In meinen „Schlüssellochmomenten“ nehme ich euch auf eine kleine Reise durch die Welt der atmosphärischen Bilder, die ich durch lyrischen Ausdruck zu malen versuchte, mit. In Auszügen aus Kurzgeschichten, die ich im Laufe der Jahre zu meinem eigenen Vergnügen schrieb, will ich bloß einen flüchtigen Moment des Einblicks gewähren – und euch damit anregen, euren eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen und den Moment weiterzuspinnen …
Die Welt des Theaters eroberte ihr Herz, als sie ungefähr neun Jahre alt war.
Kostüme. Schminke. Bunte Lichter. Ballerinas. Schauspiel. Gesang und Musik.
Ihr Leben lang würde sie sich an den Augenblick erinnern, als sie vor dem Fernseher saß und mit staunenden Augen Mozarts Zauberflöte in einer Inszenierung für Kinder verfolgte.
Wie gebannt fieberte sie mit, verliebte sich ein bisschen in den freien, wilden, aber gutherzigen Papageno, wollte ein bisschen wie sein Vogelmädchen sein. Die Löwen und die Königin der Nacht flößten ihr Respekt ein.
Es war die Musik. Vor allem anderen war es sie, die etwas in ihr berührte.
In dieser Minute begriff sie zum ersten Mal, dass Töne, gesungen oder gespielt, Menschen berühren konnten, sie ein Mittel waren, um zu lachen, zu weinen und unvergessliche Momente zu erschaffen.
Von diesem Zeitpunkt an waren kaum ein Musical oder ähnliche musikalische Inszenierungen vor ihr sicher.
Das Umfeld schmunzelte, wenn sie, anstatt wie andere Kinder draußen zu toben oder mit Puppen zu spielen, aus Strumpfhosen Requisiten flocht und sich das Gesicht abenteuerlich schminkte. Ihre Freundinnen wurden angehalten, einfach mitzumachen und über Sofas und Sessel zu tanzen.
Ihr größter Wunsch war gewesen, selbst eines Tages eine Ballett- oder Schauspielschule zu besuchen, diverse Umstände ließen das jedoch nicht zu.
Die Liebe zur illusorischen und glitzernden Welt des Theaters aber behielt sie im Herzen.
