Berühmte Menschen aus Kunst, Film, Musik, Schriftstellerei...

David Bowie

Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die inspirieren einen weniger durch ihr Werk, als durch ihre Persönlichkeit. David Bowie ist so einer für mich. Obwohl einige seiner Lieder zu meinen All-time-Favoriten gehören, vor allem die aus den späten 70ern und 80ern, (sein spätes Musikschaffen muss man eher verstehen, denn hören) so war es doch immer eher der Mann und Mensch David Bowie, der mich faszinierte.
Kann eine ikonische Popfigur, ein Kunstwerk seines Kalibers manches mit einer hochsensiblen Therapeutin und Schreiberin gemeinsam haben, sodass man sich davon tief berührt fühlt?
Ja, sie kann.

David Bowie beschrieb sich selbst als scheuen Menschen, der lieber für sich war als unter vielen Menschen. Diese Schüchternheit wurde noch schlimmer auf der Bühne, vor Massen, wenn er sich präsentieren musste. Um dem zu entkommen, beziehungsweise um sich vor Publikum und Menschen wohler zu fühlen, sicherer, erschuf er Rollen. Die später zu Klassikern der Popkultur werden würden. Er färbte sich die blonden Haare orange, malte sich Sterne und Zackenlinien ins Gesicht und schlüpfte in Kostüme wie für eine Aliensmottoparty – Ziggy Stardust war geboren. Das Idol einer ganzen Generation.
Über „Major Tom“ sagte er eimmal, dass er es zwar faszinierend fände, er selbst aber nicht auf Idee käme, ins Weltall zu fliegen, ihm würde schon Angst machen, ans Ende seines Gartens zu gehen. Major Tom war für ihn wie ein Talisman, der Weltraum stand für Freiheit, die Abenteuer durften seine Phantasiewesen für ihn erleben und bestehen, und er sah ihnen dabei zu.
Kann ich verstehen, ein Teil meines Lebens spielt im Kopfkino, und dort ist er auch gut aufgehoben, man muss nicht alles ausprobieren und real erleben, nur um des Kicks willen. Die Wirklichkeit kann dem sowieso meistens nicht gerecht werden.

In keinem Jahrzehnt wurde der Rock´n´Roll Lifestyle wohl exzessiver gelebt als in den 1970er Jahren. Sex, Drugs and Music, davon wurden alle mitgerissen. David Bowie sagte später, dass sein Leben sehr erfüllt und glücklich war – bis auf diese Jahre, den Drogenkonsum bezeichnete er als „die verschwendete Zeit seines Lebens“, von der er in den Jahren danach, die er in Berlin verbrachte, Abstand nahm. Berlin war für ihn Freiheit, Distanz zum Rockstarleben, der Sucht, Selbstfindung.
Weil ich selbst nie Drogen nahm, mir dafür schlicht die Neugier fehlte, weil ich nie verstehen konnte, warum man die besten Dinge nicht bei klarer Sicht erleben will, deshalb beeindruckte mich diese souveräne Abgrenzung Bowies zu dieser Zeit. Damit teilte er meine Einstellung, dass jeder Augenblick unseres Lebens, den wir nicht in absoluter Klarheit und natürlich entstandener Euphorie oder Trauer verbracht haben, ein verlorener ist.
Seine Liebe zu Berlin zeigt sich in seinem Gastauftritt im damals erschienenen Kultfilm „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. So trostlos und verstörend der Film ist, die Szene, wo die Kids zu „Heroes“ laufen und laufen und laufen, die schrieb Kinogeschichte. Hier zeigt sich das Gefühl der Unbesiegbarkeit in der Jugend, und „Heroes“ war ihre Hymne. Unsere übrigens auch, auch wenn wir uns dazu nur in der Dorfdisco die Füße wund tanzten. Berlin findet sich in einem seiner letzten Songs „Where are you now“ wieder, wo er bekannte Plätze wie den Potsdamer Platz, die Nürnberger Straße, das KaDeWe besingt. Ein melancholisches, fast traurig anmutendes Lied.

Über das Leben als Popstar meinte er, dass Ruhm Hohlheit in den Menschen erzeuge. Ein Rockstar zu sein sei angenehm, wenn du einen Platz im lange ausgebuchten Restaurant haben willst oder backstage alle Konzerte besuchen kannst, ansonsten habe es sich für ihn grässlich angefühlt, „wie das Leben in einer luxuriösen Psychiatrie“.
Er war der Ansicht, dass zuviel Popularität dem Menschen seine Tiefe raube. Man verkauft sich und verbiegt sich, Zitat:
„Ich halte es für sehr gefährlich, wenn ein Künstler die Erwartungen anderer Menschen erfüllen will“. Er sagte über sich, dass er immer gut war, wenn er für sich selbst schrieb und selten, wenn er es für andere und den Applaus tat.
Hat er damit nicht recht, wenn wir, die wir etwas erschaffen, egal ob handwerklich, schreiberisch, musikalisch oder malerisch, in uns hinein hören?

Seine größte Muse, sein Ruhepol, seine Herzensheimat und Lebensliebe war seine Frau Iman. Die erdete ihn und gab der ewig suchenden Seele ein Zuhause. Und Bowie hat das Geschenk des Lebens an ihn erkannt. Die Liebe zu ihr hat ihn immunisiert gegen die Maßlosigkeit, die ständigen Außenreize, den Umtrieb und die Ruhelosigkeit. Ich sah erst vor ein paar Tagen ein Interview von ihr, in dem sie ihre Kette zeigte, die den Schriftzug „David“ enthält und sie darüber sagt, dass sie diese bis zu ihrem Tod nicht wieder abnehmen würde, nie wieder heiraten würde, denn er war ihre Lebensliebe. Wie schön, wenn Menschen solch ein Geschenk erkennen, und die bricht selbst der Tod nicht. Wer Liebe lebt, ist unsterblich, und dieses Wissen gibt Gelassenheit.
David und Iman wurden einander vorgestellt, verkuppelt sozusagen. Und haben die Besonderheit dieses Moments von Tag eins an gesehen. Eine Musikerin, die ihn auf einer seiner letzten Tourneen begleitete, bevor er sich zurückzog für seine Frau und die Familie, erzählte, dass er so gut aussah wie nie zuvor. Besser noch als in jungen Jahren, und sie konnte nicht an sich halten und sagte ihm dies. David antwortete ihr, als sei es die einzig selbstverständliche Erklärung: „Ich bin glücklich verheiratet.“
Iman und David waren schon immer eines der größten Powerpaare für mich. Wenn uns die Liebe auch nur für einen Augenblick lang streift, „dann sind wir Helden, nur für einen Tag“ ….

Und dann hätten wir da noch das Musical! Mein viel geliebtes Musical. DANKE David, dass du allen Herabschauern, Naserümpfern und vermeintlich Kunstsinnigen die lange Nase gezeigt hast, du Ausbund an Coolness, Kunst und Attitüde und gemeint hast, du wolltest schon mit 17, 18 ein Musical schreiben, da du es für das Größte hältst. Dafür liebe ich dich!
Es sollte aber noch eine Weile dauern, bis „Lazarus“ das Licht der Welt erblickte, tatsächlich fand die Premiere Ende 2015 statt, wo Bowie, schon schwer krebskrank, persönlich den Proben beiwohnte und auch der Uraufführung. Darin verarbeitete er den Stoff, der ihn ein Leben lang umtrieb: das Thema von „Der Mann, der vom Himmel fiel“. Er gab denen eine Geschichte und ein Gesicht, die „Aliens“ sind auf dieser Welt, anders, die zwar auf der Erde wandeln, aber verloren sind, heimatlos. Sich nirgends zugehörig fühlen. David weigerte sich erst, seinen größten Erfolg „Heroes“ mit in das Stück zu nehmen, konnte aber (Gott sei Dank!) überredet werden, ihn am Ende in einer sehr melancholisch/zarten Interpretation zu verewigen. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich das Lied in der Form zum ersten Mal hörte. Es spiegelte meine zwei Seiten: die, bei der ich mir damals die Seele aus dem Leib tanzte und jene, die mich manchmal still hinhören lässt auf die leisen Töne des Lebens.

Ein witziges Detail zu Bowies Musicalaffinität: seine ursprüngliche Idee war es, „1984“ als Musical zu verarbeiten. Da stellte sich aber die zweite Mrs. Orwell quer, die da meinte, „dass sich diese Rock´n´Roll Typen sicher nicht am Werk ihres Mannes vergreifen würden.“

„Lazarus“ war auch ein Lied, eines der letzten Videos von David Bowie, wo er bereits wusste, dass die Krankheit gesiegt hatte und alle Behandlungen abgebrochen wurden, im Jänner 2016 erschien sein letztes Album „Blackstar“, nach dessen Veröffentlichung er drei Tage später starb.

Ich habe David Bowie einmal live erlebt. Eingeklemmt zwischen Menschen ziemlich vorne an der Bühne. Ein Umstand, der mir schwer zusetzt, halte ich mich doch normalerweise von Ansammlungen jeder Art fern, weil ich mich davon erdrückt fühle. Jedoch hier konnte ich die Augen nicht abwenden, nahm er mich gefangen, schaute ich ihm mehr zu als dass ich ihn hörte. Die Setlist könnte ich nicht mehr aufsagen, ihn, seine Aura, seine Bewegungen und was er ausstrahlte, habe ich fotografisch abgespeichert.

David, der Mann. Optisch betörend, der kühne Haarschwung, die zweifärbigen Augen, die androgyne Statur, Ausstrahlung wie ein Elf. Er wirkte wie nicht von dieser Welt, ein Starpeople. Seinen nicht plakativen Sexappeal hat er selbst perfekt zusammengefasst: „Ich bin ein geborener Bibliothekar mit einem Sexualtrieb.“
Sein Humor? Auf die Frage, was er denn gern als sein Vermächtnis sähe, antwortete er, dass die Menschen über ihn sagen werden, er habe großartige Frisuren getragen.

David, einzigartiger Sternenwanderer – Hero.

Textquelle: David Bowie – die letzten 5 Jahre, Dokumentarfilm 2017 von Francis Whately

Fotoquelle: Kraft/Archivbild/imago images


2 Kommentare zu „David Bowie

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