Gedankensplitter

Entscheidungen und andere Unannehmlichkeiten

Ich persönlich mag Entscheidungen so gar nicht. Warum müssen wir uns im Leben andauernd entscheiden? Man muss sich in jungen Jahren entscheiden, welchen Beruf man ergreifen wird – weiß da irgend jemand, was er über vierzig Jahre lang tagtäglich machen will? Wir müssen uns entscheiden, wo wir leben wollen, Stadt oder Land, Wohnung oder Haus, wir müssen uns für den hoffentlich richtigen Partner entscheiden. Wollen wir Kinder in die Welt setzen oder schaffen wir uns ein Haustier an? Tragen wir die Haare kurz oder lang, blond oder kupferfarben, welches der abertausenden Freizeitangebote ist UNSER Hobby? Lesen wir lieber Bücher oder Zeitschriften oder gar nichts?
Ich gestehe, ich konnte mich manchmal nicht einmal zwischen zwei T-Shirts entscheiden und habe letztendlich beide gekauft, so konnte ich nichts falsch machen. Das sind ja noch die einfachen Übungen.

Nun gibt es aber auch Lebenslagen, da ist das nicht so einfach, sich für gar nichts oder beides zu entscheiden. Essentielle Dinge, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Die finde ich besonders belastend. So etwas kann mich tagelang beschäftigen, diese innere Zerrissenheit ist ermüdend, und kaum scheint man endlich auf einer Seite gelandet zu sein, hat die Gegenseite das nächste Totschlagargument. Gerne erledigen das auch die beiden Stimmen im Kopf, das Engelchen oder Teufelchen in einem drin, Ratio versus Emotion, Angst gegen Klarheit. Da scheint es keinen Sieger zu geben, und nach einiger Zeit will man sich nur mehr ein Kissen über den Kopf ziehen und kein Wort mehr hören.
Gerne zieht man dann auch Informationsquellen von außen zu Rate, fragt Freunde, Fachbücher, das Internet, hört klugen Menschen zu, dazwischen plärren die Stimmen derer rein, die sich selbst zu Experten erheben. Die eigene Quelle der Weisheit ist man dann gar nicht mehr imstande anzuzapfen, wie denn bei all dem Lärm?
Andere pendeln dann, legen Karten, fragen das Horoskop oder die Wahrsagerin ihres Vertrauens. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Entscheidungen zu forcieren.

Aktueller denn je bei der zur Zeit allgegegenwärtigen Frage: Impfung oder Vertrauen ins Leben, dass es schon nicht so schlimm kommen wird?

Ich würde mich hüten, da Ratschläge zu verteilen, zu missionieren oder zu beeinflussen. Das fällt für mich in die Kategorie der Themen, die jeder wirklich für sich selbst entscheiden muss. Ein Kabarettist meinte unlängst: „Wir haben alle Meinungen, aber keine Ahnung.“ Das war mit das Beste, was ich seit Anbeginn der Pandemie gehört habe.
NIEMAND weiß etwas über die Entwicklungen und Langzeitfolgen der Erkrankung, NIEMAND weiß, ob und welche Langzeitfolgen eine Impfung hat. Wie immer haben wir nur den Augenblick, die Gegenwart, in der wir agieren und reagieren müssen und das Vertrauen leben, dass es so richtig ist.
Ich gebe nur zu bedenken, dass es Dinge gibt, wo man den intellektuellen Teil des Gehirns einschalten muss und vermeiden, dass man aus Angst, Vermeidung und Absicherung agiert. Wo es gefragt ist, klar zu sein, eine Entscheidung zu treffen und ab dann dazu zu stehen. Den Lärm von außen abschalten, einen imaginären Schutzmantel anziehen und jede weitere Information daran abprallen lassen. Mein Mantel hat übrigens lauter bunte Blumen drauf, er leistet gute Dienste, wenn ich ihn brauche.
Schaut euch auch immer genau an, aus welcher Ecke die ganzen Expertisen kommen, sind die Überbringer in ihrer Klarheit oder permanent empört/echauffiert, was sind deren Geschichten und Muster, wie leben sie aktuell, vebreiten sie Angst und Schrecken oder strahlen sie Ruhe aus? Gibt es einen persönlichen oder größeren Vorteil für die eine oder andere Positionierung? Niemals gab es je soviele „Experten“ auf dem Gebiet wie in den letzten Monaten. Nicht vergessen, alle haben bloß eine Meinung, aber keine Ahnung!

Zieht euch, wenn ihr eine weitreichende Entscheidung zu treffen habt, in euch zurück, an euren ganz persönlichen Platz, wo weder Angst, noch Überschwang und schon gar keine Manipulation von außen Platz hat. Ich bin sicher, da findet ihr das, was für euch richtig ist. Dann noch eine Prise Vertrauen dazu, ein wenig Mut, Gewissheit, dass die Dinge passieren, wie sie sollen, Humor, der hilft auch.
Und vor allem vergesst nicht: keine Entscheidung zu treffen kann dazu führen, dass das Leben eine trifft! Die den meisten von uns dann oft gar nicht passt, obwohl das Leben eigentlich ziemlich gescheit ist, was das angeht…

Ich habe meine Entscheidung zu diesem Thema getroffen und nehme mir die Freiheit, heute nicht zu verraten, welche. Einerseits will ich nicht als wissende Ratgeberin auftauchen, aber mehr noch will ich meine ganz persönliche, inzwischen richtig lieb gewonnene Entscheidung schützen. 🙂

9 Kommentare zu „Entscheidungen und andere Unannehmlichkeiten

  1. Diese Diskussion gefällt mir, weil sie zeigt, wie unsinnig es ist, mit seiner Vergangenheit zu hadern, und wie wichtig es ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – mit all seinen Entscheidungen.

    Wenn ihr mal ein richtig gutes Buch zu diesen Thema lesen wollt, empfehle ich dieses:

    „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig

    Hier der Klappentext:

    Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist? Matt Haig ist ein zauberhafter Roman darüber gelungen, dass uns all die Entscheidungen, die wir bereuen, doch erst zu dem Menschen machen, der wir sind. Eine Hymne auf das Leben – auch auf das, das zwickt, das uns verzweifeln lässt und das doch das einzige ist, das zu uns gehört.

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    1. Das stimmt, natürlich gibt es falsche Entscheidungen, aber danach geht das Leben auf neuen Wegen weiter und bietet jede Menge Platz für neue Entscheidungen, die richtig sind. Entscheidungen sind ja nichts anderes als Weggabelungen auf unserem Weg.

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  2. Hallo Heidi

    Gratulation erst mal zur Entscheidung.

    Wichtig ist doch einzig, das man eine trifft.
    Wie viele Menschen gehen durchs Leben und ihnen fehlt der Mut sich zu entscheiden.

    Ich, als normal sensiebler Mensch konnte es in jungen Jahren nicht erwarten über mein Leben selbst zu Entscheidungen zu treffen.

    Mit 18 Jahren sagte ich meiner Mutter, jetzt kann ich alles selbst bestimmen.
    Sie sah das damals anders, Eines gab das Andere und ich war schon unterwegs nach Wien mir mein erstes Tattoo stechen zu lassen.
    Zum Glück und entgegen ihre Ankündigung, durfte ich trotzdem noch weiter zu Hause wohnen.

    Mein Tattoo Meister hätte vor einiger Zeit gerne ein Cover up darüber gestochen, doch es ist mir quasi ans Herz gewachsen und wir haben es „nur“ aufgepeppt.

    Es war nie perfekt, erinnert mich aber immer daran wie schön es ist, für mich selbst entscheiden zu können und zu dürfen.

    Mfg Riff Raff

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    1. In der Tat, so ist es! Wichtig ist, dass man ÜBERHAUPT eine trifft..weil es eben sonst andere und das Leben tun. Aber dann muss man dazu stehen, dass es eben so war, man selbst es nicht konnte/wollte, was auch immer…und sollte die nächste Entscheidung, die ansteht, als neue Chance sehen und nutzen….wir treffen jeden Tag welche und Entscheidungen gestalten unser Leben, große wie kleine!

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  3. Wichtig ist, dass deine Entscheidungen für DICH richtig sind.
    Auch wenn andere anders denken….
    Ich persönlich hab die Begabung oft die falsche Entscheidung zu treffen. Zumindest war EINE ganz schlimm!

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    1. Das ist essentiell wichtig für JEDEN Menschen. Entscheidungen muss man immer für sich treffen, nur für die sind wir zuständig. Und vor allem aus immer den richtigen Gründen, nicht, um etwas aufrecht zu erhalten bzw zu verhindern. Authentizität ist das Wort dafür, dann können sie nicht falsch sein.

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