Inspirierende Persönlichkeiten

Hubert von Goisern

Hubert Achleitner hat schon immer Musik gemacht. Anfangs in der örtlichen Blasmusikkapelle, die vielen musikbegeisterten Jugendlichen vom Land als erster Berührungspunkt dient. Neben der Trompete hat er sich das Spielen auf diversen Instrumenten selbst beigebracht, studierte aber auch an der Wiener Musikhochschule Elektroakustik und experimentelle Musik.
Alsbald wurde er zum Globetrotter, was ihn bis heute um den halben Erdball führte. Er kam in Berührung mit den verschiedensten Kulturen und deren Musik. Dies scheint ihn inspiriert zu haben, sich auch der österreichischen Volksmusik zuzuwenden. Der urtümlichen, nicht der, die picksüß von Schlagerbühnen dröhnt. Hubert hat sie aus der Mottenkiste geholt und ihr mit Einflüssen aus den unterschiedlichsten Strömungen von Weltmusik einen komplett neuen Anstrich verliehen. Die Leute wurden aufmerksam, sie hörten zu. Sein Durchbruch folgte allerdings erst mit beinahe vierzig Jahren.

Damit war Hubert alt und reif genug, um nicht mehr den glattgebügelten Popjüngling zu geben. Man bemerkte ihn gerade wegen seiner Ecken und Kanten – optisch, musikalisch sowie bezüglich seiner Ansichten über Gott und die Welt. Mit den „Alpinkatzen“ und der begnadeten Tiroler Sängerin Sabine Kapfinger eroberte er in den frühen Neunzigerjahren Musikindustrie und Konzertbühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Jeder andere hätte es sich auf dieser Ruhm-Insel bequem gemacht – nicht so Hubert. Der löste am Höhepunkt der Karriere die Band auf und zog weiter.

Es trieb ihn nach Afrika und Tibet und er freundete sich mit der Schimpansenforscherin Jane Goodall an. Aus diesen Projekten gingen diverse Dokumentationen und CDs hervor. Er schrieb die Filmmusik zu Vilsmayers Literaturverfilmung „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider. Weiters brachte er eine Sammlung traditioneller, österreichischer Volksweisen auf den Markt und gewann dafür den Amadeus-Award.

Sein wohl größtes Projekt war die Reise auf einem Schiff, das ihn und diverse Gastmusiker von Wien bis zum Schwarzen Meer trug. Die Eindrücke von diesem unglaublichen Unterfangen kann man auf der DVD „Goisern Goes East“ bestaunen – unbedingte Empfehlung meinerseits.
Die zweite Etappe führte den Ausnahmemusiker dann gen Norden bis zur Nordsee, wieder mit namhaften deutschen Gastmusikern. Auf dem Schiff entstand ein Tagebuch, ein sogenanntes Logbuch, das er später unter dem Titel „Stromlinien“ veröffentlichte, und damit sein Debüt als Autor gab. Nächste Empfehlung! 🙂

Ab dem zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends stand Hubert wieder im Studio und begeisterte mit ausverkauften Konzerten. „Entwederundoder“ erreichte Doppelplatinstatus, die Single „Brenna tuats guat“ hielt sich wochenlang an der Spitze der Charts. 2013 erhielt Hubert den Ehren-Amadeus für genre- und völkerverbindende Musik.

Auch der Nachwuchs liegt ihm am Herzen, weshalb er für junge Talenten eine Plattform schuf: 2018 wurde der „Hubert von Goisern Kulturpreis“ gegründet – ein Förderpreis, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Er besuchte Volksschulen und brachte den Schülern das Liedgut ihrer Heimat näher. Des Weiteren hielt er sie an zu singen und zu musizieren.

Warum aber begeistert er mich?

Seine Musik begleitet mich seit Beginn meiner Zwanziger, seine Lieder sind der Soundtrack meiner eigenen Lebensphasen. Als alle Welt vor über 30 Jahren sein „Hiatamadl“ trällerte, lief im damaligen Nachtfernsehen ein Mitschnitt eines seiner Livekonzerte. Den schaute ich mir an. Ab da war ich elektrisiert und folgte seinem künstlerischen Schaffen durch sämtliche Etappen, Alben, Konzertsäle und Lesungen. Ich kann die Anzahl der Konzerte, auf denen ich ihm lauschte, gar nicht mehr nennen, aber live ist er ein EREIGNIS.

Zudem ist Hubert für mich Erinnerung an meinen Papa. Der und ich teilten schon immer den gleichen Geschmack, und so hatte auch ihn die Begeisterung gepackt. Bis zu seinem Tod waren es wir beide, die gebannt vor jedem Konzert und jeder Doku saßen und sich an den Duetten von Sabine und Hubert erfreuten.

Hubert von Goisern – der Mann, der nie nur an der Oberfläche schrammt, der sich nie verbog und bis heute sein Ding durchzieht. Ein Menschenfreund, der immer neugierig ist und andere ermutigt, ihren Weg zu gehen, so sie ein Talent in sich spüren. Er hat mich, egal ob durch ein Lied, ein Buch oder einen Film, ein ums andere Mal zum Weinen und zum Lachen gebracht, mich berührt und mich inspiriert.

Zwei Jahre vor seinem 70er hat er einen Roman veröffentlicht, unter seinem richtigen Namen Hubert Achleitner. Das Werk trägt den Titel „flüchtig“ und, na ja, ich kann einfach nicht mit den Empfehlungen aufhören. 😉

Beenden möchte ich die Hommage an „meinen“ Hubert mit einem von mir verfassten Konzertbericht aus dem Jahr 2012, bei dem ich einfach meiner Begeisterung freien Lauf ließ – ohne Anspruch auf Stil und Form.

NEULICH IM MQ

Die Musik, die du machst, die atmest du aus, so selbstverständlich kommt die daher. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Instrumente du letzten Mittwoch gespielt hast. Eines der beeindruckendsten davon ist sowieso deine Stimme und ihre unverwechselbare Klangfarbe. Ob du alte Volksweisen, Jazz oder Balladen singst. Am liebsten möchte man die Schuhe abstreifen, um den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Deine Musiker geben dir einen Rahmen, ohne im Hintergrund zu verschwinden, ihr seid exakt auf dem Punkt, fast symbiotisch verwoben; euer Töneuniversum scheint grenzenlos. Gibt es Längen, Durchhänger auf euren Konzerten? Ich kann mich nicht erinnern, und nur wenn die Hütte in Flammen steht, würde ich bereit sein, den Saal zu verlassen.
Obwohl, brenna tuats sowieso immer. Guat no dazua.

Du wechselst zwischen Rock und diesen melancholischen Klängen alter Volksweisen, die an unseren Herzen ziehen, nach Heimat klingen dürfen. Weil du es ernst meinst, ohne Pathos und Drama.

Deine Einstellung, die klingt nicht nach politischem Statement, du hast eine Meinung, aber du lässt den Menschen Raum für ihre eigenen Empfindungen und Ansichten. Danke, dass du uns nicht aufgefordert hast, wählen zu gehen. Du traust deinem Publikum etwas zu und nach dem tosenden Applaus zu schließen, hast du sehr viele Menschen erreicht.

Ein Abend, den man ungern abbricht, schwingt er doch noch lange nach. Deine Lieder nimmt man mit, legt sie zu Hause vorsichtig ab und holt sie sich wieder heraus, wenn es Zeit dafür ist.
Machs guat, genieß deine kreative Pause von der Bühne, von der ich jetzt schon ahne, dass aus ihr Großartiges entstehen wird. Danke, Hubert!

PS: Am 26.4.2024, wurde ihm der Amadeus für sein bisheriges Lebenswerk verliehen. Die Worte, die er für seine Frau fand, waren die schönsten, die ich je in einer Dankesrede vernommen habe.

5 Kommentare zu „Hubert von Goisern

  1. Dein Link zu Hubert von Goisern fürht zu „Fehler 404 – Seite nicht gefunden“.
    Der Link hat nach meinem Verständnis am Ende ( nach „html“ ) ein paar Zeichen zu viel, nämlich „%C2%A0“.
    Ohne dieses Ende finde ich seinen Lebenslauf.
    LG, Max

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