In meinen „Schlüssellochmomenten“ nehme ich euch auf eine kleine Reise durch die Welt der Fantasie und der atmosphärischen Bilder, die ich durch lyrischen Ausdruck zu malen versuchte, mit. In Auszügen aus Kurzgeschichten, die ich im Laufe der Jahre zu meinem eigenen Vergnügen schrieb, will ich bloß einen flüchtigen Moment des Einblicks gewähren – und euch damit anregen, euren eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen und den Moment weiterzuspinnen …
Als sie einen kurzen Moment für sich hatten, beugte er sich vor zu ihr. Sein Blick war warmherzig, obwohl ihm ein keckes Funkeln innewohnte. .
Er kam näher, sodass sie meinte, sie würden sich jetzt küssen – er jedoch fasste an ihr Ohrläppchen und nahm den oberen der beiden goldenen Stecker sanft zwischen seine Finger. „Du hast ihn noch?“
Ihr war sofort klar, worauf er anspielte.
Der Nachmittag in einem tief verschneiten Bergdorf, als sie sich in jugendlicher Rebellion gemeinsam einen Ohrring stechen ließen, schien ewig weit zurückzuliegen. Möglicherweise sogar in einer Parallelwelt.
Sie nickte und lächelte zurück.
Wie oft hatte ihr dieses kleine Schmuckstück Probleme bereitet, dennoch hielt sie daran fest. Sie hatte es nie lange genug abgelegt, als dass die Narbe hätte zuwachsen können, und so wurde das Herz an ihrem Ohr ein Symbol für ein Band, das vielleicht nur sie selbst spüren und verstehen konnte.
