Stubenhockereigedanken

Ich fühle mich wie in einer Zwischenwelt. Eine Mischung aus Krankenstand (obwohl ich nicht krank bin, aber trotzdem aufgrund eines Virus daheim), Betriebsurlaub (kann man Kurzarbeit so nennen?), vielleicht Urlaub? Aber den wählt man ja freiwillig. Und ein Urlaub wird auch nicht unterbrochen, wenns sein muss, denn da ich in einem medizinischen Beruf arbeite, habe ich Bereitschaft für Notfallpatienten. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre, die ich so nicht kenne. Die letzte große Auszeit war vor meiner Einschulung oder so ähnlich. Vor allem gibts derweil kein konkretes Endziel, und ohne das hab ich mich schon immer wie ein schwankendes Boot auf offener See gefühlt. Ich arbeite gerne worauf hin, dann kann ich den Weg so richtig genießen. Wie oft, wenn die Arbeit stresst, wünscht man sich eine kleine Auszeit, jetzt ist sie da, aber sie fühlt sich fremd an. Als Angestellte/r hat man es ja noch ein wenig leichter, wenn der Job gesichert ist, aber die vielen Selbstständigen, wer fängt sie auf? In deren Haut mag man gerade nicht stecken.

Aber eigentlich, so muss ich es ehrlich sagen, ist meine Art, mein Leben zu führen, momentan gesellschaftsfähig, gilt als die aktuell beste, gesündeste, ungefährlichste und konstruktivste. Ich bin nämlich eine passionierte Stubenhockerin. Das traute ich mich vorher gar nicht laut sagen, ist es ja eher eine aussterbende Spezies in Zeiten von Freizeitbespassung. Mir war noch nie im Leben langweilig. Daheim schon gar nicht. Da noch eher in lauten Runden mit null Gesprächsinhalt oder -tiefe. Ich hatte noch nie ein Problem damit, mit mir alleine zu sein oder nur die Handvoll Menschen zu sehen, die zu meinem Leben im engsten Kreis dazugehören, Partner, Familie, Freunde. Meine Hündin natürlich. Es gibt Bücher, deren Inhalt ich gar nicht erwarten kann, ich gucke Filme, die ich mir mal im Dezember aufgezeichnet hatte, und zu denen ich im Alltagstrubel nie kam, wir haben Telefone, Emails, mein Kühlschrank ist voll, mein Zimmer warm, dazwischen mache ich Qigong oder meditiere. Oder wir machen am Haus was fertig, das schon seit Monaten genau darauf gewartet hat. Also Quarantäne 2.0 hat schon eine andere Qualität als im vorigen Jahrtausend. Für mich persönlich hat sich wenig geändert, der Unterschied ist, dass ich damit in meinem Umkreis auf einmal nicht mehr allein bin und selbst die Umtriebigsten das gleiche tun. Wobei man immer wieder hört oder liest, wie schwer das den Menschen fällt.

Leute, was ist los mit euch? Ihr baut euch die tollsten Häuser, und dann fällt euch die Decke auf den Kopf? Ihr heiratet einen Menschen, dann kommen ersehnte Kinder, aber länger als drei Tage zusammen unter einem Dach löst Unbehagen oder gar wüste Streitereien aus? Ihr habt wunderschöne Gärten mit Pools und allem Chichi und jammert, weil ihr vielleicht grad nicht in den Park dürft zum öffentlichen Spielplatz? Ihr vermisst die Geselligkeit auf Partys und in der Bar, weil die daheim zu wenig ist bzw sogar nervt? Was ist da falsch gelaufen? Vielleicht wäre DAS der perfekte Zeitpunkt, nicht nur über Covid-19 nachzudenken.

Das alles fällt natürlich umso schwerer, weil die Natur Gas gibt, die Pflanzen ausflippen in ihrer Knosperei und die lautstark zwitschernden Vögel gleich mit anstecken. Mit LEBENSFREUDE, keinem Virus.  Die dürfen raus, alle Tiere dürfen sich jetzt absolut frei bewegen, denen passiert nämlich absolut gar nichts. Es sei ihnen VON HERZEN gegönnt. Gerade im Frühling wird soviel Wild überfahren, weil alle in ihren Autos durch den Lebensraum der Tiere donnern und sich mokieren, was das Tier hier verloren hat, wenn sie eines erwischen. Die Natur darf ihren Frühling heuer ganz für sich genießen. Ohne dass Menschen in Massen nach draußen strömen und die Anmut, die der Frühling ausstrahlt, zertrampeln.

Wir haben anscheinend wirklich gedacht, dass WIR es in der Hand haben, den Planeten zu retten bzw zu zerstören. Hat es jetzt der letzte begriffen, welch naiver Plan das ist, vor allem, wenn man dabei auf die Menschen zählt, deren Masse wahrscheinlich selbst nach Corona noch immer nicht begreift, was zählt und wies geht? Mir schoss heute morgen folgender Gedanke durch den Kopf:

Hat Mutter Erde am Ende ihr Gegenmittel für den Virus namens MENSCH gefunden?

Nein, das hat sie nicht, sie würde in ihrer unermesslichen Geduld und Güte niemals Schaden anrichten. Das tun nur wir. Wir kriegen bestimmt noch eine Chance. MACHEN WIR WAS DRAUS! Gehen wir endlich den Weg der Liebe und Achtsamkeit, des Miteinanders. Entsorgen wir endlich diese unsere Riesenegos, diese Besitz- und Machtgier. Lernen wir, zufrieden zu sein, sozial verträglich und entrümpeln wir endlich unser Leben von all dem unnützen Ballast.  Dann, glaub ich, haben wir eine echte Chance. Ohne Impfstoff.

Foto: Stubencouchhocken. Inklusiver Unfrisiertheit.

2 Gedanken zu “Stubenhockereigedanken

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