Gedankensplitter

6 Stück Deko

Jedes Jahr, wenn der November angebrochen ist, beginnen die Menschen, ihre Häuser, ihre Läden und scheinbar die halbe Welt dekorativ auf Weihnachten vorzubereiten.

In mir erzeugte das vorerst eines: Stress. Anspannung auf vielerlei Ebenen.
Sollte ich auch schon? Eigentlich will ich noch nicht, immerhin möchte ich mich bis zum Heiligen Abend nicht daran sattgesehen haben. Und überhaupt, welche Stücke aus der Flut, die im Keller lagert, wähle ich aus? Wo ist was am wenigsten im Weg? Funktionieren noch alle Leuchtgegenstände oder muss ich Batterien nachkaufen? Wann stopfe ich es in meinen sowieso schon dichten Alltag? Wann ist der richtige Punkt gekommen, zwischen all dem Getöse die Musik einzuschalten, die mich in der Atmosphäre unterstützt?

Versteht mich nicht falsch, ich liebe Glanz und Glitzer – vor allem in dieser Zeit, die durch ihre samtige Dunkelheit mystisch wirkt. Dennoch bekommt man das Gefühl, man müsse sein Haus in eine Wichtelwerkstatt verwandeln, um Weihnachtsstimmung zu erzeugen.
Ich kann nur von mir sprechen und sagen, dass ich weder durch überbordenden Schmuck noch durch Weihnachtsmärkte und auch nicht durch andere vermeintliche Traditionen in diesen Emotionen ankomme. Der Funke entzündet sich in mir völlig absichtslos, im Auto, auf der Arbeit, beim Wäschewaschen. Er dauert auch nur einige Momente – aber die sind groß.
Sollten wir begreifen, dass sich Gefühle und Atmosphäre nicht künstlich erzeugen oder herbeirufen lassen? Eigentlich wissen wir es doch. Und wenn wir ehrlich sind, ist es nicht das Essen oder das Geschenk, das uns nach den Feiertagen in Erinnerung bleibt, sondern zumeist ein kleiner, aber ganz besonderer zwischenmenschlicher Moment.

Nun kam es, dass in unserem gemeinsamen Haushalt eine Strahlefee und ein gutmütiger Grinch aufeinandertrafen. Es galt also, diese Charaktere zu vereinen. Keiner will den anderen übervorteilen, jeder soll sich hier wohlfühlen. 😊

Wir fanden einen Kompromiss: 6 Lieblingsstücke.
Mein erster Gedanke war: unmöglich.

Nach und nach jedoch stiegen in mir die Bilder genau jener Stücke auf, die ich schon lange zu meinen Favoriten erkoren hatte. Jedes Jahr zieht es mich zu den gleichen Gegenständen; insgeheim habe ich doch schon längst meine Auswahl getroffen.

Diese Überschaubarkeit in Verbindung mit der Tatsache, dass ich im Zuge einer Kellerentrümpelung vieles schon verabschiedet hatte, bewirkten eine lange nicht dagewesene Vorfreude auf das diesjährige Dekorieren.
Wir verzichten auch auf einen Weihnachtsbaum. Dafür mache ich mich kreativ ans Werk. Ideen sprudeln aus mir und selten habe ich mich mehr auf den 23.12. gefreut, an dem ich sie alle endlich umsetzen darf.

Ich habe den Verdacht, dass meine Weihnachtstage heuer welche werden, wie ich sie immer haben wollte – still, bescheiden, reduziert. Mit Platz für inneren Reichtum.
Das bedeutet zudem, dass wir uns keine Geschenke machen. Stattdessen sollen Obdachlose und Tiere einen Teil davon bekommen.

Habt eine wunderbare, stille Zeit!

4 Kommentare zu „6 Stück Deko

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