Tagtraum

Altbauwohnung, schäbiger Chic: Stilmöbel, die aus einer anderen Zeit erzählen und Kristallluster, die ein längst vergangenes Strahlen erahnen lassen.
Sie trägt ein weißes, fließendes Kleid, lehnt sich an das Fensterbrett und blickt auf das Alltagsleben unter ihr.
Sie wartet. Darauf, in Szene gesetzt zu werden. Optimal beleuchtet von einem wahren Könner.
Ein Künstler, der Magie aus Gesichtern und Körpern holen kann, der Bilder zum Leuchten bringt, vor dessen Fotos Menschen verharren. Versinken.
Es werden sich keine anderen Leute im Raum befinden, er will mit den Menschen, mit denen er arbeitet, alleine sein und den Teil aus ihnen herausholen, mit dem man die Welt verzaubert.
Sie hat viel von ihm gehört und gelesen, sie ist gespannt, wer sie sein wird.

Die Tür öffnet sich, sie dreht sich vom Fenster weg, und ab diesem Augenblick verlangsamt sich das Leben zur Zeitlupe.
Zwei Augenpaare treffen sich, und Zellen implodieren.
Der Sekundenzeiger bleibt stehen, das Licht wird heller, die Haut steht unter Strom.
Füße setzen sich in Bewegung, streben aufeinander zu – die Zeitlupe wird fast zum Stillstand – und die Welt ist auf einmal geräuschlos.
Irgendwann ist die räumliche Distanz überwunden, und ab nun explodiert alles zu einem spektakulären Farbenrausch…

(Foto: H.K. 2007)

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