Powerduo Geist&Körper

Die Psychosomatik ist ja vielen ein Begriff. Man bezeichnet damit körperliche Reaktionen des Körpers auf seelische Befindlichkeiten. Anfangs eine kleine Nische in der Medizin, gewinnt sie immer mehr an Bedeutung, vor allem bei Wirbelsäulenbeschwerden, Reizdarm, Hautproblemen, Autoimmunerkrankungen, ja sogar bei Krebs. Mittlerweile gibt es sogar eigene Ambulanzbereiche für psychosomatische Erkrankungen. Jedem Arzt oder Therapeuten ist das klar, einfach, weil man mit der Zeit die Geschichten der Menschen erfährt und sich klare Muster abzeichnen. Geist beherrscht den Körper, das habe ich einmal in einer Fernseh(arzt)serie gehört, und zum Teil gebe ich dem recht. Aber aktuell habe ich meine Erfahrungen erweitert und denke nicht mehr nur an eine Einbahnstraße.

Die umgekehrte Version verdient auf jeden Fall Beachtung: mit dem Körper lässt sich die Psyche beeinflussen. Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, ruft bestimmt jeder: ist doch sonnenklar, aber wie so oft liegt das Nächste zuerst einmal verdeckt vor uns.

Ich arbeite als Therapeutin mit den Körpern der Menschen, aktiv wie passiv. Wie oft konnte ich beobachten, dass, wenn man das Fazsiensystem behandelt, die Leute wohl von der körperlichen Wohltat sprachen, jedoch auch anmerkten, dass sie sich wach, aktiver fühlten, besser schliefen, sich tiefer entspannen konnten. Sie hatten das Gefühl, sich mehr auf sich selbst zu fokussieren, den Blick einmal vom Außen mit all seinen Reizen abzuwenden. Den gleichen Effekt hat es, wenn man ihnen für sie maßgeschneiderte Übungsprogramme anbietet, jeder ist indivuduell, es gibt keine allgemeingültige Abfolge.

Wenn wir von Depression, Burn Out, bipolaren Störungen usw sprechen, denken wir zu Recht vorerst an eine psychologisch/psychiatrische Behandlung, und schwere diagnostische Erscheinungsformen machen dies auch notwendig!

Aber halten wir den Ball flacher und bleiben bei den seelischen Befindlichkeiten, die uns durch Alltagstress, Krisen, Beziehungs- oder Jobprobleme und aktuell auch Pandemien begleiten können. Nicht immer sollte man sofort zu Pillen greifen, um ein Schlafproblem zu lösen oder sich selbstbewusster für die Anforderungen des Lebens zu fühlen. Wir haben den besten Verbündeten, den wir uns vorstellen können: unseren Körper! Er zeigt uns durch ein ausgeklügeltes System in Form von Schmerzen, Unwohlsein, im schlimmsten Fall ernsthaften Erkrankungen, wenn wir gegen ihn und deshalb gegen uns selbst arbeiten. Würden wir die Stoppschilder, die er uns hoch hält, nicht so oft ignorieren, hätten wir den besten Arzt und Diagnostiker an unserer Seite. Vor kurzem unterhielt ich mich mit meinem Arzt, wir sprachen über das Reizdarmsyndrom und er meinte, das sei sehr schwierig und komplex zu behandeln, da die Ursachen oft nicht im Organischen liegen, und er den Patienten für den besten Behandler halte, so er sich die Mühe macht, auf seinen Körper zu hören. Finde ich einen großartigen Zugang, bevor mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Genau diese Fähigkeit des Körpers, uns auf Dinge, die uns nicht entsprechen, aufmerksam zu machen, können wir in die andere Richtung nutzen. So, wie er Botschaften aus der Seele auf die physische Ebene transportiert, kann er umgekehrt durch seinen optimalen Einsatz unseren Gemütszustand (positiv) beeinflussen.

Warum sprechen soviele Menschen, die Yoga, Qi Gong und ähnliche Techniken praktizieren, von dem mentalen Flow, der Ruhe, in die sie eintreten? Der Effekt einer Massage oder anderen Behandlungstechnik liegt nicht bloß daran, dass man Verspannungen löst, sondern sich dadurch auch mentale Knoten lösen. Ich habe es oft bei meinen Bowentherapiepatienten*innen erlebt, dass ich auch deren seelischen Zustand beeinflusste, nicht wissentlich, das passierte automatisch. Deshalb habe ich größten Respekt, an jemandem herumzudrücken, der sich in einer kritischen Verfassung befindet, da wäge ich sehr genau ab.

Man hat herausgefunden, dass, wenn man sich im Spiegel anlächelt, kurz seine trüben Gedanken nicht spürt. Nicht, dass sie nicht mehr da wären, jedoch spürt man sie nicht. Man kann nicht gleichzeitig lachen und traurig sein. Deswegen funktioniert Lachyoga, das hat nichts mit esoterischen Schwingungen zu tun, sondern das Lachen entspannt den Körper soweit, bis es auf die Psyche übergeht. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: „Lachen ist die beste Medizin“ oder „Humor ist gesund“. Beim Lachen werden hunderte Muskeln entspannt, vom Gesicht bis zum Bauch. Die Körperhaltung ist ebenso essentiell wichtig. Menschen, die gebückt durchs Leben gehen, denen mangelt es auch an innerer Aufrichtung. Wenn man ihnen beibringt, die Wirbelsäule zu strecken, den Blick zu heben, vom Boden aufzuschauen und die Muskeln zu straffen, fühlen sie sich augenblicklich wacher und kräftiger. Selbstvertrauen beginnt an der Aufrichtung, Stolz und Würde erlernt man nicht, indem man sich duckt. Dieser „Buckel“ schafft nur Verspannungen und Schmerzen.

Den Trend, der sich aktuell immer mehr im psychologischen Arbeitsbereich durchsetzt, nennt man auch „Embodiment“. Wikipedia definiert es so: „Embodiment (deutsch: Verkörperung, Inkarnation oder Verleiblichung) ist eine These aus der neueren Kognitionswissenschaft, nach der Bewusstsein einen Körper benötigt, also eine physikalische Interaktion voraussetzt. Viele Traumatherapeuten arbeiten mit ihren Klienten damit. Da werden Klopftechniken, Schütteln der Körperteile und vieles mehr eingesetzt. Die Therapeuten berichten darüber, dass den Patienten ihr Problem im KOPF längst klar ist, die Abspeicherung auf der Körperebene jedoch nach einer Erlösung verlangt.

Wir haben das sicher alle schon einmal erlebt: der Geist ist zu vielen Täuschungen fähig, kann uns selbst und andere mächtig in die Irre führen, der Körper jedoch lügt nicht. Wir können uns einreden, dass schlechte Ernährung ja nicht soviel ausmachen kann, der Körper wird es uns zeigen. Eine Frau, die ständig Unterleibsprobleme hat, sollte überdenken, ob sie ein seelisches Problem in der Partnerschaft mit sich herumträgt. Wenn wir unsere Hautprobleme nicht loswerden, wie steht es um unser Abgrenzungsvermögen gegenüber der Umwelt? Die Liste wäre endlos fortzusetzen.

Der Körper lügt nicht. Feinfühligen Menschen kann man auch nichts vormachen. Die sehen an der Körpersprache des/r anderen, ob das, was sie hören, wahr und authentisch ist.
Es macht also durchaus Sinn, die Körpersprache des Gegenübers zu beobachten, denn da kann er sich nicht verstellen, das geschieht ganz unbewusst.

Sehen wir den Körper als das, was er ist, ein heiliger Tempel, der unsere Seele beheimatet. Für den wir Sorge und Achtung tragen sollten. Pflegen wir ihn bestmöglich, sodass er unserer Psyche als Superkraft zur Seite stehen kann!

2 Gedanken zu “Powerduo Geist&Körper

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