Nichts für Feiglinge

Wie alt muss man werden, um das Wesen der LIEBE zu begreifen?

Ich denke, kein Wort wird mehr strapaziert, über nichts wird mehr gesungen, geschrieben, gemalt und geschauspielert. Ohne Liebe würden uns die Themen ausgehen. Wir kreisen um sie. Weil sie um uns kreist, weil sie die Essenz ist, aus der wir gemacht sind.

Da ist erstmal der Jungmädchentraum. Die ersten Schmetterlinge tanzen aufgeregt flatternd, das Tagebuch hat einfach nicht genug Seiten, die Wangen glühen rosig und alles scheint möglich. Die Welt ist ein einziges Wunderland.

Dann kommt die Vorstellung der jungen Frau, die eventuell einen sicheren Hafen, Verlässlichkeit und Stabilität sucht, eine Familie gründen will. Die auch noch nicht begreift, dass es nicht mit dem geigenuntermalten Filmabspann endet, sondern genau da erst die Liebe ansetzt, an Tiefe gewinnt und uns zu schleifen beginnt. Ernüchternde Erkenntnis: die Arbeit beginnt nach dem Happy End.

Aber eines Tages bist du wach. Verabschiedest dich von der Fantasie, verstaust alle rosa Brillen im Schrank und den eigenen überdimensionalen Egoismus gleich dazu und stehst vor ihr. Wagst kaum den Blick zu heben, weil sie so schön und majestätisch ist.  Wenn sie echt und bedingungslos ist. Aber deine Knie fangen an zu zittern, weil plötzlich dieser ganze Klischeekram vom Prinzen auf dem strahlenden Ross (oder war es die Rüstung, die strahlend war? Egal…) in Richtung Bedeutungslosigkeit abfährt, weil du erkennst, dass sie nicht einfach nur Glück bedeutet bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie immer noch nicht gestorben sind, die Helden. Sondern dich dort packt, wo sie dich aufrütteln will: sie fordert deinen Egoismus heraus, sie reißt brutal alte Wunden auf und schaut dir ins Gesicht mit den stummen Worten: „Willkommen im Leben. Straff deinen Rücken, erkenne dich endlich und wage die Reise, mit jemandem auf Augenhöhe. Kein Versteckspiel mehr hinter alten Mustern und lang verjährten Wunden. Lass dich ein auf den Weg, der wahrscheinlich steinig und nicht immer einfach sein wird – aber DEIN Weg ist.“ 

Sie fordert Geduld und Toleranz, und wenn du dich trotzig und zähneknirschend auf den Boden wirfst, wird sie daneben stehen, dir gelassen die Hand reichen, um aufzustehen und weiter zu gehen. Ihre gütigen Augen werden sich in deine heften, um dir vorzuschlagen, verzeihen zu können, weich zu sein, nicht schwach! Weich. Weil es nichts gibt, das die Liebe nicht heilen kann. Unser kleines Denken will schreien, welch Unrecht an uns begangen wurde, dass Liebe gefälligst nur und ausschließlich glücklich zu machen hat und im besten Fall durch das Zutun eines anderen Menschen, natürlich vom Format „Traumann/frau ohne Makel“. Wie naiv!  Sie aber wird immer noch nicht ungeduldig, schenkt dir ihr tiefgründiges Lächeln und flüstert: „Alles kommt zu dem, der warten kann…“  Du wirst oft warten müssen, du wirst dich oft ungerecht behandelt fühlen, du wirst davon träumen, wie es doch bitte im Film war. Diese Gedanken sind aber die falschen Freunde und um Gottes Willen noch schlechtere Ratgeber.  Viel zu oft tappen wir in diese picksüße Vorstellung von Liebe und sind dann natürlich zu Recht enttäuscht. Es geht nicht um erste Dates, den besten Sex deines Lebens, die Familienplanung und das schöne Haus. Das sind ganz andere Geschichten. Liebe macht nichts von all den Dingen aus, sie können sie im besten Fall damit umrahmen. 

Zugegeben – alles nichts für Feiglinge, wer sie herausfordert, einen doch endlich zu finden, dessen Weg wird sie kreuzen. Vorsicht, es könnte eine überraschende Begegnung werden… Unser Part ist nur, uns von überzogenen Erwartungen und menschengemachten Prinzipien zu lösen. „Nur“!

Aber dem, der es wagt, ihr zu folgen, ohne sie ständig in Frage zu stellen, dem offenbart sie ihre Schönheit. Der, der sich traut, der wird nie mehr unglücklich sein, weil sie ihn umarmen wird . . .

(Foto. H.K. 2018)

2 Gedanken zu “Nichts für Feiglinge

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