Manchmal muss man sich doch wundern oder einfach nur schmunzeln, welche Vorurteile und Mythen rund um den Veganismus (noch immer!) im Umlauf sind. Dabei ist das längst kein Ausnahmetrend mehr und manche Aussagen klingen schlicht veraltet. Einiges davon möchte ich heute einem Faktencheck unterziehen. Natürlich geht eine vegane Lebensweise weit über die Ernährung hinaus. Weil sich die meisten Gegenstimmen allerdings darauf beschränken, soll es sich hier hauptsächlich um sie drehen. Dabei greife ich auf möglichst aktuelle Quellen zurück, erhebe jedoch keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit für jeden Einzelnen.
- Sich pflanzlich zu ernähren, bedeutet nicht automatisch Mangel – zumindest für die meisten von uns.
Es mag Menschen geben, die aufgrund bestimmter Erkrankungen, Allergien oder sonstiger Ursachen nicht ausschließlich pflanzenbasiert essen können oder sollten, aber um die Ausnahmen soll es hier nicht gehen. Stattdessen möchte ich auf den Mehrwert hinweisen, den vegane Ernährung mit sich bringen kann.
Die Nationale Verzehrstudie hat gezeigt, dass immer mehr Menschen aufgrund ihrer Ernährung gesundheitliche Probleme haben, wie zum Beispiel Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes.
Wenn wir von den möglichen Mängeln bei der pflanzlichen Ernährung sprechen, müssen wir ein einziges Vitamin ins Feld führen, nämlich B12. Das zu supplementieren, ist ein Muss. Auf gewisse Nährstoffe reicht es hingegen völlig, ein Auge zu haben. Dazu zählen z. B. Eisen, Calcium oder Omega 3. Ich persönlich mache jedes Jahr eine Blutanalyse, wobei bislang keinerlei gravierende Mängel festgestellt wurden. - Vegan zu leben, ist dem Klima zuträglich.
Ein Viertel der Treibhausgase geht auf die Ernährung zurück, davon die Hälfte auf die Tierhaltung. Ungefähr 50 % der weltweiten Landnutzung stehen der Landwirtschaft zur Verfügung, davon fallen wiederum 77 % auf die Fleischindustrie. Dass der Anbau von Soja für die Abholzung der Regenwälder verantwortlich ist, ist eines der beliebtesten Gegenargumente. Hier muss man jedoch berücksichtigen, dass der größte Teil des Sojas als Futtermittel für sogenannte „Nutztiere“ dient. Nur ca. 2 % werden tatsächlich für vegane Bratlinge, Fleischersatzprodukte und Pflanzenmilch verwendet. In Europa sind die Richtlinien streng, denn genverändertes Soja ist zum menschlichen Verzehr nicht zugelassen – als Tierfutter allerdings schon. Demnach geht die Rodung des Regenwaldes hauptsächlich auf das Konto der Tierhaltung. - Vegane Ernährung ist unnatürlich. Ist das so?
Wenn man sich mit der Materie beschäftigt, entdeckt man einige Zutaten in Produkten, die einem eigenartig vorkommen: Milchpulver in unzähligen Fertiggerichten, Gelatine zur Klärung von Fruchtsäften, tierische Bestandteile in Produkten, wo man sie gar nicht vermuten würde. Ich persönlich finde Lebensmittel aus Erbsenprotein und Kokosöl weit appetitlicher als irgendwelche Schlachtabfälle, die zu Wurstwaren verarbeitet werden. - Vegan ist ungesund, werden doch lauter „Ersatzprodukte“ verzehrt.
Fakt ist, dass Fertiggerichte sowohl vom Tier als auch von der Pflanze generell nicht Hauptbestandteil der gesunden Ernährung sein sollten. Da würde ich von einem Gleichgewicht sprechen.
Übrigens sind die Pattys in den von uns allen geliebten Burgern fast immer nur die Trägermasse: Der Geschmack, den wir so mögen, kommt von den Gewürzen und Saucen, völlig egal, ob sie aus Fleisch oder roten Linsen bestehen. Fakt ist, dass bei jeder Art von Ernährung auf Frische, Vollwertigkeit und Abwechslung geachtet und nur ausnahmsweise auf Fertiggerichte zurückgegriffen werden sollte. - Alles zu essen ist unsere natürliche Ernährungsform.
In Wahrheit sind wir darauf seit unserer Kindheit sozialisiert und haben gewisse Geschmäcker lieben gelernt. Heutzutage leben wir hier in Mitteleuropa weder auf der einsamen Insel, auf der wir unser Essen erjagen müssen, noch sind wir auf das angewiesen, was uns die Natur zum aktuellen Zeitpunkt anbietet. Tatsächlich haben wir hier das Glück, jederzeit alle Lebensmittel zu bekommen, die wir zum Leben und zum Kochen benötigen. Nicht allen Leuten ist das vergönnt.
Nein, vegan lebende Menschen sind keine Rebellen, keine Spaßbremsen, kein elitäres oder abgehobenes Volk, sondern haben in erster Linie den Wunsch, eine bessere Welt für die Tiere zu schaffen. In weiterer Folge kann davon der Planet profitieren und letztlich auch wir Menschen, denn wir leben auf ihm. Zudem tut es jedem von uns als Individuum gut, wenn wir weniger tierische Produkte konsumieren. Das ist wissenschaftlich erwiesen und bestimmt haben das auch nicht wenige schon von ihrem Hausarzt gehört.
Wusstest ihr, dass Fleisch, je abstrakter und unkenntlicher es verarbeitet und verpackt ist, sich besser im Supermarkt verkauft, als wenn man das Tier darin noch erkennt? Das haben Studien gezeigt und ich persönlich finde, diesen Gedanken und was er aussagt, kann man ruhig mal ein wenig wirken lassen …

Da es hier um Faktencheck geht, schließe ich mich Anja zur Datensammlung mal an. Ich lebe seit 20 Jahren vegan. Kein Mangel, ärztlich kontrolliert.
Liebe Grüße!
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Lieber Stefan, ich wusste, dass du vegan lebst, aber nicht, wie lange schon. Finde ich richtig toll. 🤗
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Liebe Heidi,
danke für diesen Beitrag. Ich ernähre mich seit über 10 Jahren vegan und bisher hat keine der Blutergebnisse irgendwelche Mängel aufgezeigt. Das einzige was die Analyse immer zeigt ist eine Eisenmangelanämie. Allerdings hatte ich diese schon als Fleischesser.
Und was die Ersatzprodukte angeht- ich greife auf diese wenig zurück. Aber manchmal habe ich Lust auf ein „Steak“ oder „Schnitzel“ und ich bin sehr dankbar dafür, dass es dieses auch vegan gibt. Ich mag es ja, wenn Menschen dann sagen: „Warum musst du ein veganes Steak essen, wenn du gar kein Fleisch essen willst?“ Was viele Menschen leider immer noch nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass die meisten Veganer nicht auf tierische Produkte verzichten, weil sie ihnen nicht schmecken, sondern weil sie das Leid nicht unterstützen wollen. Ich habe früher sehr gerne Fleisch gegessen, doch nachdem ich mich intensiv mit dem Leid beschäftigt habe, war für mich klar, dass ich das nicht mehr vertreten und unterstützen kann/ möchte. Und es fühlt sich gut an manchmal ein veganes Steak zu essen und zu wissen, dass für diesen Genuss kein Tier sterben und leiden musste.
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Danke, liebe Anja. Du sprichst mir aus der Seele. Denn dieser Punkt wird vegan lebenden Menschen ja auch oft abgesprochen: der Genuss. Völlig falsch. Wir zaubern uns die leckersten Gerichte und gönnen uns zwischendurch auch mal ein herzhaftes „Schnitzel“. 😀
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