Die besten Dinge im Kopf

Ich habe vor Kurzem den Satz gelesen:  „Die Erwartung ist alles, die Wirklichkeit kann ihr nicht das Wasser reichen“.

Habe viele Erfahrungen dieser Art machen müssen, wie großartig und spektakulär war das Kino in meinem Kopf, die Realität ließ dann einen etwas schalen Geschmack zurück. Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass sie ja nichts von meiner tagelangen gedanklichen Regiearbeit wissen konnte.

Wer kennt das nicht: ein besonderer Abend steht an, ein Rendezvous, eine Reise, eine Party, ein Theaterstück oder Konzert, das neue Lied vom großen Comeback, egal was: die Erwartung schnellt in die Höhe, rasant wie ein Raketenstart. Es ist ja allzu menschlich, dass alles, was sich unser Kopf ausmalt, weit über dem liegen wird, was uns dann tatsächlich erwartet. Die menschliche Fantasie umspannt Galaxien, und was wären wir, würden wir nicht das Schönste annehmen?

Dann steht man auf der Party, dem Konzert, dem Rendezvous, hört das Lied, sitzt im Theater – und alles fühlt sich plötzlich nur mehr lauwarm an. Hallo Fantasie!? Hallo Realität! Darf ich vorstellen? Kennt ihr einander? Nein, natürlich nicht.

Das ist aber umgekehrt genauso. Der geliebte Mensch meldet sich nicht binnen zehn Minuten. Die beste Freundin hat nicht reagiert, der Arbeitskollege war heute aber sehr kühl. Grübel, grübel. Und wieder läuft die Fantasie zur Hochform auf, was da nicht alles an Schreckensszenarien ablaufen könnten. Im Gegensatz zur freudigen Erwartungshaltung verfällt man dann, wenn die weit weniger dramatische Realität ihren Auftritt hat, in befreites Lachen. Und konnte sich überhaupt nicht mehr vorstellen, was denn gerade noch so beängstigend war.

Der erfrischende Gegensatz zu den lange erwarteten Events sind dann die Dinge, die unerwartet toll werden. Man soll auf eine Ausstellung, will nicht, schon das Anziehen macht Mühe, und dann wird man überrascht von Bildern, die einen tief in der Seele berühren. Man schleppt sich auf die Party, und plötzlich hat man den Abend seines Lebens. Einfach drauflos gefahren, keine Ahnung, wohin, nur für ein Wochenende, und es fühlt sich an wie drei Wochen Hochglanzmagazin-Karibikurlaub. Mindestens. (den, wie ich ihn nenne, „Glückskater“ am Tag nach einem Highlight, den lassen wir mal außen vor…)

Von vielen Künstlern hat man gehört, dass sie die besten Dinge und Reisen im Kopf erlebt haben. Stimmt, ich auch. Man bekommt aber von der Gesellschaft ein wenig Druck auferlegt, dies und das machen zu müssen, da und dort dabei sein zu müssen.

Ich stelle mich auf die Seite derer, deren tollste Abenteuer im Kopf passieren. Und ich traue mich sagen, ich bin vielleicht weiter gereist als manch Weltenbummler . . .

2 Gedanken zu “Die besten Dinge im Kopf

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