität eine Rolle spielen. Die KI kann vielleicht ein Haus entwerfen, sie wird es aber nicht erbauen können.

Immer mehr Leute stellen die Intelligenz der Maschine infrage, weil sich gehäuft Fehler in generierten Texten zeigen – das lässt die KI eher dümmer erscheinen, nicht klüger. Die Sozialwissenschaft hält es für möglich, dass der Mensch – ein fühlendes Wesen – zunehmend gelangweilt sein wird von unterkühlten und auf eine Art lieblos wirkenden Inhalten. Man möchte berührt werden und es ist fraglich, ob eine KI das bewerkstelligen kann.

Wenn der Schwerpunkt auf Ethik, klaren Regeln und einer umfassenden Kooperation läge, könnte in der Technologie tatsächlich ein unglaubliches Potenzial stecken. Erich Prem, KI-Experte der Technischen Universität Wien, sieht die Gefahr nicht in den Maschinen selbst, sondern in den Menschen, die sie bauen und trainieren. Aktuell liegt die Macht nämlich in den Händen einiger weniger Tech-Milliardäre. Laut ihm ist das wahre Risiko demnach nicht die Superintelligenz der Maschine, sondern der Superkonzern dahinter. Und genau das sollte uns zu denken geben.

Spätestens an dem Punkt stellt sich die Frage, inwieweit wir unreflektiert mitmachen wollen. Ich will mich nicht gegen die Nutzung von KI aussprechen, auch mir leistet sie immer wieder einmal gute Dienste. Jedoch sollten wir sie nicht als Übermacht auf einen Sockel stellen oder gar ängstlich einknicken, sondern uns auf das besinnen, was uns als Menschen ausmacht und was eine KI nie wird erlangen können. Denn egal, wie perfekt sie uns, unser Handeln oder unsere Werke imitiert, das Ergebnis wird trotzdem immer künstlich sein.

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