Gesundheit

Mit allen Sinnen genießen

Wir alle essen zu geschmacksverstärkt, überwürzt und nur mehr, um unsere Sinne zu betören. Kaum jemand isst, um seinen Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Manche sagen, sie kennen das Gefühl von Hunger gar nicht mehr, die Verfügbarkeit von Snacks lässt dies gar nicht mehr aufkommen. Es geht um den (übertriebenen) Geschmack, den Genuss des Moments, was dann mit der „Nahrung“ ein paar Etagen tiefer passiert, interessiert nicht mehr sonderlich.

Damit will ich natürlich nicht den Genuss von Essen schlechtreden, ganz im Gegenteil, gerade unsere feinen Sinnesorgane können wir nutzen, um wieder dahin zurückzufinden, wie Essen einmal vor der industrialisierten Fertignahrung geschmeckt hat. Als es schlicht war, ohne es mit Zusatzstoffen zu überladen. In der Ayurveda versteht man Nahrung als Medizin, die dem Körper all das zuführt, was er  braucht, was chemische Arzneien im besten Fall überflüssig macht.

Ich habe von einer Methode gehört, wie die Menschen wieder lernen, den Eigengeschmack von unverarbeiteten Lebensmitteln zu erfassen, ohne dass Zusatzstoffe die Nase und Geschmacksknospen völlig überreizen.
Man lässt sie erst an den Nahrungsmitteln riechen. Die Nase ist noch feiner und macht den Appetit. Mit Gurken wird begonnen. Die haben ein intensives Geruchsaroma, nicht umsonst verfeinert man damit manch Getränk. Dann Melonen, Tomaten und so geht es weiter. Erst wird ausgiebig an den Nahrungsmitteln gerochen, dann erst ein Biss davon genommen. Und ausnahmlos alle Teilnehmer sprachen von einer wahren Geschmacksexplosion im Mund.

Wir essen zu unachtsam, weil es meistens schnell gehen muss. Einfach, um das Magenknurren abzustellen, der Unterzuckerung entgegenzuwirken und ein schnelles Sättigungsgefühl zu erreichen. Dabei soll es noch richtig intensiv schmecken. Da kann wohl niemand von Genuss reden.

Essen sollte mit Liebe ausgesucht werden.  Dankbarkeit beim Zubereiten schadet auch nicht. Es ist ein Privileg, überhaupt essen zu können, Überfluss war noch unseren Großeltern völlig fremd. Im Idealfall lässt man sich an einem Tisch nieder, nicht im Stehen, im Vorbeigehen oder während der Arbeit. Man macht sich die Mühe, es anzusehen, es zu riechen, ganz langsam zu kauen und wirklich hinzuschmecken. Nicht schlingen, als würde uns der Nachbar was stehlen wollen, wir erwürgen ja sonst unsere Speiseröhre. Manch Gericht, dass ich anfangs langweilig fand oder es sogar ablehnte, entdeckte ich durch diese Achtsamkeit beim Essen ganz neu.

Es gibt nicht nur Zwiebel, Salz, Pfeffer und Ketchup. Es gibt wundervolle Kräuter, Zitrone ist ein wahres Geschmakhswunder, wenns pikant sein soll. Wenn man selber Brot backt, und der Duft zieht durchs Haus, es wäre ein Wunder, würde man das beim Essen dann ablehnen.

Deshalb kann man nicht von Verzicht sprechen, wenn wir uns mit einfachem, aber gut zubereitetem Essen versorgen und nicht mit überfrachtetem Fast Food. Fettleibigkeit ist ein ernstzunehmendes Problem unserer Wohlstandsgesellschaft, das meiner Meinung direkt angesprochen gehört. Das hat nichts mit Bodyshaming zu tun, in diesem Fall muss man von der Gefährdung der eigenen Gesundheit sprechen. Adipositas führt in den meisten Fällen zur Bewegungsarmut, das Gesundheitssystem wird dadurch auf Ebenen, wo man es vermeiden könnte, strapaziert. Ich finde es fahrlässig, dass Kinder schon zum maßlosen Genuss angehalten werden. Das Thema Ethik bei der Nahrungsaufnahme lass ich hier außen vor, das würde am Grundthema vorbeigehen. Aber wenn man Kindern früh wahren Genuß näherbringt, der sich durchaus außerhalb von McDonalds finden lässt, trägt das automatisch auch dazu bei.

Es verhält sich hier wie in so vielen Bereichen des Leben, wir haben Schlichtheit verlernt. Ein Brot mit nur feiner Butter darauf reicht nicht mehr, es muss immer Neues, immer Abwechslung, immer Ausgefalleneres auf den Teller. Die Tageskarte darf sich nicht wiederholen. Warum eigentlich nicht?

Also: Nase zu Hilfe nehmen, Rückbesinnung, woher das Essen stammt und wie reich uns die Natur segnet und dann wahren Genuss erleben. Im Übrigen fühlt sich der Magen am wohlsten, wenn er nach jedem Essen nur zu 3/4 gefüllt ist.
Unter uns: Das lässt auch ein Plätzchen frei für ein kleines Stück Schokolade danach. 🙂

12 Kommentare zu „Mit allen Sinnen genießen

  1. Dein Eintrag übers Essen ist mir wurscht, ich ess lieber ganzen Tag Pizza!!!
    (…und heul mich anschließend bei dir aus, weil dem kleinen Teufelchen der Bauch wehtut.)
    :)))))))))))))

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  2. Aufhören wenn es am schönsten ist, das ist die große Kunst die man erlernen muss. Sehr schwierig wenn’s halt so schön und gut ist. 😉
    Aber du hast wieder mal recht, wer richtig genießt hat mehr von allem, auch wenn es weniger ist.
    Schöner Beitrag!

    Gefällt 1 Person

  3. Meine Liebe, wieder ein herrlicher Beitrag!

    Ich rieche immer an allem (Lebensmittel und Getränken) was ich meinem Tempel, also meinem Körper, zuführe!

    Ich sehe dies als vollkommen gesunden Zugang all seine Sinne zu benützen – natürlich auch um auch eine Bewusstwerdung voran zu treiben.

    Dankeschön und alles Liebe ❤️
    Karin

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