Man sagt uns nach, dass wir alles in uns haben: den Schlüssel zum Glück wie den Schlüssel zur Selbstheilung – gewissermaßen eine ganz persönliche Sammlung an Weisheit und Heilkraft. Wir werden quasi dazu aufgefordert, uns einfach in uns selbst zu bedienen. Warum also greift der Mensch immer wieder zu Hilfsmitteln?
Lassen wir schwere Krankheiten außen vor und bleiben vorerst bei klassischen Alltagsbefindlichkeiten, sowohl physischer als auch psychischer Art.
Worüber ich in letzter Zeit viel nachgedacht habe, waren alternative Behandlungen mit Globuli, Heilsteinen, Astrologie-Beratungen etc. Menschen können endlos darüber streiten, ob denn nun etwas dran ist oder eben nicht. Wissenschaftlich gesehen ist keinerlei Effekt nachgewiesen, das ist ein Fakt. Trotzdem berichten viele über Erfolge bei der Behandlung oder dem Gespräch.
Es stellt sich die berechtigte Frage, ob es tatsächlich der Gegenstand an sich ist oder doch die zeitintensive, menschliche und fast liebevolle Zuwendung der alternativ Praktizierenden, die Schulmedizinern oftmals fehlt und die den erwünschten Effekt möglich macht. Das soll keineswegs ein Vorwurf an die Ärzte und Ärztinnen sein – wie so viele sind sie ebenfalls Opfer eines Systems, das manchmal alles andere als human daherkommt.
Auch ich habe mit der Homöopathie erstaunliche Erfolge erzielt, obwohl ich mir die Wirkung beim besten Willen nicht erklären oder vorstellen kann. Ich liebte vor allem den intensiven Austausch mit meiner Ärztin, in welchem wir auch gleich das Thema Ernährung behandelten und ich als Bonus allen seelischen Ballast abwerfen konnte. Ihr souveränes und informiertes Auftreten, ihre gütige und versierte Art vermittelten mir die Sicherheit, dass mein Körper zur Heilung imstande sei. Vielleicht liegt darin das Geheimnis?
Ich habe eine Dokumentation über die Gewinnung von Heilsteinen gesehen, die gern als Armbänder, Schutzsteine und zu sonst allerlei Zwecken getragen werden. Es war einfach nur erschütternd. Die Frage ist nämlich, ob das von der Natur, dem Universum oder anderen Kräften jemals so gedacht war, dass Kinder in Dritte-Welt-Ländern ihre Gesundheit und manchmal sogar ihr Leben riskieren, damit wir hier im Westen die Steine zu Heilzwecken erwerben können. Das Geschäft mit der Esoterik brummt – Produkte, die im untersten Preissegment eingekauft werden, werden anschließend zu dekadenten Preisen mit hohem Gewinn weiterverkauft. Ein Geschäft, das mir nicht sehr spirituell erscheint und von dessen Umsatz der indische Arbeiter nicht das Geringste hat.
Selbst wenn wir alle wissenschaftlichen Fakten außer Acht lassen, will ich jene fragen, die keine Zweifel an der Heilkraft der Steine haben: Kann es im Sinne der Natur, der universellen Gesetze oder einer sonstigen Überzeugung sein, dass ein Teil der Menschheit Heilung erfährt auf Kosten der Gesundheit des anderen Teils?
Es nützt nichts, sein Gewissen damit zu beruhigen, dass man ja aufpasse, bei welchen Händlern man einkaufe. Der Abbau von Steinen zu Schmuckzwecken ist noch immer äußerst problematisch und weit nicht so transparent, wie es inzwischen bei Kosmetik und Mode der Fall ist.
Ich will keinem seine bereits erworbenen Steine madig machen. Auch ich besitze einige, die ich wunderschön finde und sehr gern bei mir trage. Allerdings habe ich mir erlaubt, vieles daran erneut zu überdenken – und vielleicht kann ich euch ebenfalls dazu einladen.
Kräutern wohnt eine tatsächlich nachgewiesene Heilkraft inne; sie wachsen überall am Wegesrand, rund um den Erdball. Dafür muss kein anderer seinen Rücken krümmen. Dennoch sollen es Steine aus zumeist von Armut geplagten Ländern auf weit entfernten Kontinenten sein? Ein interessantes Gedankenexperiment, wie ich finde.
Es ist verwunderlich, dass ausgerechnet der „erleuchtete“ Mensch irgendwelche Krücken braucht, um an Heilung zu glauben. Sollte nicht gerade er Zugriff auf seine inneren Kraftquellen haben? Sollte nicht gerade diese Klientel recherchieren, ob sich das für alle ausgeht, die an diesem Prozess beteiligt sind? Im Sinne des Großen und Ganzen?
Die Natur um uns – das Universum, dessen Teil wir sind – schwingt. Daran glaube ich zutiefst. Graben wir doch an dieser Stelle. Der kleine Junge am anderen Ende der Welt wird es uns danken.
Wenn tatsächlich alles in uns ist, dann sind wir die Kügelchen, die Steine und auch die Sterne …

Good job – liebe Heidi, du Steinchen……nein, du Sternchen.
Herzliche
Werner
LikeLike