Buchtipp: „Zeit für Weiblichkeit“

Zum heutigen Valentinstag möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, das ich von einer tollen Frau, meiner Vertrauensärztin für alle Belange, empfohlen bekommen habe und das ich selber bereits mehrfach weitergereicht habe. Meine Ärztin meinte, das sei Friedensarbeit, diese Kette weiter zu führen, und das gefällt mir besonders gut. Obwohl das Buch an die Frauen adressiert ist, finde ich, dass jeder Mann es ebenso lesen sollte. Ihm könnten auch Augen und Herz aufgehen dabei. Das halte ich für nachhaltigere Emanzipation als aggressiven Feminismus. Wir müssen einander die Hand reichen, nicht durch polemische Slogans die Gräben immer weiter aufreissen.

Nein, es geht nicht um das Kamasutra, auch nicht um Sexualpraktiken und schon gar nicht um das Aufpeppen der Sexualität. Lasst euch vom Titel des Buches nicht in die Irre führen: hier ist am allerwenigsten der Orgasmus das Ziel, oder sagen wir so: die Autorin meint damit den allumfassenden, seelisch-ekstatischen Zustand einer Frau.

Wir sind so zugemüllt mit einer völlig tabulosen Erotik, mit irrationalen Pornobildern, die uns Normalität vorgaukeln, es gibt kein Mysterium mehr. Jeder scheint allzeit bereit für die nächste heiße Nummer.
Ich habe gelesen, dass die jungen Menschen sich wieder nach einem Konservatismus sehnen, wie wir ihn im Biedermeier kannten, und ich kann es zu einem Teil verstehen. Wir sind übersättigt von Nacktheit. Dabei stumpfen wir ab und vergessen die Sinnlichkeit eines angedeuteten Handkusses.
Hand aufs Herz – wer von uns kuschelt noch stundenlang, ohne Erwartung, dass es im Bett endet? Wer begegnet sich noch in der Unschuld, als wären wir Teeanger? Die Gegenbewegung ist die Kirche, die uns Sexualität, und das noch vielleicht außerhalb der Ehe, als verwerflich und sündig verkaufen will, das ist ja fast noch schlimmer.
Sexualität ist die heilige, körperliche Ergänzung zur seelischen, universellen Liebe. Sie ist weder Sünde, noch ein Produkt, mit dem eine boomende Industrie die Leute anfixt, um noch mehr Geld zu scheffeln. Unsere Körper sind weise, und jede Lustlosigkeit ist nur das Produkt eines seelischen Schmerzes, nicht eines nicht funktionierenden Organs. Und ein NEIN ist ein NEIN und darf zu keinem Trotzverhalten oder noch schlimmerem führen. Der Körper weiß oft mehr, als uns bewusst ist.

Wir folgen starren Mustern seit Jahrhunderten – und nein, ich stelle weder Männer noch Frauen vor ein Urteil, wir sind alle Opfer dessen, was uns jahrelang von einer geldgeleiteten Industrie und Resten des Patriarchats eingeimpft wurde.

Das macht uns als Menschen und unsere Sexualorgane taub, unempfindlich, verhärtet. Es ist eine Frage der Zeit, bis dann Lustlosigkeit und Pflichtgefühl eintreten, Männer fürchten sich vor Impotenz und Frauen wird Frigidität vorgeworfen. Das sind alles Folgen eines fehlgeleiteten körperlichen Ausdrucks von Zuneigung zwischen zwei Menschen.
Uns Frauen wird dann erzählt, dass es normal ist, innerhalb unserer Vagina, unserem heiligsten Inneren, halt weniger Lust zu empfinden, dass das den meisten Frauen so geht. Also nicht grämen, wenn du „innen rum“ nichts fühlst, du bist in Ordnung, so wie du bist! Wie schlimm! Natürlich, wenn man dem schnellen Höhepunkt, einem sekundenlangen Gipfel hinterher jagt, mag das stimmen. Und nein, wir sind nicht unempfindlich, weil wir unsere weiblichen Organe nur zum Kinder gebären bekommen haben und uns Lust ja gar nicht zusteht. Wir WERDEN unsensibler und deshalb desinteressierter, weil die Vagina unser seelisches, weibliches Epizentrum ist, das ALLE Traumen, jede seelische Verletzung und jeden einzelnen Schmerz als Gefäß speichert. Und sich dann mit Härte und Unnahbarkeit schützt. Eine völlig normale Reaktion.

Wunden in der weiblichen Kollektivseele gibts genug. Vergewaltigungen, das Degradieren zum Lustobjekt, die hohe Erwartung als funktionierende Gebärerinnen in diversen Kulturen, und die nicht zu unterschätzende Erwartung vieler Männer, sie möge ihre Pflichten im ehelichen Bett erfüllen. Ihr Nein ist Zurückweisung, Kränkung des Egos, und dann ist schnell der Stempel da: FRIGIDE.
Auch aus Männern macht diese gängige Verwahrlosung der Sexualität Opfer. Sie müssen performen, abliefern, man verabreicht ihnen kleine, blaue Pillen für stundenlange Potenz, und wehe, sie bringen nicht Leistung, dann sind sie schlechte Liebhaber. Ganz zu schweigen, dass es unter ihnen Druck wegen ihrer „Ausstattung“ im Schritt gibt. Nichts beschäftigt eine Frau weniger als das.

Was richten wir bloß aneinander an? Dabei könnte es wirklich die „schönste Sache der Welt“ sein.
Wir müssen uns erst einmal weitab der Sexualität, der Jagd nach dem ultimativem Höhepunkt, der ausgefallensten Praktik wieder finden. Der absolute Tiefpunkt ist ja, wenn man bereits so weit entfernt voneinander ist, dass man das Netz durchwühlt, um noch mehr Kicks zu finden, um es nicht gar so langweilig miteinander zu haben.
Wenn zwei sich lieben, wird weder die Frau den tollen Hengst im Bett als Voraussetzung für Glück empfinden, noch sie sich in wurstenge Outfits zwängen müssen, die Beine und Brüste freilegen. Diese Dinge sind schnöde Oberflächlichkeiten, die unnötig von unserer Gesellschaft hochstilisiert werden. Ich habe mit einigen Männern und Frauen in meinem Freundeskreis darüber gesprochen, die das Verhüllte, das Geheimnisvolle, das etwas Verborgene und Distanzierte weit reizvoller fanden. Kann man nachvollziehen bei diesem Überfluß, der uns stopft.

Wir sollten uns auf der Seelenebene begegnen, wir könnten einander beste Freunde werden, ein Team, das die Anforderungen des Alltags wuppt. Wie schön und erfüllend wäre es, würde der Umgangston ein liebevoller, achtsamer, respektvoller sein? Daraus wird sich Erotik schneller ergeben als durch irgendwelche Filmchen oder den Besuch einer Erotikmesse. Wir müssen das wahre Wesen der Liebe entdecken und es vor allem nicht mit Begehren, Lust und schneller Befriedigung verwechseln. Wir haben das in den letzten Jahrzehnten völlig überbewertet, kennen nur noch das Ziel. Zwei Liebende sind mehr als das Paar, das schon im Hausflur übereinander herfällt. Das hat keine Aussagekraft. Ja, über momentanes Begehren vielleicht.

Der Weg zu- und miteinander ist das, worauf wir unser Augenmerk richten wollen, vergesst die Jagd nach Höhepunkten, egal, ob durch Sex, Shoppingexzessen, Drogen oder Gefallsucht auf dem nächsten Insta-Pic. Was sich ergibt, ist toll und was nicht, keine Tragik. Weg von allen Erwartungen.

Lasst uns unsere kindliche Unschuld wieder entdecken, einander entdecken, alles mal in den Slow Motion Modus runterfahren.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Tag der Liebe, geschätzte Leser*innen! Ihr seid wunderbare Wesen, gesegnet mit einem weisen Körper, sorgt gut für ihn, auf jeder Ebene – das ist gelebte Liebe, mehr wert als Pralinen und Herzkärtchen.



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