Gedankensplitter

Abschied von Eni

Wie oft habe ich mir das Szenario deines Abschieds von dieser Welt vorgestellt? Wenn man fast 17 Jahre miteinander teilt, hat man Zeit dazu. Heute, am 30.10., hättest du die 17 übrigens vollendet. Happy Birthday, mein Engel.

Natürlich dachte ich nicht bereits von Anfang an darüber nach. Anfangs hast du kleiner Wildfang mich ganz schön auf Trab gehalten. Deine Energie war schier grenzenlos. Manchmal hast du uns alle heillos überfordert – aber meistens konnten wir dir nicht widerstehen.
Dein Charme und deine Klugheit, deine so besondere Seele waren beeindruckend. Du warst keiner dieser Hunde, die sich devot unterwerfen. Selbst im Augenblick des Gehorsams hattest du eine stolze Ausstrahlung. Selten hast du dich angebiedert. Deine Liebe und deine Loyalität hast du unverschnörkelt gezeigt. Wenn du kuscheln kamst, dann hatte das Gewicht. Dann ging mir das Herz auf. Wenn du um Essen gebettelt hast, passierte das nie lautstark oder aufdringlich. Du hattest eine Art, einfach dazusitzen und einen anzuschauen, bis man irgendwann nicht mehr anders konnte – als hättest du es völlig selbstverständlich verdient. Unsere Liebe füreinander spielte sich einfach auf Augenhöhe ab. Ich musste sie mir nicht verdienen und du hattest kein „Süßer-Hund-Gehabe“ nötig.

Wenn ich sage, du warst der Hund meines Lebens, dann meine ich das genau so. Ich ahne, dass ich nie wieder einen finden würde, der unkomplizierter wäre als du. Beim Tierarzt waren wir nur für die Standards – einzig als du 11 Jahre alt warst, hast du es spannend gemacht. Bis dahin dachte ich, du seist unverwüstlich. Du hattest dir Bakterien eingefangen, die um ein Haar zu einem Organversagen geführt hätten. Doch wer hat sich in Rekordzeit erholt? Meine kleine, große Kämpferin.

In der Klinik sagte man mir damals, jeder weitere Monat mit dir sei ein Geschenk. Am liebsten wollte ich dich in Watte packen. Absolut unnötig, denn du hast locker noch 6 Jahre angehängt. Trotzdem begann ich mir seinerzeit Gedanken zu machen. Ich überlegte, wie es wäre, wenn du einmal fort wärst. Zunächst war das beinahe unvorstellbar. Du warst meine Gefährtin. Eine Gefährtin, die dreimal mit mir umgezogen war und jedes neue Heim in einer Gelassenheit zu ihrem eigenen gemacht hat, als hätte es die vorigen nie gegeben. Von all den anderen Wendungen und Begegnungen meines Lebens einmal ganz abgesehen.

Immer öfter keimte in mir die Frage auf, wie es sein würde. Würdest du einschlafen? Krank sein? Würde ich dir helfen müssen auf dem Weg zur Erlösung?
Mindestens ebenso oft beschäftigte mich die Frage, welcher Mensch dabei sein würde, wenn der Zeitpunkt gekommen wäre. Du hast dir den richtigen ausgesucht.

Häufig hast du „Warnschüsse“ abgegeben. Ernst hast du aber erst gemacht, als die Umstände passten – als ich nicht nur im Arm, sondern auf jeder Ebene gehalten wurde. Gehalten auf eine Art und Weise, die deinem Wesen ähnelte: unverschnörkelt, ohne Drama oder Gefühlseskalationen. Und gerade deshalb war ich in Sicherheit.

8 Kommentare zu „Abschied von Eni

  1. Liebe Heidi

    ……ich sitze hier und weine.
    Deine Worte sind voller Liebe.
    Ich kann sie spüren.

    Mein Herz pochte schneller beim Lesen … vor Liebe?
    Ja, und ich schicke Dir ganz viel davon.
    Unverschnörkelt.

    Gefällt 2 Personen

    1. Meine Liebe, lass mich dich umarmen! Eni ist schon im Sommer von mir gegangen, ich habe aber ein Weilchen gebraucht, das auch aufschreiben zu können. Ihr heutiger Geburtstag erschien mir passend. Ich schick viel davon zu dir zurück.

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