Gedankensplitter

Tiere

Ich habe eine ganz besondere Gefährtin, und das ist meine Hündin. Sie hat bereits das stolze Alter von 16 Jahren erreicht, wir können auf fast zwei Jahrzehnte gemeinsamen Lebensweg zurück blicken.
Tag für Tag begleitet sie mich, sie ist das erste Wesen, das mir jenseits der Schlafzimmertür begegnet, um mit mir den Morgen willkommen zu heißen. Morgenmuffeligkeit ist ihr fremd, sie drängt in den neuen Tag, will alle Neuigkeiten erschnuppern, jetzt schon ein wenig langsamer und bedächtiger, trotzdem mit ungebrochener Lebensfreude.
Wenn ich traurig bin, dann legt sie ihre Schnauze irgendwo auf mich drauf, blickt mich aus weisen Augen an und sagt mir durch sie: „Hey, ich bin da, nichts kann so schlimm sein, dass ichs nicht richten kann mit ein paar nassen Hundeküssen.“ Und mein Herz geht einen Kilometer weit auf.

Tiere sind für mich der Inbegriff der reinen Seele, der Unschuld und der Anmut. Und damit meine ich alle, nicht nur kuschelige Haustiere. Der Blick eines wilden Tieres, wenn er dich trifft, das muss abseits der Angst, die man wahrscheinlich fühlt, ein erhabenes Gefühl sondergleichen auslösen.
Jane Goodall hat ihr Leben unter anderem den Menschenaffen und deren Rettung verschrieben. Ich kam einmal zufällig via TV in einen Moment, in dem einer ihrer Schützlinge ausgewildert wurde. Ich habe den Atem angehalten, als dieser Gorilla am Rande des Dschungels noch einmal kehrt machte, auf Jane zuging und sie umarmte. Ja, richtig umarmte. Und dann wieder im Dickicht verschwand. Der kitschigste Liebesfilm aller Zeiten hätte mich nicht so zu Tränen rühren können wie dieser Anblick.

Es kam mir so menschlich vor, aber im gleichen Atemzug zögerte ich, mir „MENSCHLICH“ zu denken. Ist es nicht genau das, was Tiere so anmutig macht, weil sie soviele menschliche Eigenschaften gar nicht kennen?
Oja, die kleinen Racker können manipulieren und schauspielern, und sie können einen um den Finger wickeln, völlig wehrlos machen. Sie haben einen eigenen Kopf und einen starken Willen. Den wir Menschen ihnen allzu gerne und oft brechen. Manchmal beginnt das schon beim Drill in der Hundeschule. Ich bin absolut dafür, dass man einen Hund dahingehend erzieht, dass er sich als sozial verträglich erweist. Aber muss man ihn dressieren, ja gar überfordern? Erst unlängst hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem Tiertrainer aus dem Tierschutzhaus, er meinte, heutzutage haben Hunde schon ein ähnlich dichtes Programm wie Kinder, um sie zu FORDERN, zu optimieren. Das sehe er kritisch. Und ich muss sagen, ich ebenso. Aber zurück zum Begriff „MENSCHLICH“.
Niemals würde ein Tier Rache an uns nehmen, uns schaden wollen oder Intrigen spinnen. Sie machen alles mit Charme und unwiderstehlicher Eleganz. Sie lieben den Herrn, der sie schlägt, immer noch bedingungslos. Das bricht mir fast das Herz. Machtstreben, Korruption und Egomanie ist ihnen völlig fremd.
Tiere werden vor dem Gesetz als SACHE geführt. Wenn du ein Reh über den Haufen fährst, ist das ein Sachschaden. Schreit das nicht zum Himmel? Menschen, die solche Gesetze beschließen, gehören eigentlich vor das Gesetz gestellt.

Es stimmt, dass die Natur einen erdet, die Pflanzenwelt, schöne Landschaften. Aber schau in die sanften Augen eines Gorillas. Der so wild wirkt, so unnahbar. Du wirst das ganze Universum darin erblicken, und deine Seele wird einfach ertrinken. Beobachte ein tolpatschiges Elefantenbaby und sei entzückt. Lass dich beeindrucken von der Emsigkeit von Bienen, die in einem blühenden Baum schwirren und dein Herz berühren von einem Frosch, der um sein Leben, Pardon, seine Liebste quakt. Bewundere Schmetterlinge beim Flug, achte die Raupe, die zu deinen Füßen kriecht, und sei nicht so hochnäsig und mörderisch zu den angeblichen Parasiten in deinem Garten.
Tiere töten uns auch nicht, nur weil wir mit den Autos durch ihren (!) Lebensraum knattern , sie uns vielleicht gerne essen wollen und wir IHREN großen Garten zerstören.
Nicht einmal Kinder haben diese Unschuld, vielleicht in den ersten Jahren, aber sobald sie im Kindergarten sind, sind auch sie bereits zu kleinen Ränkespielen fähig. Sie lernen leider ziemlich schnell von uns, wie man ausgrenzt, wie man selbstverständlich Dinge fordert und man Menschen zum Vorteil manipulieren kann. Kinder können sehr grausam sein zu anderen Kindern, Mobbing beginnt schon in der Volksschule. Sie sind eben auch Menschen, wenn auch noch kleine.
Das Tier gewöhnt sich solche Unarten nie an.

Holt Tiere in euer Leben, sie machen es bunt und reich, die Haare werden schon nicht eure wertvolle Couch verdrecken. Lernt von ihnen, was es heißt, dem Leben pur und in guter Absicht zu begegnen und sie senken euren Blutdruck verlässlicher als Tabletten.

Viele Menschen sind schwer beeindruckt, wenn sie Prominente oder Politiker treffen und ihnen die Hand schütteln dürfen, für einen Augenblick fühlen sie sich dann superwichtig.
Für den Augenblick, in dem ich die Hand eines Schimpansen einmal würde ergreifen dürfen oder spüren, wie er meine nimmt, würde ich viel geben.

Und ich hoffe, dass meine Hündin, von der ich sage, sie ist mein Hund, von mir denkt, ich sei ihr Mensch.

9 Kommentare zu „Tiere

  1. Diese bedingungslose Liebe war für mich schon immer was einzigartiges und wunderbares. Wirklich sehr schöne Worte von dir, die viele Leute lesen sollten.
    Liebe grüße an die süße Trantanura!!! 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Was hat es nur damit auf sich, mit Tier und Mensch? Ob es irgend jemanden gibt, der darüber nicht irgendwann einmal nachdenkt? Meinem Bemühen hat sich bisher keine Antwort ergeben.
    Nun lese ich Deinen wunderbaren Text, fühle die lautere Wahrheit und kann es nicht erklären.
    Und mit einem Mal wird es mir klar!
    Der Versuch, den Unterschied zwischen Tier und Mensch zu erklären, dient genau dem (Un-)Geist, den das Tier nicht hat.
    Nicht die Vernunft, die Liebe hat die Antwort. Und was sagt die Liebe?
    Es ist, was es ist.
    LG Michael

    Gefällt 3 Personen

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