„Herzjagen“

Ich habe vor kurzem den Film „Herzjagen“ mit der beeindruckend spielenden Martina Gedeck und der bezaubernden, mit einer fragilen Stärke agierenden Ruth Brauer-Kvam gesehen. Die Frauen in dem Film könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine hat einen angeborenen Herzfehler, weswegen der Tod permanent wie ein Damoklesschwert über ihr schwebt und ihr eine rettende Operation plötzlich das pralle Leben schenkt. Nur, damit kann sie nicht umgehen. LEBEN, sie weiß nicht, was das bedeutet, entwickelt eine Besessenheit für ihren Chirurgen, der ja immerhin ihr Herz „berührt“ hat. Alle Möglichkeiten offen zu haben, wie geht das bitte? Sie sehnt sich nach ihrer „Ruhe“ zurück, als das Leben ihr noch keine weitreichenden Entscheidungen abverlangte.

Die andere, eine Ärztin, die mitten im von ihr geliebten Leben steht und eine schlimme Krebsdiagnose erfährt. Der plötzlich die Möglichkeiten vor den Augen verschwinden. Die beiden begegnen sich erst im Krankenhaus und dann auf dessen Dach…

Im Film fällt das Zitat: „Wer nicht unglücklich ist, weiß nicht, dass er nicht glücklich ist.“

Wenn man das mal eine Weile sacken lässt, dann erkennt man, dass viele Menschen in diesem Zustand erstarrt sind. Es geht einem nicht direkt schlecht. Fliehen tun Menschen aber nur, wenns ihnen echt an den Kragen geht. Ansonsten verharrt man, erstarrt man, lässt Chance um Chance an sich vorüberziehen, denn „es geht einem ja nicht schlecht.“ Das Leben lebt sich ja derweilen weiter. Von ganz alleine. Dazu muss man gar nicht viel machen. Ab und an fällt es dann sowieso eine Entscheidung für einen, also kein Stress.

Aber wehe, da taucht wer auf und stellt die Frage: Bist du auch glücklich? Da wirds für viele eng. Dann dreht man sich weg, lenkt sich ab, wechselt das Thema, macht die Augen zu. Blöde Frage! Glück! Glück! Was ist schon Glück? Glücklich ist, wer zufrieden ist! Man darf nicht immer soviel erwarten vom Leben! Anderen geht´s noch viel schlechter! Schau den Nachbarn an, der hat´s nicht einmal so gut wie ich! Also! So tun doch alle. Das ist NORMAL.

Es ist normal für uns geworden, auf Glück zu verzichten. Das muss man sich einmal vorstellen! Wir merkens erst, wenn sich bereits körperliche Beschwerden einschleichen oder wir direkt auf die Schnauze fallen. Die Herzkranke im Film setzt sich in der Kantine zu einem Pärchen und fragt erst die eine, dann die andere, ob sie einander lieben. Die können beide keine rechte Antwort darauf geben. Sie beobachtet die zwei Frauen ganz genau und flüstert beim Gehen der einen ins Ohr: „Such dir jemanden, der verrückt nach dir ist.“

DAS sollten wir sacken lassen. Stimmt, wir sollten nicht chronisch unzufrieden sein und in jeder Suppe ein Haar suchen. Wir könnten zufriedener sein, würden wir Menschen und Situationen nicht so hart beurteilen. Würden wir wieder lernen, mit den Seelenaugen zu sehen, würde uns manch Schönheit, die uns umgibt, sowieso von den Füßen reißen.

Vielleicht haben wir deshalb soviel Angst und vergessen darüber, dass Glück unser Geburtsrecht und sogar unsere Pflicht ist. Raus aus der selbst auferlegten Lethargie und den tausend Zukunftsängsten! Setzt mal wieder für ein paar Stunden die rosa Brille auf. Oder von mir aus eine blaue. Glückliche Menschen sind netter zu ihren Mitmenschen.

 

 

3 Gedanken zu “„Herzjagen“

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