Good Vibes only?

Anstrengend, oder?

Da haben wir ganz schön zu tun, den lieben langen Tag positiv zu denken, Kalender mit erhellenden Zitaten zu lesen, Werbung trichtert uns ein, was wir zum vollendeten Glück noch brauchen, und schaffen wirs nicht alleine, sind die Buchregale voll mit Ratgeberliteratur. Hilft das alles nichts, die Lebensberater stehen mit Coaching parat.

Versteht mich nicht falsch, es ist großartig und wichtig, dass es Menschen gibt, die andere liebevoll begleiten, und manche Bücher sind einfach wunderbar. Aber wie bei sovielem, das eigentlich was Gutes ist, treibt es der Mensch auf die Spitze.

Mittlerweile hat man nämlich erkannt, dass es toxisches positives Denken gibt. Klingt paradox, oder? Gute Gedanken sollen uns schaden? Ja – wenn wir durch sie Druck auf uns ausüben. Manchmal ist man einfach überfordert, wird krank, laufen Menschen weg, verliert man den Job, stirbt ein Haustier, zerbricht man Omas Vase. Das letzte, was man dann wohl gebrauchen kann, sind die fröhlichen Kalendersprüche, die uns sagen, dass in jedem Leid ein Segen liegt. Dass alles uns dient.

STIMMT JA AUCH!

Aber was nicht zielführend ist, ist, wenn man aus dem positiven Denken einen Spitzensport betreibt. Richtig fatal wird es, wenn man beginnt, seine negativen Gefühle zu verdrängen, als nicht zu einem gehörig zu empfinden, sie nicht mehr bewusst durchfühlt und anerkennt.

Es darf sich auch mal richtig SCHEISSE anfühlen!!! Ich darf auch mal bockig, wütend, traurig und schlecht gelaunt sein.

Niemand kann dauerhaft glücklich sein, das würde uns stressen. Anstatt uns ständig positives Denken als Hausaufgabe zu geben, sollte man den Menschen deutlich machen, dass beides zu uns gehört, die guten wie die schlechten Gefühle und Gedanken. Energie sollte man dafür aufwenden, beides achtsam zu beobachten, an keinem der beiden festzukleben, denn das ist ja das eigentliche Drama. Am Glück kleben wir, weil wir magische Augenblicke festhalten und in Dauerschleife wiederholen wollen, an den negativen Emotionen, weil wir Angst haben, dass die nie wieder vergehen. Beides Irrgänge des Geistes, denn wir sind mehr als unsere Gedanken und Gefühle und jeder Augenblick unseres Lebens kann Veränderung bedeuten.

Wenn wir den Menschen dauernd positive Gedanken aufschwatzen, erzeugen wir erst recht negative in ihnen, denn wie fühlt sich jemand, dem grad nichts gelingt und der dann noch zusätzlich Stress kriegt, dass er anscheinend positiv denken auch nicht auf die Reihe kriegt?

Lasst uns geduldig und sanft mit uns selbst sein. Schauen wir uns unsere Gedanken und Gefühle wie einen Kinofilm an, ohne Wertung. Es gibt Thriller, Liebesfilme und Komödien, manchmal ein Drama. Den Saal verlassen wir ja auch wieder. Entspannt anschauen, was da der Regissseur in unserem Kopf produziert. Und anstatt ihn immer streng zu kritisieren, vielleicht auch einfach mal darüber schmunzeln, wie wahnsinnig kreativ unser „Kopfkino“ ist… 😉

 

6 Gedanken zu “Good Vibes only?

  1. Hallo

    Kann das Streben nach dem Positiven toxisch sein?

    Ich bin in der glücklichen Lage ,das ich noch nicht allzu schwer vom vom Schicksal geprüft wurde.
    Aber das positive Denken kann man nicht zu viel, geschweige denn toxisch sein.
    Falsch kann man es machen, seine Möglichkeiten überschätzen.
    Man muss dabei bedenken, das nur etwa ein Drittel der Menschen die Wiederstandskraft besitzen um wieder aufzustehen wenn sie ein Schicksalsschlag trifft
    Resilienz, wird schon in der Kindheit gebildet, Vertrauen, zu Eltern, oder einen „Mentor“ , ein stabiles Welt und Selbstbild, Religion, sind einige Faktoren davon.
    Ich denke richtiges Positives Denken sollte man seinen Kindern von Anfang an mitgeben .
    Wenn es mir schlecht geht, möcht ich das nicht noch mit einem “ mir gelingt gar nichts “ verstärken.
    Oft muß man sich sprichwörtlich selbst aus der Scheiße ziehen.

    Oh und ich lese auch gern deine Texte😋

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank für deine weiterführenden Gedanken zu meinem Eintrag! Das, was du meinst, stimmt natürlich, denn eine grundsätzlich positive Lebenseinstellung ist ganz wichtig. Toxisch wirds erst, wenn man sich die „negativen“ Gefühle gar nicht mehr erlaubt, sie nicht bewusst durchlebt, was wichtig ist für deren Erlösung und sie sofort durch einen „happy“ Spruch verdrängt, das ist nicht gesund für die Seele. Diese Gefühle wollen beachtet werden wie ein kleines Kind, liebevoll und behutsam….dann wandeln sie sich sowieso zum Guten…:)

      Warum weißt du, dass mein nächstes Thema Resilienz wird? 😉

      Liken

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