Hommage

Warnung: dies wird keine philosophische Kolumne…oder doch?

Ich möchte eine Hommage an Kleidung schreiben. Stoffe und Schnitte gehören für mich zu den schönsten Dingen, für die es sich Geld auszugeben lohnt. Ich gebs zu, es ist eine Schwäche. Aber eine ästhetische.

Wie ich darauf komme? Es ist Herbst. Und nicht nur der trägt sein schönstes Gewand, Stichwort: goldgelbrote Farbexplosion, sondern auch die Menschen – wieder. Die Sommerzeit ist eine modische Grauzone, die ich kaum wahrnehme. Die Leute sind gekleidet, als wollten sie zum Strand gehen, aber nicht, um echte Gewandung auszuführen. Den Bequemlichkeitsfaktor lass ich nicht gelten, wer mir erzählt, das Schönste, das er sich vorstellen kann, seien bloß Shorts und Flip Flops anzuziehen, mit dem habe ich einfach kein Gesprächsthema. Mit Verlaub, das ist einzig eine sozialverträgliche Alternative, um nicht nackt auf die Straße zu gehen. Das einzige Sommerkleidungsstück, das echte Attitude hat, ist der Jumpsuit, früher Overall genannt. Man schlüpft rein, sonst keine Ergänzung notwendig, Schultern frei, Beine luftig umhüllt, wunderbar.

Jetzt, wo die Tage kühler werden, packen sich Menschen vom Hemd bis zu den Schuhen wieder in vorzeigbare und edlere Schnitte. Ok, nicht alle. Den Unterschied zwischen Stil und Style zu kennen, wäre mal grundsätzlich kein Fehler. Style ist eine Momentaufnahme, ja oft sogar eine Verkleidung, Stil ist was Haltbares, ein Statement, die Unterstreichung einer Persönlichkeit. Vielleicht liegt aber auch darin das Problem, wie in sovielen Dingen, dass Menschen sich selbst gar nicht kennen und deshalb auch nicht wissen, was ihnen steht oder was man wo zu tragen hat. Es verleiht eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, wenn man merkt, dass man dem Anlass entsprechend perfekt angezogen ist, und Komplimente machen Freude.

Man sollte sich zu jeder Zeit entscheiden: will man selber wahrgenommen werden, oder soll das Outfit im Vordergrund stehen? Ein Kleid sollte eine Frau maximal umrahmen, ihr aber niemals die Show stehlen. Coco Chanel war es, die Mode von jedem unnötigen Schnickschnack befreit hat. Um ein Kostüm abzurunden, hat sie nie etwas dazu gegeben, sondern immer etwas weggenommen. Absolut zeitlos und heute gültig wie eh und je, lieber zurücknehmen, als mit einem Outfit zu lärmen. Es sei denn, man arbeitet in einem Zirkus oder sonstwo.

Ein mit Stil gekleideter Mensch, der seine Persönlichkeit unterstreicht und eine Botschaft transportiert, trägt Understatement, wird man mit zuvielen „nackten“ Tatsachen konfrontiert, rümpfen modeaffine Menschen eher das Näschen.  Yves Saint Laurent, ein wahres Genie seines Faches, er hat die Coolness in die Frauenmode gebracht. Er hat sie in Hosenanzüge gehüllt, wie mondän!

Apropos cool: nein, die (Nicht-)Farbe Schwarz ist weder düster noch traurig, schwarz ist und wird immer elegant, aufregend und geheimnisvoll bleiben. Ebenso wie seine kleine Schwester Grau, denn – und nun zitiere ich mich selber aus einem Blogeintrag: Grau ist bloß mattes Silber. Also Glamour pur. Sehr wichtig ist auch der Wohlfühlfaktor. Nicht fragen, was darf man, was darf man nicht. Auch wenn sie tönen, kleine Frauen sollen keine flachen Schuhe tragen, trag sie mit Stolz, strahle dein Wohlbefinden darüber aus – und du wirst wunderbar aussehen!

In Sachen Lebensmittel tuns ja schon viele, wir sollten auch in unseren Kleiderschränken auf regionale Manufakturen achten, auf die Art der Wolle, auf Nachhaltigkeit. Lieber ein paar teurere Klassiker und gute Basics, als einen Haufen schlecht nach Chemie riechender Billigfähnchen. Früher bin ich auch jedem gerade modernen Stück, gerne auch günstigem, nachgelaufen, das war auch ebenso schnell wieder aussortiert. Und wenn ihr wirklich einen Fehlkauf begangen habt, passiert mir auch trotz guter Vorsätze noch manchmal: macht Flohmärkte und Tauschbörsen mit Freundinnen und Kolleginnen, auch da habe ich schon wahre Schätze erstanden. Oder spendet es.

Mein Kasten jetzt, der hat Wert, das sind Lieblingsstücke, die mistet man nicht nach einer Saison wieder aus. Die haben Charakter. Und Stil. Meinen nämlich.

2 Gedanken zu “Hommage

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